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07/04/2016 09:39 CEST | Aktualisiert 19/01/2018 15:23 CET

Menschen, die Reality-TV gucken, haben ein psychisches Problem

Screenshot/RTL-Sendung
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Screenshot/RTL-Sendung

"Frauentausch", "Bachelor" und "Berlin – Tag & Nacht": Ganz ehrlich, wer oft Reality-TV-Formate guckt, kann doch nicht ganz richtig sein.

Stimmt, sagt jetzt die Wissenschaft. Forscher der University of Pennsylvania und der Ohio State University haben eine Verbindung zwischen Narzissmus und dem regelmäßigen Konsum von bestimmten TV-Genres entdeckt.

Dafür untersuchten sie die Fernsehgewohnheiten von 565 US-Studenten und befragten sie zu ihren Lieblingssendungen sowie der Dauer ihres Fernsehkonsums.

Test auf narzisstische Tendenzen

Danach ließen sie die Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen, den “Narcisstic Personality Inventory“ (NPI). Dieser Test wird in der sozialpsychologischen Forschung am häufigsten verwendet, um narzisstische Tendenzen zu messen.

Narzissmus ist ein schwammiger Begriff: Er bezeichnet eigentlich übersteigerte Selbstverliebtheit – legt aber nicht fest, ob es sich dabei um eine Charaktereigenschaft oder um eine Persönlichkeitsstörung handelt.

Bei einer Persönlichkeitsstörung ist der Betroffene übermäßig damit beschäftigt, nach Bewunderung zu streben, während er selbst kein zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen hat. Er braucht psychologische Betreuung.

Menschen mit einem Hang zur Selbstliebe sind dagegen nicht unbedingt ein Fall für den Therapeuten.

Reality-Shows, Sportwettbewerbe, Polittalks und Horrorfilme

Narzisstische Tendenzen fanden die Wissenschaftler der Studie besonders ausgeprägt bei den Teilnehmern, die lange vor dem Fernseher sitzen und dabei vor allem Reality-Shows schauten.

Der oben genannte Fragebogen eignet sich allerdings nicht für die alleinige Diagnose von Narzissmus – das heißt, dass die Studenten, die erhöhte narzisstische Tendenzen aufwiesen, nicht unbedingt an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung litten.

Schon 2006 legte eine Studie der Psychologen Mark Young und Drew Pinsky nahe, dass Narzissmus und Reality-Shows zusammenhängen.

Sie fanden mithilfe des NPI-Tests heraus, dass Realitv-TV-Stars im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöhte Narzissmus-Tendenzen aufweisen. Interessanterweise waren ihre Werte auch höher als die von andere Promis wie Musikern oder Schauspielern.

Fördert Reality-TV also Narzissmus?

Ted Dickinson, einer der Leiter der Studie, sagte der britischen Zeitung „Daily Mail“ zu dem Vorwurf, Reality-Shows würden Narzissmus fördern:

„Ich nehme an, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Manche Menschen mit narzisstischen Tendenzen erkennen sich in den Darstellern wieder, während andere, die regelmäßig Reality-Shows schauen, dies irgendwann als normales Verhalten begreifen und das Verhalten der Darsteller nachahmen.“

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