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13/04/2016 23:39 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 11:08 CEST

"Artemis" in Berlin: Razzia bringt die Wahrheit über Großbordell ans Licht

Zwei Prostituierte in Berliner Großbordell Artemis
Tobias Schwarz / Reuters
Zwei Prostituierte in Berliner Großbordell Artemis

  • Bei einer Razzia im Berliner Großbordell Artemis kam es zu sechs Festnahmen

  • Unter anderem geht es um Menschenhandel und Steuerhinterziehung

Offen, sauber, professionell - und natürlich völlig legal. Das "Artemis" in Berlin galt lange als deutsches Vorzeigebordell.

Und jetzt das: Eine Razzia mit SEK-Einsatz, in den Mitteilungen der Strafverfolger ist von schwerem Menschenhandel, Zwang, Rock-Gruppen und arabischen Clans die Rede.

Die Betreiber zeigten sich in der Öffentlichkeit und kommunizierten ihr Geschäftsmodell in unzähligen Beiträgen für Privatsender. Werbung für den Großpuff wurde bei Hertha-BSC-Heimspielen, in Taxis und sogar auf städtischen Doppeldeckerbussen geschaltet. Prostituierten-Verbände lobten die Hygienestandards und die Arbeitsbedingungen.

Jetzt eine Razzia: Polizei, Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und Zoll haben am Mittwochabend das Artemis durchsucht. An der Aktion seien insgesamt rund 900 Beamte beteiligt gewesen, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

artemis

Polizeifahrzeuge vor dem "Artemis" in Berlin

Weil einer der beiden Geschäftsführer legal im Besitz einer Waffe ist, war das Spezialeinsatzkommands (SEK) nach Angaben der "Welt" beteiligt. Verletzte gab es allerdings nicht.

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, geht es unter anderem um schweren Menschenhandel. "Es gibt auch Bezüge zum Rockermilieu", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Mitglieder der Hells Angels sollen dort Frauen zur Prostitution gezwungen haben.

Prostituierte schaffen für die Hells-Angels an

Ein Ermittler bestätigte der "Welt", dass viele der Prostituierten für die Hells-Angels-Gruppierung um den Berliner Boxer Kadir P. anschaffen würden. Dieser war einst mit mehr als 70 Gefolgsleuten von den Bandidos zu den Hells Angels übergelaufen und sitzt derzeit wegen Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft.

Nach Informationen der "Welt" wird der Großpuff auch von arabischen Großfamilien als Geldeinnahmequelle genutzt. Araber würden ungeachtet der deutschen Zuhälter ihre Frauen dort anschaffen lassen und bei Widerspruch mit Gewalt drohen. Die Zeitung beruft sich auf Polizeikreise.

Von den 900 Beamten waren in etwa 680 Polizisten; dazu kamen Kräfte der Zollinspektion und Steuerfahnder. Am Abend seien noch sechs Haftbefehle vollstreckt worden - gegen zwei Betreiber der Einrichtung und vier Frauen, die dort arbeiteten und gezielt gesucht wurden.

"Stringente Anweisungen" an die Frauen

Den Bordell-Betreibern werde vorgeworfen, Sozialversicherungsbeiträge veruntreut zu haben, erläuterte der Sprecher des Hauptzollamtes, Michael Kulus.

Während diese behaupteten, dass die beschäftigten Frauen selbstständig tätig seien, gebe es Hinweise darauf, dass sie vielmehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien.

Dafür sprächen Dienstpläne oder auch "stringente Anweisungen". Somit läge hier eine Scheinselbstständigkeit vor. Rentenversicherungsträger nähmen einen Schaden von 17,5 Millionen Euro an. Dazu kommt nach Polizeiangaben ein Steuerschaden in Höhe von 6 Millionen Euro, so dass eine Summe von rund 23 Millionen Euro im Raum stehe.

Bei dem gegen 20.00 Uhr begonnenen Großeinsatz wurden nach Angaben des Polizeisprechers 212 Menschen in dem Bordell angetroffen - Prostituierte und Freier.

Sie hätten keinen Widerstand geleistet und hätten sich kooperativ verhalten. Außerdem seien jeweils sechs Wohnungen in Berlin und im Bundesgebiet durchsucht worden.

Mit Material der DPA

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