POLITIK
08/04/2016 12:27 CEST | Aktualisiert 08/04/2016 14:54 CEST

"Längst überfällig": Das sagen Experten zum Vorschlag, neue Benzinautos zu verbieten

"Längst überfällig": Das sagen Experten zum Vorschlag, neue Benzinautos zu verbieten
PATRIK STOLLARZ via Getty Images
"Längst überfällig": Das sagen Experten zum Vorschlag, neue Benzinautos zu verbieten

  • Sollen neue Benzinautos verboten werden? Zwei Experten beziehen in der Huffington Post Stellung

  • Ökonomin Claudia Kemfert hält den Schritt für längst überfällig

  • Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nennt den Vorschlag "Utopie"

Es ist ein Vorschlag, der für Diskussionen sorgt: Der Grünen-Bundestagspolitiker Dieter Janecek will ab 2025 Neuwagen mit Benzin- und Dieselmotor verbieten.

Stattdessen sollen nur noch umweltfreundliche Wagen mit Akkupacks oder Wasserantrieb auf die Straßen kommen.

Nun haben sich zwei der renommiertesten Experten in den Bereichen Energiewende und Verkehr gegenüber der Huffington Post zu dem Vorschlag geäußert: Claudia Kemfert, die die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung leitet. Und Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen.

Ihre Bewertungen des Vorschlags könnte nicht unterschiedlicher sein.

"2025 ist Utopie"

Dudenhöffer sieht Janecek Vorschlag eher kritisch, denn über ein Verbot von Neuwagen mit herkömmlichen Motoren sei schon vor Jahren in Kalifornien diskutiert worden. Er sagt: "Janecek übernimmt etwas und das eher schlecht. Denn 2025 ist Utopie, das geht so sicher nicht. So war übrigens auch mal die Forderung der Grünen nach fünf D-Mark pro Liter Sprit. Es macht Sinn, mit Vorschlägen die Trendwende einzuleiten aber nicht mit unrealistischen."

Für Kemfert ist eine Verkehrswende dagegen "längst überfällig". Der Grund, laut Kemfert: "Die nachhaltige Mobilitätswende bietet enorme wirtschaftliche Chancen, die derzeit ungenutzt sind - schlimmer noch, die Autobranche verspielt die Zukunft, da sie viel zu lange die Vergangenheit zu konservieren versucht."

Dudenhöffer glaubt nicht an Verbote

Auch die weiteren Vorteile liegen für Kemfert auf der Hand. "Nachhaltige Mobilität umfasst Klima- und Umweltschutz, bedeutet aber ebenso die Vermeidung von Lärm, Feinstaub und Emissionen", sagt sie.

Aber auch Dudenhöffer ist nicht gegen die umweltfreundliche Verkehrswende, er glaubt nur nicht an Verbote. "Wir sollten durch Besteuerung bzw. Bepreisung der Abgase die Weichen in Richtung Elektroautos stellen und so in eine vernünftige Anpassung an die Zukunft ermöglichen", sagt er.

Ideal, um Stromer zu fördern, sei auch eine Maut für umweltschädliche Antriebe, die strenge Anreize setzt und etwa in Großstädten deutlich höher ist als in dünn besiedelten Regionen.

Kemfert schwebt dagegen - ebenso wie Janecek - eine Erhöhung der Dieselsteuer vor. Außerdem will sie weitere finanzielle Anreize schaffen, um die Elektromobilität zu fördern.

Streit in der Politik lähmt Fortschritt

Die Unterschiede zwischen Kemfert und Dudenhöffer spiegeln auch die in der deutschen Politik. Kaum ein Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien scheint daran zu zweifeln, dass der Verkehr in den kommenden Jahren umweltfreundlicher werden muss. Doch der Streit darüber, wie das zu schaffen ist hat bisher jeden Fortschritt gelähmt.

Umso wichtiger wäre nach dem Vorschlag von Janecek eine breite Diskussion darüber - auch mit der Autoindustrie. Norwegen, die Niederlande und Indien zeigen das es geht: Hier wird bereits offensiv über ein Verbot für neue Benzinautos nachgedacht.

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