POLITIK
13/04/2016 18:20 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 04:26 CEST

Villen-Wutbürger in Rage - Warum Hamburger Flüchtlingsgegner wohl umsonst gegen Asylunterunterkünfte demonstrieren

Blankenese.
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Blankenese.

  • In Hamburg tobt der Streit um neue Flüchtlingsheime besonders heftig

  • Nun gibt es Streit um die Zulässigkeit von Bürgerbegehren zu neuen Flüchtlingsheimen

  • Im Villen-Viertel Blankenese hatte sich der Streit um eine neue Unterkunft zuletzt zugespitzt

In wohl keiner deutschen Großstadt verliefen die Proteste gegen neue Flüchtlingsunterkünfte zuletzt so heftig wie in Hamburg. Insbesondere in den wohlhabenden Vierteln protestierten Bewohner der Hansestadt mit teils drastischen Mitteln gegen die Ansiedlung von Asylsuchenden in der Nähe ihrer Domizile.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgten vor allem die Blankeneser Villenbesitzer. Als die städtischen Behörden dort vergangene Woche mit Baumfällarbeiten beginnen wollten, um eine Fläche für die neun Holzpavillions zu schaffen, blockierten Anwohner mit ihren Autos absichtlich die Straße.

Die 42 Bäume blieben stehen, die Lastwagen konnten die zugeparkte Fahrbahn nicht mehr passieren. Als Folge verzögert sich der Bau der Asylunterkunft auf unbestimmte Zeit.

Bürgerinitiative will weiter kämpfen

Asylkritische Hamburger haben sich zudem zur Initiative gegen große Flüchtlingsunterkünfte zusammengeschlossen. Die Gruppierung hofft, den Bau neuer Heime mithilfe eines Bürgerbegehrens zu stoppen.

Neben einem Volksbegehren haben sie auch Bürgerbegehren in allen sieben Hamburger Bezirken gestartet.

Doch die Behörden der Hansestadt halten dagegen: Die Hamburger Bezirksämter haben die angekündigten Bürgerbegehren gegen den Bau großer Flüchtlingsunterkünfte für rechtlich nicht zulässig erklärt und entsprechende Bescheide verschickt.

Doch der Dachverband der Initiativen gegen Großunterkünfte will das Nein der Bezirke nicht hinnehmen und kündigte rechtliche Schritte an. "Uns beschleicht der Eindruck, als wolle der Senat um jeden Preis weiterbauen", so Initiativensprecher Klaus Schomacker gegenüber dem "NDR".

Die Bürgerinitiative teilt in einer Pressemitteilung mit: „Wir sammeln weiter!“

Die Ziele der Volksinitiative sind im Vergleich zu vielen rechten Gruppen aber moderat. Die Initiative möchte erreichen, dass kein Flüchtlingsheim mit mehr als 300 Menschen belegt wird und dass jede Unterkunft mindestens einen Kilometer von der nächsten entfernt ist.

Neben den Behörden hatten sich in Hamburg zuletzt auch linke Gruppen mit den Flüchtlingsgegnern angelegt. Sie wollten in Blankenese eigenmächtig Bäume fällen, um den Bau des Heims voranzutreiben.

Die Aktivisten hatten am Freitag sogar die Motorsäge angeworfen. Das angekündigte Blankeneser "Kettensägen-Massaker" blieb zuletzt aber dann noch aus.

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