POLITIK
12/04/2016 03:38 CEST | Aktualisiert 12/04/2016 11:51 CEST

Erdogans TV-Rache? Türkischer Reporter pöbelt vor ZDF-Zentrale

  • Den Beitrag des Reporters seht ihr im Video oben

Der türkische Präsident hat Strafantrag gegen den deutschen Entertainer Jan Böhmermann gestellt.

Doch das scheint nicht Erdogans einzige Maßnahme im Streit um die Satirebeiträge in den deutschen Medien gewesen zu sein: Auch medial startet die türkische Regierung eine Gegenoffensive, wie Deniz Yücel, Istanbul-Korrespondent der "Welt“, berichtet. Und die könnte bizarrer kaum sein.

Für die Sendung "Yaz Boz“, was wörtlich so viel wie "Schreib und Zerstör" bedeutet, reiste der türkische Reporter Mevlüt Yüksel nach Mainz – um dem ZDF einmal zu zeigen, "wo der Hammer hängt".

Was dabei herausgekommen ist, wirkt wie die nächste Satire-Nummer auf das autokratische System des Wüterichs Erdogan. Doch so ist der im Original gut zwölf Minuten lange Beitrag wohl kaum gemeint.

Yüksel steht vor dem ZDF-Gebäude und pöbelt. Das ZDF habe den Sicherheitsdienst gerufen, behauptet er, weil sich das Kamerateam dort nicht aufhalten dürfe. Das ZDF hat mittlerweile gegenüber "Bild“ erklärt, es habe keine Drehgenehmigung vorgelegen. Doch der Reporter beharrt darauf, es gebe doch Pressefreiheit – er wolle nur seine Arbeit machen.

Worin genau die eigentlich besteht, wird in dem Beitrag dagegen nicht klar. "Die ZDF-Verantwortlichen fühlen sich von unserer Anwesenheit sehr gestört", behauptet Yüksel immer wieder, um dann zu erklären: "Wir möchten von unserer Pressefreiheit bis zum Ende Gebrauch machen."

Reporter beruft sich Pressefreiheit

Pressefreiheit: Auf diese hatten sich die Verantwortlichen der deutschen Fernsehanstalten nach dem Eklat um die NDR-Sendung "extra3" und die ZDF-Show "Neo Magazin Royale" stets berufen.

Es wirkt als wollten die türkischen Fernsehmacher die Deutschen nun mit ihren eigenen Waffen schlagen. Denn: In der Türkei ist es mit der Pressefreiheit seit je her so eine Sache.

ZDF-Sprecher Alexander Stock schaltet sich ein. Yüksel pöbelt, während Stock sich im Hintergrund entspannt mit einem Dolmetscher unterhält: "Seht, wie die Pressefreiheit in Deutschland einzuordnen ist. Sie beleidigen und beschimpfen die Türkei, unseren Präsidenten, unser Volk und stehen hier nun vor uns auf unhöflichste Art und Weise."

Besonders, dass der ZDF-Sprecher seine Hände in den Hosentaschen hält, ist für den türkischen Reporter ein Skandal: "Ihr seht, wie ein hoher Vertreter des ZDF sich uns gegenüber grob verhält, mit den Händen in der Hosentasche."

Sendung ist für krude Theorien bekannt

Das ZDF hat bereits erklärt, es sei kein Interview angefragt worden. Eine unfreundliche Reaktion auf den türkischen Besuch will man sich nicht vorwerfen lassen.

Welche Absicht hinter dem skurrilen Beitrag steckt, ist für den deutschen Zuschauer schwierig einzuordnen, so unbeholfen wirkt der Versuch, das ZDF zu entlarven.

So viel ist sicher: "Yaz Boz" versteht sich selbst als Enthüllungssendung und wartet häufig mit bizarren Verschwörungstheorien auf. Türkei-Experte Denis Yüczel erklärt in der "Welt": "Woche für Woche präsentiert 'Yaz Boz' neue Verschwörungen gegen die Türkei und ihre Präsidenten: CIA, BND, das internationale Großkapital, der Papst, Armenier und Israelis und immer wieder die Rothschilds trachten nach nichts anderem, als den Aufstieg der Türkei zur Großmacht zu verhindern.“

Die Sendung läuft im Nachrichtensender A-Haber, der Präsident Erdogan nahesteht. Wie direkt seine Einflussnahme auf Ausstrahlungen wie diese ist, ist nicht bekannt.

Als Zuschauer wird man jedoch den Eindruck nicht los, das die Sendung recht plakativ zeigt, wie es im Kopf des türkischen Präsidenten derzeit zugeht.

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