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08/04/2016 10:26 CEST | Aktualisiert 08/04/2016 11:27 CEST

Medienwissenschaftler über Böhmermann-Gedicht: "Es war schlecht, es war unter seinem Niveau"

Jan Böhmermann
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Jan Böhmermann

  • Jan Böhmermanns Gedicht hat mit Satire nichts zu tun - sagt Medienexperte Bernd Gäbler

  • Er wirft dem Moderator vor, schlicht sein Thema verfehlt zu haben

Geschmackssache, diese Satire. "Am liebsten mag er Ziegen ficken, und Minderheiten unterdrücken", heißt es in dem "Schmähgedicht" genannten Text, den Satiriker Jan Böhmermann in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" verlas. Gemeint war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Dessen diplomatische Vertreter fanden es nicht witzig. Andere sehen das Gedicht als ein Stück gelebte Meinungsfreiheit. Geschmackssache eben.

Aber ist das wirklich so? Oder diskutieren Deutschland und die Türkei eigentlich über ein Machwerk, bei dem man gar nicht diskutieren muss - und das einfach nur schlecht und billig ist?

Dieser Meinung ist der frühere Geschäftsführer des Grimme-Instituts und Medienwissenschaftler Bernd Gäbler. Der sagte dem Deutschlandfunk: "Es war, wenn man so will, keine Satire; es war schlecht, es war unter seinem Niveau, es war nicht pfiffig, es war nicht schlau." Für Böhmermann eine heftige Klatsche.

"Nicht zu Erkenntnissen verholfen"

Denn solange über die Botschaft diskutiert wird, hat ein Satiriker sein Ziel erreicht. Spricht man ihm ab, überhaupt Satire geliefert zu haben - außerhalb von Geschmacksfragen -, muss er sich vorwerfen lassen, gar keine Botschaft abgeliefert zu haben.

Genau das gilt laut Gäbler für Böhmermann: Sein Gedicht sei "leider furchtbar schlecht, viel, viel schlechter als andere Sachen, die er schon gemacht hat, und es war keine Satire". Gezielt hat der Moderator ja offenbar auf die Themen Meinungsfreiheit und Grenzen der Satire. Mit dem Text habe er aber "nicht zu Erkenntnissen verholfen, er hat keinem genutzt, der unter Erdogans Unterdrückungspolitik leidet". Wobei Erdogan selbst ja lediglich als Beispiel für Schmähkritik herhalten musste.

Aufklärung habe Böhmermann jedenfalls keine gestiftet, was Gäbler an einem Beispiel verdeutlicht - einer möglichen Satire auf Adolf Hitler: "Wenn man Hitler vor allen Dingen deswegen kritisiert hat, weil er Vegetarier war, dann war das keine gute Satire."

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