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11/04/2016 09:11 CEST | Aktualisiert 11/04/2016 13:19 CEST

Was Eltern tun müssen, damit ihre Kinder gehorchen

Sam Edwards via Getty Images
Was Eltern tun müssen, damit ihre Kinder gehorchen

Deutschland diskutiert. Über etwas Wesentliches. Über die Frage, ob wir unsere Kinder richtig erziehen. Oder ob wir sie erst zu kleinen und dann zu großen Tyrannen machen.

Aufgebracht hat die Diskussion die Wiener Kindertherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger in ihrem neuen Buch. Sie behauptet: "Übergewichtig und essgestört, chillbewusst und leistungsverweigernd, verhaltensoriginell, tyrannisch und voll Widerstand, so präsentieren sich immer mehr Kinder. Wir sind selbst daran schuld, denn wir haben sie dazu gemacht.“

Der Egoismus über allem

Früher seien die Kinder dazu erzogen worden, sich eine Gruppe einzufügen, heute zähle die Freiheit und Individualität, sagte Leibovici-Mühlberger im Gespräch mit der "Zeit".

Es ist eine heftige – und in unterschiedlichen Varianten seit der Antike diskutierte - These, die nicht mit Zahlen belegbar ist, wie Leibovici-Mühlberger selbst zugibt. Und die unter Kollegen heftigen Widerspruch provoziert.

Wann gehorchen Kinder den Eltern?

Der Schweizer Kinderarzt und Erziehungsbuch-Autor Remo Largo schaltete sich an diesem Montagmorgen im Deutschlandfunk in die Diskussion ein. Eigentlich wollte er gar nicht diskutieren, ob die Kinder nun Tyrannen sind oder nicht. Oder ob Eltern zu lasch sind in ihrer Erziehung.

Er wollte die Mechanismen erklären, die Kinder dazu bringen, auf ihre Eltern zu hören. Und gab dann letztlich doch eine Antwort auf beide Fragen.

"Bindung macht gehorsam"

Lagos These: Bindung macht Kinder gehorsam. "Aus einer emotionalen Abhängigkeit heraus wollen sie die Zuwendung, die Liebe der Eltern nicht verlieren“, sagte er im Deutschlandfunk. Wenn sich Eltern nicht durchsetzen könnten, müssten sie sich fragen, ob die Bindung nicht stark genug sei.

Zeit ist der Schlüssel zu gelungener Bindung

Um Bindung zu seinen Kindern aufzubauen, gebe es nur einen Weg: Zeit mit ihnen zu verbringen.

Wenn er selbst den ganzen Tag gearbeitet habe, habe er es vermieden, dann am Abend an den Kindern herumzunörgeln. "Das führt sofort zu einer Ablehnung.“ Nach einem gemeinsamen Wochenende dagegen sei Kritik kein Problem gewesen.

Jetzt gibt Lago doch eine Antwort auf die große Frage

Die modernen Familienstrukturen allerdings machten es den Eltern schwer: Früher habe es mehr Bezugspersonen gegeben. Menschen, die ständig da waren und von denen Kinder etwas annehmen konnten. Jetzt hänge alles an den Eltern. "Fast nicht zu leisten“ sei das.

Viele Eltern spürten die fehlende Bindung. Und trauten es sich dann nicht, die Kinder zurechtzuweisen.

Für die Diskussion heißt das letztlich: Wenn es Eltern, Verwandte, Freunde, Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger nicht schaffen, dass sich Menschen Zeit nehmen können füreinander, ja, dann wird es schwierig mit der Erziehung.

Und nein, es ist nicht die Schuld der Kinder.

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