LIFESTYLE
07/04/2016 08:48 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 10:12 CEST

Dieses Zeichen zeigt, ob du ein kreativer Mensch bist

HuffPost
An diesem Zeichen erkennst du, ob du als kreativer Mensch geboren wurdest

Wir bewundern kreative Menschen. Sie erschaffen neue und schöne Dinge. Sie scheinen von einer unsichtbaren Kraft angetrieben zu werden. Gibt es ein Merkmal, an dem man Kreativität erkennt?

Eines muss ich gleich zu Beginn sagen: Sorry, es gibt kein geheimes Zeichen an eurer Hand. Schon gar keines, dass euch sagt, ob ihr als kreative Menschen geboren wurdet.

Ich habe euch ein bisschen in die Irre geführt, weil ich eine andere Botschaft habe: Kreativität ist nicht angeboren. Man kann sie lernen. Kreativität ist eine Entscheidung.

Die meisten Menschen glauben, dass wir mit bestimmten Talenten und Fähigkeiten auf die Welt kommen. Sie akzeptieren, dass sie die Dinge nicht ändern können. Sie versuchen es erst gar nicht.

Sie leben mit der Rolle, die ihnen zugewiesen wurde. Denn das liebt die Gesellschaft: Menschen ein Etikett auf die Stirn zu kleben, weil sie dann einfacher einzuordnen sind. Du bist still. Du bist schön. Du bist verrückt. Du bist langweilig. Du bist kreativ. Und du nicht.

Wenn euch jemand sagt, dass ihr kreativ seid, ist das ein Kompliment. Wünscht sich das nicht jeder?

Kreativität ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Gabe. Ja, manche Menschen können besonders gut zeichnen. Oder tanzen. Oder schreiben. Sie können es besser als andere. Deshalb sagt man, diese Menschen seien kreativ.

Aber Kreativität ist mehr als das. Es bedeutet, Ideen zu haben. Es ist dieses Gefühl, wenn sie nur so aus dir herausfließen. Wie das Wasser aus einem glucksenden Bach.

Ich dachte immer, dass ich von diesem Bach abgeschnitten bin. Viele Jahre lang dachte ich, dass ich nicht kreativ bin. Wenn wir in der Schule, an der Uni oder später im Büro zusammensaßen und Ideen sammelten, ging ungefähr das in mir vor:

Oh Gott. Noch fünf Leute, dann bin ich dran. Ahhhh. Was soll ich sagen? Mir fällt nichts ein. NICHTS. Oh, das ist ein guter Vorschlag. Wieso bin ich nicht darauf gekommen? Irgendwas muss mir doch einfallen. Nein, noch drei Leute. Denk! Denk! Denk! Vielleicht ... nein, das ist doof. Hilfe!

Heute weiß ich eines: Menschen sind nicht statisch. Menschen verändern sich. Manchmal lösen Erlebnisse diesen Prozess aus. Oder andere Menschen, die man trifft. Manchmal ändert sich die eigene Einstellung einfach mit der Zeit. Sie reift.

Woher ich das weiß? Weil es mir passiert ist. Vor fünf Jahren habe einen Test in einem Magazin gemacht: "Welcher Karrieretyp bist du?" Mein Ergebnis: Ich sei akribisch, auf Sicherheit bedacht, pflichtbewusst. Klingt nicht sehr sexy. Ich wusste aber, dass es stimmte. So war ich einfach.

Ein paar Jahre später habe ich den Test noch einmal gemacht. Mit einem ganz anderen Ergebnis. Ich sei revolutionär, unstetig. Und ja, kreativ. (Den Test könnt ihr übrigens hier machen.)

Natürlich kann man von solchen Persönlichkeitstest halten, was man will. Aber in meinem Fall wusste ich, dass die Veränderung echt war. Ich hatte mich tatsächlich zu einem anderen Menschen entwickelt.

Ich bin plötzlich jemand, der Ideen hat. Sie kommen einfach, ich kann sie gar nicht aufhalten. Es fing mit kleinen Einfällen an. Mit dem Vorschlag, hier ein Detail zu ändern. Oder dort. Und je mehr Ideen ich entwickelte, desto mehr drängten nach.

"Kreative Fähigkeiten sind wie ein Muskel. Durch Übung wachsen sie und werden stärker", sagt der Innovationsexperte Tom Kelley. Anders gesagt: Kreativität kann man trainieren.

Ich weiß jetzt, warum ich früher so einfallslos war. Ich hatte Angst davor, dass meine Ideen schlecht sind. Dass andere Menschen sie abschmettern würden. Diese Angst schnürte meine Gedanken ab. Sie waren blutleer.

Forscher der Cornell University fanden bei einem Test heraus: Kreativ waren vor allem Menschen, die sich von der Masse abhoben. Die Kandidaten, die sich den Normen und Konventionen anpassten, schnitten schlechter ab.

Viele Menschen verlieren die Fähigkeit, kreativ zu sein. Sie wird ihnen von der Gesellschaft aberzogen. Als Kinder waren wir alle kreativ. Wir malten, wir erfanden Spiele, wir taten so, als wären wir jemand anderes. Es war natürlich. Ein Kind fragt nicht, ob es das Recht hat kreativ zu sein. Es erschafft ständig Dinge, ohne daran zu zweifeln, ob sie gut genug sind.

Könnt ihr euch vorstellen einem sechsjährigen Kind das Folgende zu sagen?

Dein Bild ist hässlich. Die Proportionen stimmen nicht. Niemand hat solche Hände. Die Farben sind unnatürlich. Du kannst nicht malen. Hör auf damit.

Niemand würde das zu einem Kind sagen. Aber als Jugendliche und Erwachsene hören wir solche Kritik dauernd. Sie bringt uns dazu, an unseren Fähigkeiten zu zweifeln und nur noch das zu tun, was wir gut können. Wir töten unsere eigene Kreativität, indem wir Fehler in den Mittelpunkt stellen.

Viel spannender wäre etwa, was wir aus ihnen gelernt haben - und was wir nächstes Mal anders machen können. Mit diesen Fragen kann Kritik sogar zu einem Katalysator für Kreativität werden.

Ähnlich argumentiert der britische Autor und Berater Ken Robinson:

"Kinder haben keine Angst davor, falsch zu liegen. Wenn du nicht bereit bist, Fehler zu machen, wirst du niemals etwas Originelles erschaffen. Wenn Kinder erwachsen werden, verlieren sie diese Fähigkeit. Sie fangen an, sich davor zu fürchten, falsch zu liegen.

Wir führen unsere Unternehmen auf diese Weise. Wir stigmatisieren Fehler. Wir betreiben Bildungssysteme, in denen Fehler das Schlimmste sind, das dir passieren kann. Das Ergebnis: Wir erziehen Menschen ihre kreativen Fähigkeiten ab."

Es gibt also doch eine Antwort auf die Frage, ob ihr als kreative Menschen geboren wurdet: Ja, weil jeder so auf die Welt kommt. Es ist eure Entscheidung, ob ihr euch das nehmen lasst. Oder ob ihr es zurückholt.

Fragt nicht. Macht einfach. Seid mutig, seid verrückt. Hört nicht darauf, was andere sagen. Seid furchtlos. Es lohnt sich.