WIRTSCHAFT
08/04/2016 13:03 CEST | Aktualisiert 08/04/2016 17:10 CEST

So drastisch werden Studenten bei der Wohnungssuche abgezockt

So dratisch werden Studenten bei der Wohnungssuche abgezockt
Getty
So dratisch werden Studenten bei der Wohnungssuche abgezockt

  • Die Mietpreise für Studentenbuden in Ballungsräumen steigen weiter

  • "Die Kapazitäten reichen hinten und vorne nicht", sagt das Deutsche Studentenwerk

  • Bund und Länder haben die Finanzierung von Wohnraum verschlafen - und die Lage könnte sich bald weiter verschärfen

Es ist war ein vollmundiges Versprechen: Schon letzten August kündigte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) an, 120 Millionen in neue Wohnräume für Studenten investieren zu wollen.

Mit dem Bau von Kleinstwohnungen, sogenannter Mikroappartements, soll die Wohnungsnot unter Studenten ein Ende haben, so der Plan.

Blickt man auf die zum Teil irrwitzigen hohen Mietpreise in Ballungsräumen, klingt das bis heute nach einer Utopie.

Entspannung auf dem Wohnungsmarkt - Fehlanzeige

Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist für Studenten wie auch für andere Wohnungssuchende mit geringem Einkommen nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Dem Forschungsinstitut Empirica zufolge werden WG-Zimmer in den teuersten Städten heute für fast 100 Euro mehr pro Monat angeboten als noch vor vier Jahren.

Das ergab eine Auswertung von mehr als 100.000 WG-Inseraten. Am meisten würden Studierende demnach in München mit durchschnittlich 530 Euro zahlen, gefolgt von Frankfurt und Stuttgart.

Das gilt freilich auch für eigene Appartements. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat ausgerechnet, dass sich Wohnungen, die für Studenten geeignet sind, in allen untersuchten Städten stark verteuert haben.

Die Forscher untersuchten exemplarisch 30 Quadratmeter große Musterwohnungen für Studenten. Mit Einbauküche, in der Nähe der Hochschule, ganz so, wie man sich solche Studentenwohnungen vorstellt.

Mietpreise in Berlin am stärksten gestiegen

Die durchschnittliche Miete einer solchen Wohnung ist demnach in allen untersuchten Städten gestiegen, am stärksten in Berlin. Dort wird diese Musterwohnung im Schnitt für 386 Euro im Monat angeboten, knapp 30 Prozent mehr als noch 2010. In München kostet sie sogar durchschnittlich 580 Euro, in Frankfurt 505 Euro.

Mit der rapide gestiegenen Studentenzahl in Deutschland können auch die Studentenwerke nicht mehr Schritt halten. "Unsere Kapazitäten reichen hinten und vorne nicht", erklärt Stefan Grob, Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks, im Gespräch mit der Huffington Post.

Zahl der Studenten seit 2007 um 40 Prozent gestiegen

Seit 2007 ist die Zahl der Studenten bundesweit um 40 Prozent gestiegen. Es gibt heute aber nur fünf Prozent mehr Wohnheimplätze als damals, heißt es aus dem Deutschen Studentenwerk. Schuld an dem Wohnungs-Engpass sind aus Grobs Sicht Bund und Länder: Sie haben den Ausbau verschlafen.

"Bereits in den 90-er Jahren haben die Verantwortlichen gewusst, dass die Studentenzahlen stark ansteigen würden ", erklärt Grob.

Zwar habe man Millionen in den Hochschulausbau gesteckt, nur die dafür nötige sozialen Infrastruktur, wie den Ausbau von Wohnheimplätzen, nicht gefördert.

Grob sieht darin Parallelen zur Wohnungsbaupolitik während der Gastarbeiterwelle in den 70ern: "Ganz nach dem Motto von Max Frisch: Wir riefen Studenten, und es kamen Menschen. Und jetzt tut die Politik ganz überrascht."

Mit steigender Zahl von wohnungssuchenden Asylberechtigten veschärt sich die Lage weiter

Angesichts der wachsenden Zahl von wohnungssuchenden Asylbewerbern kann das Grob zufolge zu einer gefährlichen Entwicklung führen: "Fakt ist, dass mehrere einkommensschwache Gruppen in den Städten um Wohnungen konkurrieren. Kommen nun auch Asylberechtigte hinzu, verschärft sich die Lage am Wohnungsmarkt zunehmend."

Einige Bundesländer, wie Bayern, unterstützen Studentenwerke mit Wohnungspauschalen. Rund 32.000 Euro fließen dort pro Wohnheimplatz an die Einrichtungen.

So bleiben auch die Mieten erschwinglich. Rund 230 Euro würde die monatliche Warmmiete in deutschen Studentenheimen im Schnitt kosten, erklärt der Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks.

Aus seiner Sicht sei es für den Bund höchste Zeit zu handeln, um die zunehmende Spannung am Wohnungsmarkt deutscher Ballungsräume zu bremsen: "Wir brauchen endlich ein gemeinsames Bund-Länder-Programm zur Finanzierung von sozialen Wohnräumen für Studenten."

Auch auf HuffPost:

"Bundesregierung will ablenken": Sarrazin kritisiert Plan für Bargeld-Obergrenze