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11/04/2016 15:05 CEST | Aktualisiert 11/04/2016 15:07 CEST

Silvester-Übergriffe: Opfer beschreibt die Horror-Nacht

dpa

  • Erster Prozess zu den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht gestartet

  • Opfer sagt aus, sie sein an Brüsten, Po und Genitalbereich begrapscht worden

  • Den mutmaßlichen Täter habe sie ihm Fernsehen wiedererkannt und angezeigt

Der Prozess gegen Taoufik M. ist der erste zu den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht - und am heutigen Montag sagte ein 18-jähriges Opfer erstmals vor dem Düsseldorfer Amtsgericht aus.

Sie sei von einer Gruppe von 15 bis 20 südländisch aussehenden Männern in der Düsseldorfer Altstadt umzingelt und von unzähligen Händen an Brüsten, Po und im Genitalbereich berührt worden, sagte die junge Frau.

Nicht nur in Köln, auch in Düsseldorf sollen in der Silvesternacht in größerem Umfang Frauen sexuell belästigt worden sein. 118 Strafanzeigen seien deswegen in der Landeshauptstadt erstattet worden, berichtete die Polizei. Teilweise seien die sexuellen Übergriffe mit Diebstahl und Raub verbunden gewesen.

"Überall spürte ich Hände"

Das mutmaßliche Opfer erzählte laut Informationen der "Bild", dass sie zu fünft gewesen seien und gemeinsam feiern gehen wollten. Doch dann seien die Mädchen von einer Gruppe Männer umstellt worden: "Wir kamen da nicht weg, überall spürte ich Hände." Es habe sich angefühlt wie Herumreichen.

Etwa drei Minuten habe dies gedauert. Sie habe große Angst gehabt und sei in Panik geraten. Während sie sich sonst an keine Gesichter erinnern kann, glaubt sie, sich das Gesicht des Angeklagten gemerkt zu haben: Er habe sie begrapscht, während sie schon weglaufen wollte.

Der angeklagte Marokkaner habe ihr das Kleid hochgeschoben und ihr an den Po gefasst. Sie habe sich zu ihm umgedreht, woraufhin der Täter sie angeschrieen und bedroht habe.

Schließlich habe sie sich in der Düsseldorfer Altstadt in eine Bar retten können, die von der Gruppe noch eine Zeit lang belagert worden sei.

Mutmaßlichen Täter im TV erkannt

Zuerst hatte sich die junge Frau dagegen entschieden, den Fall der Polizei zu melden, dass sie die Aufklärungsquote für zu gering hielt: "Ich dachte, da passiert doch eh nichts", sagte sie laut "Bild"-Informationen vor Gericht. Doch dann will sie ihren mutmaßlichen Peiniger im Fernsehen wiedererkannt haben: Er hatte sich in einem Beitrag von "Spiegel TV" zu Diebstählen und Diebesbanden interviewen lassen.

Weil sie sich nun bessere Chancen erhoffte, den Täter zu finden, zeigte die 18-Jährige die Vorkommnisse schließlich doch an. In der Düsseldorfer Altstadt war der Beschuldigte daraufhin von Ermittlern erkannt und festgenommen worden. Die Anklage wirft Tafouik M. nun sexuelle Nötigung vor.

Seine Freundin gibt ihm ein Alibi - doch das ist nicht wasserdicht

Während sie sich jedoch vor dem Fernseher noch sicher war, dass dies der Täter war, zeigte sich sich vor Gericht verunsichert. Auf mehrfache Nachfrage des Richters soll sie schließlich gesagt haben, dass sie sich nicht mehr sicher sei, ob sie das Gesicht des Angeklagten nun aus der Silvesternacht oder aus dem Fernsehen wiedererkannte.

Die 16-jährige Freundin des Angeklagten, im fünften Monat schwanger, behauptete dagegen, ihr Freund sei in der Silvesternacht mit ihr in einer Disco in der Nähe gewesen. Freunde, die dabei gewesen seien, wollte sie aber trotz mehrfacher Nachfrage der Staatsanwältin nicht nennen.

Der 33-Jährige war schon polizeibekannt

Tafouik M. soll noch zwei weitere Straftaten begangen haben, bei denen es um gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung geht. Außerdem ist er wegen vier Diebstählen vorbestraft.

Der 33-Jährige war bereits beim Auswerte- und Analyseprojekt «Casablanca» erfasst worden und durch eine Reihe von Delikten aufgefallen. Im «Casablanca»-Projekt hatte die Polizei 2244 Verdächtige aus Nordafrika erfasst, die in der Landeshauptstadt als Diebe ihr Unwesen treiben sollen. Für den Prozess am Amtsgericht sind vier Verhandlungstage geplant. Er soll am 20. April fortgesetzt werden.

Mit hohen Strafen bei den Prozessen zur Silbeszernacht kann jedoch nicht gerechnet werden. Vor Beginn der ersten Prozesse hatte der Kölner Amtsgerichtspräsident Henning Banke die Öffentlichkeit vor zu hohen Erwartungen gewarnt.