WIRTSCHAFT
14/04/2016 01:38 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 01:45 CEST

IWF spricht erschütternde Warnung aus: "Börsenturbulenzen waren Warnsignal"

Zwei Broker an der New York Stock Exchange im April 2016
Lucas Jackson / Reuters
Zwei Broker an der New York Stock Exchange im April 2016

  • Der IWF warnt vor einer möglichen weltweiten Finanzkrise

  • Insbesondere der Bankensektor macht Sorgen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlichte ein gruseliges Schriftstück. Von diesem Donnerstag an trifft sich in Washington die Finanzelite - nicht nur zur Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, sondern auch in kleinerem Kreis der Top-Wirtschaftsmächte G20 und G7.

Um für das Treffen in Washington gleich die richtige Stimmung zu setzten, warnt der IWF gestern in einem Bericht vor gestiegenen Gefahren für die Stabilität der weltweiten Finanzmärkte. Kernausage: Die Börsenturbulenzen in diesem Jahr seien als Warnsignale vor einer möglichen Mega-Finanzkrise zu werten.

Aktienmärkte schlagen ungewöhnlich stark aus

Seit Mitte des vorigen Jahres schlagen die Aktienkurse ungewöhnlich stark aus - ein klares Indiz für Unsicherheit und Risikobewusstsein an den Märkten. Im Januar brachen Chinas Börsen überraschend ein, sodass der Handel zeitweilig ausgesetzt wurde. China zog die Aktienmärkte auf der ganzen Welt mir runter.

Im zurückliegenden halben Jahr hätten sich die Risiken wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten, fallender Rohstoffpreise und Sorgen um China erhöht, heißt es in dem am Mittwoch in Washington vorgelegten Finanzstabilitätsbericht. In den Industrieländern haben die Risiken demnach zugenommen, während sie in den Schwellenländern unverändert hoch geblieben sind.

"Weltweit muss mehr für Stabilität gesorgt werden"

Nach massiven Turbulenzen an den Finanzmärkten zum Jahresbeginn, die ihren Ausgang in China hatten, habe sich die Lage seit Februar zwar beruhigt.

Die entscheidende Frage sei aber, ob die Turbulenzen inzwischen überwunden seien oder ob sie eher als "Warnsignal" zu verstehen seien, sagte IWF-Finanzmarktexperte Jose Vinals am Mittwoch.

"Ich denke, dass Letzteres der Fall ist. Es muss mehr getan werden, um weltweit für Stabilität zu sorgen." Der IWF fordert einen Mix aus Strukturreformen, staatlichen Konjunkturprogrammen und weiteren Finanzmarktreformen. Die Geldpolitik allein könne die Probleme nicht lösen.

Bankensektor macht Sorgen

In den Industrieländern sieht der IWF insbesondere den Bankensektor mit Sorge. Die Geschäftsmodelle vieler Institute stünden vor "erheblichen Herausforderungen".

Die Experten sprachen im Besonderen die Lage in der Eurozone an. Hier müssten die Banken dringend das Problem angehäufter fauler Kredite anpacken. Die Staaten der Eurozone sollten zudem die Bankenunion und die gemeinsame Einlagensicherung vorantreiben.

Die Schwellenländer müssten sich dagegen stärker gegen Risiken von außen absichern, so die Ökonomen. Unter anderem die niedrigen Rohstoffpreise hätten nach Jahren steigender Verschuldung zu einer Kombination aus abgeschwächtem Wachstum, erschwerten Kreditbedingungen und schwankenden Kapitalflüssen geführt.

IWF senkt weltweite Konjunkturprognose

Viele Unternehmen befinden sich laut den Experten in Schwierigkeiten und haben mit erschwerten Finanzierungsbedingungen zu kämpfen. Da viele Firmen in Staatshand seien, drohe dies auch die Staatshaushalte zu belasten.

In China beispielsweise sei das Volumen der Verschuldung von Firmen anteilig gestiegen, deren Gewinne nicht ausreichten, um die Zinszahlungen abzudecken.

Gemessen an der gesamten Unternehmensverschuldung habe sich der Anteil seit 2010 mehr als verdreifacht und liege inzwischen bei 14 Prozent. Den Banken drohen dadurch nach Berechnungen der Ökonomen Verluste in Höhe von schätzungsweise 7 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zum zweiten Mal seit Januar seine Prognosen nach unten korrigiert. Die globale Wirtschaft dürfte in diesem Jahr statt um 3,4 nur noch um 3,2 Prozent zulegen, 2017 um 3,5 Prozent.

Mit Material der DPA

Auch auf HuffPost:

Panama Papers: Während sein Volk für ihn starb, verschob Poroschenko mit dieser Mail sein Geld ins Ausland