POLITIK
14/04/2016 22:48 CEST | Aktualisiert 15/04/2016 06:02 CEST

Gebühren für ARD und ZDF: Die große Lüge von der Demokratie-Abgabe

  • Deutschland diskutiert wieder über Rundfunkgebühren - sie könnten ab 2021 ins Unermessliche steigen

  • Eine Zusammenfassung dieses Vorhabens seht ihr im Video oben

  • Damit verliert das System weiter an Rückhalt in der Bevölkerung

  • Die Deutschen spüren, dass sie belogen werden

Es ist unfassbar. Kein Land der Welt gibt für seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk so viel Geld aus wie Deutschland. Das Problem dabei: Einen großen Teil der Bevölkerung erreichen die Sender schon lange nicht mehr.

Seit Jahren schon fällt es den Sender offenkundig schwer, ein Programm zu entwickeln, das jüngere Menschen anspricht. Damit verliert das öffentlich-rechtliche System immer mehr den Kontakt zu seinen Zuschauern.

Bei vielen Zuschauern kommt nur noch an, dass das öffentlich-rechtliche System nach immer mehr Geld schreit. Sieben Milliarden Euro pro Jahr sind es bereits - viel zu wenig, beschweren sich die Verantwortlichen immer wieder.

Und das, obwohl heute schon jeder Berliner Punk für das Musikantenstadl zahlen muss, der sicher einen anderen Musikgeschmack hat. So entsteht immer, wenn die Sender wieder mehr Milliarden wollen, ein Entrüstungssturm, der jedes Mal heftiger wird.

Das System ist krank, es ist kaputt

Das kann so auf Dauer nicht gut gehen. Das öffentlich-rechtliche System hat ein schweres Problem.

Ich will eins klarstellen: Ich bin nicht gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich habe neben dem Studium für den WDR gearbeitet. Einige meiner Freunde sind beim Öffentlich-Rechtlichen angestellt und sind dort glücklich.

Als Journalist sehe ich ein, dass die Arbeit der öffentlich-rechtlichen Kollegen immens wichtig für den politischen Diskurs in diesem Land ist.

Knapp 18 Euro als Demokratieabgabe

Dennoch. Auch ich verliere, wie andere Menschen in unserem Land, die Geduld mit dem Gebührensystem. Auch von meinem Konto werden die knapp 18 Euro pro Monat abgebucht – und jedes Mal fühle ich mich schlecht dabei.

Diese Gebühr wird mir als Demokratie-Abgabe verkauft. Es gibt kaum ein Wort, das mich in den vergangenen Jahren mehr aufgeregt hat als dieses.

Darin liegt schon ein anmaßender Unterton: Wenn du nicht mitmachst, bist du nicht demokratisch. Und wenn die Öffentlich-Rechtlichen verschwinden, verschwindet die Demokratie.

Völlig intransparentes System

Ich weiß auch nicht, was mit meinem Geld passiert. Immer wenn ich herausfinden will, was mit dem Geld wirklich geschieht, scheitere ich. Neulich hat sich ein Freund von mir einen satellitenfähigen Blue-Ray-Player gekauft. Er schaltete ihn ein. Das Gerät konfigurierte die Sender. Und staunte: Der WDR allein hatte zig Satellitenkanäle - jedes regionale Fenster eins. Die kosten Tausende Euro pro Monat.

Was für eine Verschwendung.

Verschwendung gibt es überall. Bei einigen Sendern etwa wurden Menschen gut dafür bezahlt, morgens die Computer der Redakteure hochzufahren, Agenturen auszudrucken oder Brötchen für die Morgenshow zu besorgen.

Außerdem stehen die Sender für so vieles, was ich – und viele andere Deutsche – nicht unterstützen wollen: überbordende Bürokratie. Eine wenig nachhaltige Personalpolitik.

Es sitzen hunderte Journalisten in hoch dotierten Altverträgen ihre Zeit bis zur Rente ab, während sich junge Kollegen jahrelang mit unsicheren Zeitverträgen durchschlagen - ohne eine echte Chance für den Aufstieg.

Kein Wunder, dass da neue Impulse selten von innen kommen.

Schlimmer noch: Die Sender stecken riesige Millionenbeträge in die Übertragung von Fußballspielen.

Warum mich das so aufregt? Weil sich die Sender auf diesem Weg de facto von meinem Geld ein Publikum kaufen, dass für das normale Programm niemals einschalten würde: oft jüngere Menschen, die längst mit dem öffentlich-rechtlichen System abgeschlossen haben.

Kurz: Mit den Millionen für Sportereignisse verfälschen die Sender ihre verheerende Bilanz. Am gestrigen Mittwoch etwa hatte die ARD bei unter 50-Jährigen 5,8 Prozent Marktanteil. Dem ZDF dagegen bescherte das Bayern-Spiel mehr als 10 Millionen Zuschauer - und damit einen Marktanteil von 12 Prozent.

Kurzfristig geht der Plan auf. Aber der Weg ist riskant.

Schauen wir nach England, wo die Kosten der Übertragungsrechte in die Höhe schießen, erkennt man schnell, dass diese Strategie nicht nachhaltig ist. In absehbarer Zeit werden sich die Kosten für Fußball-Übertragungsrechte auch bei uns vervielfachen.

Warum keine Gebühr für die, die es sehen wollen?

Aber warum sollte es irgendjemanden bei der ARD und ZDF auch kümmern? Das Geld fließt!

Die einzige GEZ-Reform, die es schaffte: Die GEZ wurde abgeschafft, dafür kam die Haushaltsabgabe, die noch viel mehr Geld einbringt.

Ich bin gerne bereit, einen monatlichen Betrag für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu zahlen. Ich habe auch kein Problem damit, wenn dort der Musikantenstadl läuft - bei Netflix gefällt mir auch nicht alles.

Aber ich bin nur bereit dafür, wenn sich der Rundfunk endlich ehrlich mit seinen Schwächen auseinandersetzt.

Dafür braucht es einen Aufstand der Gebührenzahler.

Nur so hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Zukunft in Deutschland.

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bp