POLITIK
13/04/2016 19:02 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 04:03 CEST

"Irrer vom Bosporus": Martin Sonneborn vergleicht Erdogan mit Hitler

Martin Sonneborn: Politiker und Satiriker.
ASSOCIATED PRESS
Martin Sonneborn: Politiker und Satiriker.

  • Der Satiriker und Politiker Martin Sonneborn erklärt Erdogans Reaktion auf die Böhmermann-Satire für "irre"

  • In Merkels Wegducken vor Erdogan sieht er möglicherweise den "Anfang vom Ende"

  • Für das Gerichtsverfahren hat Sonneborn mehr Hoffnung

Nun meldet sich in der Causa Böhmermann auch Chef-Satiriker Martin Sonneborn zu Wort. Der Parteivorsitzende der Partei "Die Partei" und ehemalige Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic" sprach mit "FOCUS Online" über Böhmermanns jetzige Lage, die Reaktion von Merkel – und teilt schwer gegen Erdogan aus.

Türken "per se humorlos"

Sonneborn hält die Absage Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" am morgigen Donnerstag für "eine kluge Entscheidung". Angesichts der vielen Emotionen, die Momentan hochkochen, rät Sonneborn abzuwarten, bis "ein bisschen Luft aus der Sache ist."

Sonneborn, der elf Jahre Redakteur des Satire-Magazins "Titanic" war, versteht Böhmermanns Rückzug: "Wenn man in der Öffentlichkeit steht und Familie hat, ist es nicht einfach, mit dieser aufgeheizten Situation umzugehen."

Auch im Interview lässt es sich Sonneborn wie gewohnt nicht nehmen, den Fall teils durch den Kakao zu ziehen. Auf die Frage, ob Böhmermann, der nun unter Polizei- und Staatsschutz steht, in Gefahr ist, antwortet Sonneborn, Türken seien "per se humorlos" und "es wäre natürlich blöd, wenn jetzt jemand durchdreht und man nicht alles getan hat, um den besten Nachwuchssatiriker des Landes zu schützen".

Erdogans Aktion ist "bizarr"

An Erdogan lässt Sonneborn kein gutes Wort: "Ich habe das Gefühl, dass Erdogan die Wirklichkeit nicht mehr wahrnimmt", sagt der 51-jährige EU-Politiker. Außerdem hält Sonneborn es für ein "wahnwitziges Unterfangen", dass der türkische Präsident versuche, in einem "völlig fremden Kulturkreis [...] Einfluss zu nehmen" und sich so aufspiele, wie er es "in seinem eigenen Land tut".

Erdogans Druck auf den Staat und das ZDF bezeichnet er als "bizarr und wirklichkeitsfremd" und vergleicht Erdogan Situation mit der Hitlers am Ende des Zweiten Weltkriegs: "Ich vermute mal, dass Erdogan, genau wie Hitler in seinen letzten Tagen, von Leuten umgeben ist, die ihm praktisch nicht mehr mitteilen, was denn jetzt draußen in der Welt passiert und was man tun kann und vor allem, was man besser lassen sollte."

Und Sonneborn geht noch weiter. "Ich glaube, dass dieser Mann einfach irre ist", sagt Sonneborn, und fügt hinzu, er werde im Europaparlament "liebevoll" als "Irrer vom Bosporus" bezeichnet.

Die Ironie des Satirikers ist dabei unverkennbar: "Ich werde mich jetzt dafür stark machen, dass wir Satire-Richtlinien in Europa einführen, damit man weiß, welche Staatsoberhäupter man wie beleidigen darf".

"Anfang vom Ende Merkels"

An Angela Merkel hat Sonneborn auch einiges auszusetzen. Ihr Verhalten im Fall Böhmermann hält er für "nicht zufriedenstellend" und die Kanzlerin verstehe nichts von Satire. Ihre öffentliche Erklärung gegenüber Erdogan bezeichnet Sonneborn als "Frechheit".

Für die Kanzlerin sieht er deshalb nur noch wenig Hoffnung: "Möglicherweise ist das der Anfang vom Ende des Merkel-Regimes."

Auf die Frage hin, ob Merkel oder Erdogan Satirikern die bessere Steilvorlage biete, findet Sonneborn klare Worte. Die Lächerlichkeit Erdogans sei kaum zu übertreffen, und "Merkel scheint sich offenbar aufgrund der Umverteilung von europäischen Problemen an die türkischen Grenzen einem Diktator verpflichtet zu fühlen". Die Verteidigung des Grundgesetztes sieht Sonneborn dadurch gefährdet.

Strafverfahren ist richtig

Aber Sonneborn kann der Sache um das "Schmähgedicht" auch etwas Gutes abgewinnen. Es werde dadurch in Deutschland wieder "öffentlich über Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst diskutiert".

Dass der Fall nun vor Gericht landet, hält Sonneborn für richtig. "Ich glaube, dass deutsche Richter mit einem solchen Antrag ganz gut umgehen können. Egal, ob der Antragsteller nun zufällig türkischer Präsident und ein bisschen durchgeknallt ist oder nicht." Dem Urteil blickt er optimistische entgegen: "Ich vertraue darauf, dass ein deutsches Gericht Böhmermann Recht gibt."

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