POLITIK
08/04/2016 17:04 CEST | Aktualisiert 09/04/2016 04:13 CEST

Löhne und Mega-Inflation - So schlimm steht es um Russlands Mittelschicht

dpa
Löhne und Mega-Inflation - So schlimm steht es um Russlands Mittelschicht

Zum Jahrestag der Krim-Annexion ließ sich der Volkstribun zwar im März gerade erst wieder kräftig feiern. Das Staatsfernsehen produzierte schöne Bilder, die Russlands Staatschef Wladimir Putin als strahlenden Sieger zeigen.

Doch die Kritik an Russlands Staatschef Wladimir Putin wächst. Denn der Preis für den großrussischen Traum ist hoch – und zahlen muss ihn das einfache Volk.

Die nach der Intervention in der Ostukraine verhängten Sanktionen schaden in Kombination mit dem dauerhaft niedrigen Ölpreis und der in weiten Teilen der Welt anhaltenden Wirtschaftskrise der russischen Ökonomie enorm. Als Folge steigt die Armut massiv.

Magazin: Inflation für die Mittelschicht liegt bei etwa 30 Prozent

Die Reallöhne sind weiter im freien Fall: Im Februar verdienten die Menschen in Russland offiziellen Angaben zufolge im Durchschnitt 6,9 Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres. Im Januar belief sich das Minus im Jahresvergleich noch auf 6,3 Prozent. Längst sind auch Teile der Mittelschicht von Armut betroffen.

Im größten Land der Erde wird die Wirtschaftskrise nach Einschätzung der Weltbank die Armut bereits in den kommenden Monaten auf den höchsten Stand seit 2007 treiben. Die Zahl der Armen werde auf mehr als 20 Millionen zunehmen bei einer Gesamtbevölkerung von gut 140 Millionen. Damit würde jeder siebte Russe unter der Armutsgrenze von 125 Euro im Monat leben.

Ein wesentlicher Grund für die Misere sei unter anderem die starke Preisbeschleunigung, die die Kaufkraft der Verbraucher verringere, erklärte die Weltbank in dieser Woche. Die Inflation trifft Durchschnitts- und Geringverdiener naturgemäß weit härter als Reiche. Bei vielen Unternehmen dagegen würden die Auswirkungen der Krise durch die Abschwächung der Landeswährung Rubel und Staatshilfen abgemildert, so die Weltbank.

Einer Berechnung des russischen Wirtschaftsmagazins "RBK" zufolge beträgt die Inflation für die Mittelschicht etwa 30 Prozent, während sie offiziell mit 12,9 Prozent angegeben wird. Diese Schicht, zu der viele Kleinunternehmer gehören, sei zum "Symbol der Krise" geworden, schreibt Grigori Golosow, Professor der Europäischen Universität in St. Petersburg, in einer Analyse.

Putin erschuf die Mittelschicht - besiegelt er auch ihr Ende?

Bereits 2015 war die Zahl der Menschen, die mitunter nicht einmal über das Nötigste zum Leben verfügen, zwischen St. Petersburg und Wladiwostok extrem gestiegen. Zum Jahresende lebten laut Statistikamt Rosstat 19,2 Millionen Russen und damit 13,4 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Das waren 3,1 Millionen Menschen mehr als noch 2014 und so viele wie seit neun Jahren nicht.

Es hatte lange gedauert bis in Russland überhaupt eine Mittelschicht entstand. Putin hatte in den ersten Jahren seiner Ära für einen jahrelangen Wirtschaftsboom gesorgt.

Besiegelt seine Politik nun deren Ende? Der wirtschafts- und sozialpolitische Spielraum für den Kreml-Chef wird immer enger.

Seit vielen Monaten macht ihm der sinkende Ölpreis Sorgen. Wegen des starken Rückgangs der Haushaltseinnahmen im Zuge der sinkenden Rohstofferlöse dürfte es für Moskau schwer werden, die zunehmende Armut zu bekämpfen, prognostizierte Mitte der Woche auch Weltbank-Volkswirtin Birgit Hansl. Seit Juni 2014 sind die Ölpreise um rund 65 Prozent gefallen.

Ölpreis könnte noch weiter fallen

Phasenweise waren die Erlöse mit dem wichtigsten Exportgut des Landes sogar noch stärker eingebrochen. In der Folge war auch der Rubel im Verhältnis zum US-Dollar sowie dem Euro massiv abgestürzt.

Für dieses Jahr geht die Weltbank davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent schrumpfen wird. Hauptgrund seien die Sanktionen des Westens gegen Russland.

Der russische Top-Ökonom Sergej Gurijew, Professor am Pariser Forschungsinstitut Sciences Po, erwartet ebenfalls einen weiteren massiven Einbruch der russischen Wirtschaftsleistung: "Wenn der Ölpreis von den jetzigen 42 Dollar pro Barrel wieder auf 35 bis 30 Dollar fällt, dürfte das BIP sogar um zwei Prozent schrumpfen", sagte er gerade der „Welt“.

Russland steckt seit Monaten in einer tiefen Rezession. Diese Entwicklung könnte mittelfristig auch Putins Machtbasis gefährden. Schließlich war in der russischen Geschichte Armut der wichtigste Grund, warum russische Staatenlenker zu guter Letzt aus dem Amt gedrängt wurden.

Mit Material der dpa

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