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08/04/2016 08:20 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

iPad Pro: Nach wie vor kein Laptop-Ersatz

Apple
Das neue iPad Pro ist ein gutes Stück kleiner als sein großer Bruder

Im vergangenen Herbst stellte Apple das iPad Pro vor und wollte es als Laptop-Ersatz etablieren. "Das iPad Pro ist für viele, viele Menschen ein Ersatz für Notebook oder Desktop-PC", erklärte Apple-Chef Tim Cook damals dem britischen "Telegraph". Er fragte, warum man heute überhaupt noch einen PC kaufen sollte. So gut das 12,9-Zoll-Tablet auch ist: Nur wenige Kreativschaffende und Bildschirmarbeiter dürften es mittlerweile als tatsächlichen Ersatz benutzen. Und auch die meisten Gamer dürften eher zu Maus und Tastatur oder zum Gamepad greifen.

Beim neuen, kleineren iPad Pro dürfte dies ebenso der Fall sein - selbst wenn Cook bei der Präsentation im März davon sprach, dass "uns viele Menschen erzählt haben, dass das iPad Pro ihr primäres Computergerät" geworden sei. "iPad Pro und Apple Pencil kommen von allem, was wir bisher in der digitalen Welt ausprobiert haben, dem tatsächlichen Zeichnen auf Papier am nächsten", erklärte zwar John Lasseter, Chief Creative Officer von Pixar und der Walt Disney Animation Studios. Aber in den meisten Fällen dürften beide iPad-Pro-Varianten - wie auch andere Tablets - besonders fürs Surfen, zum Schauen von Filmen oder für Social Media herhalten.

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600 Millionen PCs, die älter als fünf Jahre sind, seien derzeit im Einsatz und das sei "wirklich traurig" hieß es auf der Präsentation des neuen iPad Pro - und dass "diese Nutzer sehr vom iPad Pro profitieren" könnten. Für jene Menschen sei das Tablet "der ultimative PC-Ersatz". Stellt sich nur die Frage, wer fast 700 Euro und mehr für ein Tablet ausgeben soll, wenn er sich keinen Mittelklasse-PC leisten kann, den er zum gleichen Preis - oder darunter - in jedem Technikmarkt bekommt. Je nach Ausstattung kostet das neue 9,7-Zoll-Tablet zwischen 689 Euro und 1.199 Euro - und ist damit nicht sehr viel billiger als die bereits zuvor erhältliche größere Variante, die zwischen knapp 900 Euro und 1.419 Euro kosten kann.

Wie der große Bruder

Das zweite Mitglied in der iPad-Pro-Familie kommt nun mit einem kleineren 9,7-Zoll-Display daher, unterscheidet sich sonst aber nur wenig von seinem größeren Bruder. Der Retina-Bildschirm bietet eine Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln bei 264 ppi und stellt Farben kräftig dar - genutzt wird ein neuartiges, sogenanntes "True Tone Display". Dadurch wird der Weißabgleich auf dem Bildschirm dynamisch an das Umgebungslicht angepasst. Ein weißer Hintergrund wird dann beispielsweise bei entsprechend warmer Beleuchtung ebenfalls wärmer dargestellt. Dieses Feature bietet selbst der Tablet-Bruder nicht.

Im Vergleich zum iPad Air 2 soll das Display eine bis zu 25 Prozent höhere Farbsättigung und Helligkeit bieten - und bis zu 40 Prozent weniger spiegeln. Zumindest letzteres ist auch auf den ersten Blick direkt zu sehen. Ebenso sind wieder vier Lautsprecher verbaut, die für ähnlich bombastischen Sound wie in der 12,9-Zoll-Variante sorgen. Insgesamt ist das kleinere iPad Pro zumindest auf dem Papier etwas langsamer, da zwar der gleiche A9X-Prozessor verbaut ist, dieser allerdings etwas langsamer getaktet ist. In der Praxis gibt es allerdings keinen merklichen Unterschied.

Unterstützt werden auch wieder das Smart Keyboard und der Apple Pencil, bei denen es jeweils nichts zu meckern gibt. Nur gestaltet sich das Schreiben auf der recht kleinen Tastatur als doch eher gewöhnungsbedürftig - insbesondere auch, weil es nur das englische QWERTY-Tastaturlayout zu kaufen gibt. Die neu verbaute "iSight Kamera" schlägt selbst die des großen Bruders. Mit 12 Megapixeln und sogenannter "True Tone-Belichtung" gelingen Schnappschüsse und bis zu 4K-Videos selbst bei widrigen Lichtverhältnissen. Und auch die "FaceTime"-Frontkamera kommt nun mit 5 Megapixeln daher.

Was bleibt ist ein hervorragendes Tablet, das für den Großteil der Nutzer allerdings kein Desktop- oder Laptopersatz sein dürfte, so wie Apple sich das wünschen würde.