LIFE
07/04/2016 12:29 CEST | Aktualisiert 31/08/2017 07:24 CEST

Warum dein Baby es hasst, wenn du es in sein Bett legst

Das vierte Trimester: Warum Babys es hassen, abgelegt zu werden
Catherine Delahaye via Getty Images
Das vierte Trimester: Warum Babys es hassen, abgelegt zu werden

THE BLOG

“Warum schläft mein Baby nur auf meinem Arm, was mache ich falsch? Eine Frage, die erschöpfte Eltern sich häufig stellen.

Die ersten drei Monate als Eltern sind oft die härtesten. Ein Viertel aller Babys in dieser Altersgruppe leiden unter Koliken, eine Diagnose, die Ärzte stellen, wenn sie nicht wissen, warum ein Baby so unglücklich ist und Eltern es nicht schaffen, die Tränen zu stoppen.

Doch es gibt Hoffnung. Zu verstehen, welche enormen Veränderungen ein Kind durchmacht, von der Gebärmutter in die Welt hinaus, eine Phase, die oft als das vierte Trimester bezeichnet wird, kann eine bahnbrechende Erkenntnis für übermüdete Eltern sein.

Wenn Babys geboren werden, sind sie sehr schlecht auf das Leben außerhalb des Uterus vorbereitet. Es gibt Theorien darüber, dass menschliche Babys aufgrund der Kopfgröße zu früh geboren werden, weil sie sonst zu groß wären, um auf natürlichem Weg zur Welt zu kommen.

Das ist zwar eine gute Nachricht für Mütter, doch nicht für die Babys, die drei weitere Monate Entwicklungszeit im Mutterleib gut vertragen könnten.

Das zu verstehen und Neugeborene in den ersten drei Monaten so zu behandeln, als wären sie noch in der Gebärmutter, kann das Leben für frischgebackene Eltern sehr erleichtern.

Nach der Geburt ist plötzlich alles anders

Im Mutterleib ist es sehr dunkel und das Baby liegt in warmem Wasser, das konstant auf 37 Grad erwärmt ist. Es war nie zuvor an der Luft und kennt keine kälteren Temperaturen.

Außerdem ist alles, was das Baby umgibt, weich und es ist nackt. Nie zuvor musste es eine Windel tragen oder in einer kalten Wiege liegen.

Während der Schwangerschaft ist das Baby in ständigem körperlichen Kontakt zur Mutter, nach der Geburt verbringt es sofort die meiste Zeit des Tages und der Nacht allein.

Im Mutterleib hört das Kind ständig die Geräusche, die der Herzschlag und der Verdauungstrakt der Mutter verursachen. Nach der Geburt muss sich das Baby an viele verschiedene Geräusche gewöhnen.

Während der Schwangerschaft verbringt das Kind viel Zeit damit, eng eingerollt und kopfüber, in der richtigen Position für die Geburt, im Bauch der Mutter zu liegen. Nach der Geburt verbringen Babys die meiste Zeit flach auf ihrem Rücken.

Weil sie von Wasser umgeben sind, ist ihr Geruchsinn in der Schwangerschaft fast vollkommen inaktiv. Doch sobald sie an der Luft leben, sind Babys jeden Tag hunderten neuer Düfte und Gerüche ausgesetzt.

Und der letzte Punkt: Vor der Geburt hatten Babys nie Hunger oder Durst, diese Empfindungen sind vollkommen neu für sie, sobald sie auf der Welt sind.

Die Veränderungen vom Uterus zur “Außenwelt” sind so enorm - kein Wunder, dass sie so viel weinen!

Es ist aber wirklich einfach, die “Uterus-Welt” des Babys nachzubilden. Diese Tipps können einen dramatischen Effekt auf das Weinen und Schlafen von Babys haben.

Bewegung

Gegen Ende der Schwangerschaft wird das Baby von den Vorwehen rhythmisch gedrückt und jedes Mal, wenn die Mutter sich bewegt, taumelt das Baby im Bauch herum. Neugeborene Babys lieben Bewegung, doch oft werden sie irgendwo ruhig hingelegt. Versucht zu tanzen, von Seite zu Seite zu schwanken, einen Spaziergang oder eine holprige Autofahrt zu machen.

