WIRTSCHAFT
12/04/2016 11:26 CEST | Aktualisiert 12/04/2016 11:40 CEST

Was ich Leuten sagen möchte, die unsere Generation "faul" und "verwöhnt" nennen

Was ich Leuten sagen möchte, die unsere Generation "faul" und "narzisstisch" nennen
Thanasis Zovoilis via Getty Images
Was ich Leuten sagen möchte, die unsere Generation "faul" und "narzisstisch" nennen

Ihr lieben Leute, die ihr glaubt, unsere Generation durchschaut zu haben,

ihr versteht uns einfach nicht. Ihr glaubt, dass wir arrogant sind, unverschämt und faul. Für euch sind wir Hohlbirnen, die selbstverliebt für Selfies posen. Verantwortungslose Träumer, die dem Ernst des Berufslebens nicht gewachsen sind.

Aber wisst ihr was? Ihr habt einfach nicht kapiert, dass sich die Zeiten ändern. Hört doch mal eine Sekunde auf, davon zu schwärmen, dass früher alles besser war. Fragt euch lieber, warum wir so sind, wie wir sind.

Es ist so einfach, eine Generation in ihrer Gesamtheit zu verurteilen. Dabei ist das ziemlicher Quatsch. "Das gesamte Konzept von 'Generationen" ist unwissenschaftlich, herablassend und dumm", sagt der Komiker Adam Conover. " 'Generationen' sind meistens einfach alte Leute, die junge Leute blöd anmachen."

Ihr glaubt, dass wir keinen Biss haben. Auch Ehrgeiz und Zielstrebigkeit vermisst ihr an uns. Ihr werft uns vor, dass wir verhätschelt seien. Ich glaube, was ihr aber eigentlich vermisst, ist Gehorsam.

Wir sagen auch mal nein. Wir hinterfragen. Wir stellen Forderungen. Manchmal schmeißen wir auch alles hin und kündigen. Warum? Weil wir es können.

Ich habe schon öfter gehört, wie ältere Kollegen motzten: "Typisch Generation Y. Die denken immer nur an ihre Work-Life-Balance." Tun wir nicht. Nur diejenigen von uns, denen mehr Freizeit wichtig ist, tun das. Andere von uns arbeiten bis in die Nacht, um ihre Visionen wahr werden zu lassen. Man kann uns eben nicht auf ein Lebensmodell reduzieren.

Jeder von uns will etwas anderes, aber eines haben wir gemeinsam: Wir haben eine Wahl. Wir denken nicht mehr in Grenzen. Wir argumentieren nicht mehr damit, was wir alles nicht schaffen können. Wir haben eine Welt gesehen, in der alles möglich ist.

Wenn uns etwas nicht gefällt, dann ändern wir es eben. Wir trauen uns, uns nach ein paar Jahren im Job völlig neu zu erfinden. Und wenn es keine Arbeit gibt, die uns gefällt, dann gründen wir eben selbst.

Wenn wir narzisstisch sind, warum sind vielen von uns Familie und Freunde wichtiger als der persönliche Erfolg? Wenn wir faul sind, wieso überraschen wir dann in Studien durch eine hohe Leistungsbereitschaft?

Wenn ihr als Arbeitgeber weiter an euren alten Denkmustern festhaltet, habt ihr irgendwann nur noch die Mittelmäßigen. Diejenigen, die glauben, keine Wahl zu haben.

Ich glaube, euch stört, dass wir so ein Rätsel sind. Ihr könnt nicht nachvollziehen, was uns antreibt. Und immer wieder überraschen wir euch, weil wir eure Vorurteile nicht erfüllen und nicht in Schablonen passen.

Veränderung lässt sich nicht aufhalten. Ihr müsstet doch lange genug auf der Welt sein, um das zu verstehen.


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