POLITIK
08/04/2016 19:38 CEST | Aktualisiert 08/04/2016 19:42 CEST

"Grenzen der Satire sind weit": Böhmermann erhält besondere Ehrung bei der Grimme-Preisverleihung

Screenshot/ ZDF

  • Jan Böhmermann hat bei der Verleihung des Grimme-Fernsehpreise die "Besondere Ehrung" erhalten

  • Böhmermann selbst war in Folge der gegen ihn laufenden Ermittlungen nach seiner Erdogan-Schmähkritik nicht erschienen

Bei der Verleihung der Grimme-Fernsehpreise hat der TV-Moderator Jan Böhmermann eine der begehrten Trophäen abgeräumt. Darüber hinaus bekam er noch eine "besondere Ehrung".

Diese wurde ihm für seine Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens in der digitalen Welt überreicht. Dabei war er gar nicht da.

Die Entscheidung für diese Auszeichnung sei bereits im November vergangenen Jahres gefallen, sagte die DVV-Präsidentin und saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Für seinen Satirebeitrag über den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Gianis Varoufakis war Böhmermann im früheren Verlauf des Abends bereits ein Grimme-Preis zugesprochen worden.

Böhmermann hatte Teilnahme abgesagt

Böhmermann steht nach einem vergangene Woche im Fernsehsender ZDFneo ausgestrahlten Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Kritik. In dem Text beleidigte er Erdogan unterhalb der Gürtellinie.

Die Staatsanwaltschaft Mainz hat nach Anzeigen gegen den Moderator und die ZDF-Verantwortlichen wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten Ermittlungen aufgenommen.

Nach massiver Kritik an seinem als Satire gedachten Erdogan-Stück hatte er am Morgen seine persönliche Teilnahme an der Verleihung in Marl abgesagt.

"Dieses Gedicht hat die Grenzen des guten Geschmacks verletzt"

Die DVV-Präsidentin äußerte sich auch zu dem umstrittenen Gedicht: "Dieses Gedicht hat sicherlich die Grenzen des guten Geschmacks verletzt und ist sicher alles andere als Grimme-Preis würdig."

Aber das ändere nichts an Böhmermanns Qualitäten und Leistungen für eine offene, mutige und demokratisch-gelassene Medienwelt. "Deshalb ist diese Ehrung verdient."

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, hat den wegen einer Satire in der Kritik stehenden ZDF-Moderator Jan Böhmermann bereits im Vorfeld der Preisverleihung in Schutz genommen. "Wir haben zu Recht ein Grundgesetz, das die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Kunstfreiheit schützt".

Die Grenze für Satire sei weit. "Es besorgt mich sehr, mit welcher Hitzigkeit die Debatte geführt wird. Ich würde mich freuen, wenn die ganze Debatte wieder versachlicht würde." Persönliche Anfeindungen könne man nicht tolerieren.

Insgesamt wurden 15 Grimme-Preise vergeben, überwiegend an Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender. Aber auch einige Formate der Privatsender waren dabei, "Weinberg" stammt sogar vom Abonnentenkanal TNT Serie. Erstmals wurden zudem Preise für Kinder- und Jugendproduktionen sowie für besondere journalistische Leistungen verliehen.

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