WIRTSCHAFT
10/04/2016 05:42 CEST | Aktualisiert 10/04/2016 07:22 CEST

So viel Geld hat jeder Deutsche durch die niedrigen Zinsen verloren

So viel Geld hat jeder Deutsche durch die niedrigen Zinsen verloren
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So viel Geld hat jeder Deutsche durch die niedrigen Zinsen verloren

  • Die niedrigen Zinsen haben jeden Deutschen bereits 4200 Euro gekostet

  • Bei Immobiliengeschäften gespart haben sie allerdings im Schnitt nur knapp 1800 Euro

  • Das geht aus Berechnungen das Zentralinstitut aller Volks- und Raiffeisenbanken hervor

Die Zinsen in Europa sind seit sechs Jahren extrem niedrig. Das trifft viele Deutsche hart.

Es trifft vor allem diejenigen, die normal verdienen. Diejenigen, die zwar ein wenig zur Seite legen können, aber nicht so viel haben, dass sie eine unsichere Anlage verkraften können oder sich teure Experten dafür leisten können, die da ein Auge darauf haben.

343 Milliarden Euro verloren

Das Zentralinstitut aller Volks- und Raiffeisenbanken hat ausgerechnet, dass die Deutschen dadurch insgesamt 343 Milliarden Euro verloren haben. Pro Kopf wären das bei 81,2 Millionen Einwohnern gut 4200 Euro. Die Berechnungen liegen der „Welt am Sonntag“ exklusiv vor.

Nun streiten sich Experten darüber, wer schuld ist an den niedrigen Zinsen.

Die einen meinen, es sei mehr Geld im Umlauf als für Kredite gebraucht werde. Die Wirtschaftsleistung steige, es werde aber nicht im gleichen Maß investiert. Und die Inflation ist auch noch niedrig. Sprich: Es gibt mehr Angebot als Nachfrage.

Die anderen sehen die Schuld bei EZB-Chef Mario Draghi und seiner Niedrigzinspolitik, die nur die verschuldeten Staaten der Euro-Zone retten soll. So sieht es auch Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern im Gespräch mit der „Wams“.

Sind die Deutschen dumm?

Gestritten wird angesichts solcher Fakten auch darüber, ob da nun die Deutschen dumm sind, Narren, die „ohne Zins und Verstand“ agieren, wie es der „Spiegel“ formuliert. Oder ob man das wie die Sparkassen schlicht „Enteignung“ nennt. Ob die Politik die konservative Sparwut der Deutschen nicht in unveranwortlicher Weise fördert, etwa durch die Werbung für Riester-Renten.

Für die Menschen allerdings ist die Schuldfrage vielleicht spannend, aber eine Lösung bringt sie nicht weiter.

Immobilien kaufen oder Aktien

Was bleibt ihnen? Experten empfehlen in der „Wams“ zwei Strategien:

  • Immobilienkauf: Der Traum vom eigenen Haus ist für viele erst durch die niedrigen Zinsen realistisch geworden. Und ist eine respektable Form der Altersvorsorge. Allerdings hat die Nachfrage vielerorts auch die Immobilienpreise in die Höhe getrieben. Die neuen Zahlen legen nahe, dass sich die Deutschen beim Hausbau oder –kauf 144 Milliarden Euro gespart haben, pro Kopf knapp 1800 Euro. Also weit weniger, als durch die niedrigen Zinsen verloren ging.
  • Aktienkauf: Experten wie Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, und Martin Weber, Finanz-Professor an der Uni Mannheim empfehlen in der „Wams“, auch über Aktien nachzudenken, langfristig glichen sich die Schwankungen in den Kursen aus. Vorausgesetzt, man fällt nicht auf „Zins-Hochstapler“ herein.

In jedem Fall aber muss den Deutschen klar sein: Einfach Geld gemütlich aufs Sparbuch packen und nicht weiter darüber nachdenken – diese Zeit ist vorbei. Sie müssen genau planen, vergleichen. Denn nichts zu unternehmen, ist wohl das größte Risiko.

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