POLITIK
11/04/2016 23:32 CEST | Aktualisiert 12/04/2016 04:11 CEST

Martin Schulz warnt vor Zusammenbruch der EU

Der Präsident des Europaparlaments warnt vor einem Zusammenbruch der EU
Vincent Kessler / Reuters
Der Präsident des Europaparlaments warnt vor einem Zusammenbruch der EU

  • Martin Schulz warnt davor, die Gefahr eines Zusammenbruchs der EU zu unterschätzen

  • Regierungschefs würden nicht darum kämpfen, "die Herzen der Menschen zu erreichen"

Flüchtlingskrise, Brexit-Referendum, Griechenland: Immer mehr Gräben tun sich in der Europäischen Union auf. Nun warnt der Präsident des Europaparlaments in deutlichen Worten vor einem Zusammenbruch der Staatengemeinschaft.

Martin Schulz (SPD) mahnt, die Gefahren für die EU durch die europafeindlichen Bewegungen in den Mitgliedstaaten nicht zu unterschätzen.

"Wir sind in Europa seit geraumer Zeit auf einer abschüssigen Bahn", sagte Schulz.

"Vertrauen ist verloren gegangen"

"Das Vertrauen vieler Menschen in Institutionen insgesamt, egal ob national oder europäisch, ist verloren gegangen", sagt Schulz in der "FAZ".

Schulz sieht die Gefahr einer "Implosion der EU": "Wenn die Briten die EU verlassen, wird es Forderungen nach weiteren Austrittsreferenden geben."

Die Briten sollen am 23. Juni in einem Referendum entscheiden, ob ihr Land in der EU bleiben oder austreten soll. Es wird befürchtet, dass ein "Brexit" eine Kettenreaktion in Gang setzen könnte.

"Regierungschefs erreichen die Herzen der Menschen nicht"

In Europa seien die Europafeinde noch in der Minderheit, doch die schweigende Mehrheit sitze dem Trugschluss auf, dass am Ende alles gut gehen werde.

Der Ausgang des Referendums in den Niederlanden über das Assoziationsabkommen mit der Ukraine zeige aber, dass man sich darauf nicht verlassen dürfe.

Schulz macht die Staats- und Regierungschefs für den Vertrauensverlust mitverantwortlich: "Kaum einer der Regierungschefs kämpft wirklich dafür, das Herz der Menschen zu erreichen."

Den einfachen Antworten, die die Feinde Europas anböten, müssten die Regierenden ein klares Bekenntnis zur EU entgegensetzen.

"Die Gräben, die sich auftun, können zum Scheitern der EU führen"

"In Zeiten der Polarisierung muss man den Mut haben, deutlich dagegen zu halten. Wir brauchen klare Botschaften, dürfen uns nicht in Details verlieren", sagt Schulz in der "FAZ".

Schulz warnte schon mehrmals vor einem Ende der EU. In einem Interview mit Zeitungen der "Funke Mediengruppe" im März sagte er: "Kein Projekt, auch nicht die EU, ist irreversibel", sagte Schulz.

Schulz zeigte sich damals besorgt, die EU könnte an der Flüchtlingsfrage zerbrechen. Die meisten hielten ein Auseinanderbrechen der EU zwar für nicht sehr wahrscheinlich. Tatsache sei jedoch, "dass wir derzeit ein Auseinanderdriften erleben."

Schulz warnte: "Die Gräben, die sich auftun, können zum Scheitern der EU führen."

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