Geräusche

Babys lieben Geräusche, aber nicht die Geräusche, mit denen ihr vermutlich rechnet. Für viele ist der Klang eines Föns oder Staubsaugers viel beruhigender als der eines Schlafliedes. Weißes Rauschen kann helfen, Babys zu beruhigen und länger schlafen zu lassen.

Position

Das Baby in einer natürlicheren Position zu halten, zum Beispiel mit dem Bauch nach unten, wie es im Baby-Yoga praktiziert wird, kann oft einen magischen Effekt haben und schreiende Babys verstummen lassen.

Nahrung

Wenn Babys hungrig sind, kann nichts sie beruhigen. Es ist immer besser, dass Babys selbst entscheiden zu lassen, wann es Hunger hat, anstatt einer Routine zu folgen. Babys haben nicht immer genug Hunger für eine ganze Portion, es kann sein, dass sie nur ein wenig trinken möchten oder gemütlich nuckeln wollen. Das Nuckeln ist wichtig, denn es unterstützt die Schädelknochen dabei, nach der Geburt in ihre normale Position zurück zu gelangen. Es hilft außerdem, den Milchfluss bei stillenden Müttern zu fördern.

Tiefe Bäder

Manchmal kann ein tiefes, warmes Bad Babytränen innerhalb von Sekunden versiegen lassen. Es ist noch besser, wenn Mutter oder Vater mit dem Baby in die Wanne geht, denn Hautkontakt hat einen wunderbaren, beruhigenden Effekt, da im Körper des Babys und des Elternteils das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird.

Pucken

Ein Baby zu pucken kann dabei helfen, ihm das vertraute Gefühl aus dem Mutterleib zurückzubringen. Allerdings sollte der Stoff nicht zu eng um die Hüfte des Babys gewickelt werden und Eltern sollten aus Sicherheitsgründen damit aufhören, sobald das Baby sich selbstständig drehen kann. Achtet drauf, dass ihr die Hungersignale eures Babys nicht verpasst und stellt sicher, dass es auch genügend Hautkontakt bekommt.

Das Baby tragen

Babys in einem Tragegurt oder Tuch zu tragen, ist ein einfacher Weg, sie ruhig und glücklich zu halten. Studien haben gezeigt, dass Babys, die viel herumgetragen werden, deutlich weniger weinen als andere. Als Elternperspektive hat es auch einen Vorteil: zwei freie Hände, mit denen sie essen, zur Toilette gehen oder kochen können.

Das Bett teilen

Weltweit teilen sich nur etwa sechs Prozent der Eltern das Bett mit ihren Babys. Das gemeinsame Schlafen hat leider einen schlechten Ruf, obwohl die Forschung gezeigt hat, dass das Risiko für plötzlichen Kindstod nicht größer ist als in einem Kinderbett, solange Eltern sich an einfache Sicherheitsregeln halten. Das Bett mit einem Neugeborenen zu teilen ist ein großartiger Weg, mehr Schlaf zu bekommen.

Wenn man sich in die Erfahrungen eines Neugeborenen hineinversetzt, kann man viele Erkenntnisse darüber gewinnen, wie man ihnen helfen kann. Interessanterweise wenden Eltern die meisten Methoden, die für das vierte Trimester empfohlen werden, instinktiv an.

In vielen Fällen wurden Eltern jedoch davor gewarnt, ihre Kinder “zu verderben” oder sich den Rücken kaputt zu machen, wenn sie sie so viel tragen. Die einfache Wahrheit ist aber, dass es unmöglich ist, ein Baby zu versauen, oder zu oft zu halten. Wenn dein Baby sich in deinen Armen beruhigt und du glücklich bist, es zu haben, dann halte es, solange du möchtest!

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.


Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Neue Methode: Es sieht erschreckend aus, wie sie das Baby badet. Dabei ist es großartig