POLITIK
07/04/2016 15:38 CEST | Aktualisiert 25/04/2016 05:46 CEST

Deutschland steht vor einer dramatischen Krise - und die wird uns alle betreffen

  • In Europa droht eine neue Finanzkrise

  • Die Maßnahmen gegen einen Wirtschaftseinbruch sind bereits jetzt praktisch ausgeschöpft

  • In Gefahr sind Sparguthaben der Bürger und die Kassen der Staaten

  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

In Europa zu leben, wird uns teuer zu stehen kommen. In Gefahr ist unser Geld, unser Erbe - unser Leben in Wohlstand, wie es Europa immer garantiert hatte. Bislang. Denn die nächste Finanzkrise steht bevor. Und vieles spricht dafür, dass sie weit dramatischer wird als beim letzten Mal.

Denn es droht: eine neue Eurokrise, vom Strickmuster her ähnlich der Eurokrise wie sie 2009 ausgebrochen war. Europa könnte sich erneut infizieren, ergeben Analysen der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Schulden steigen weiter - bis ins Untragbare

Deutliches Anzeichen: Die Schulden der Euroländer sind weiter gestiegen - lagen sie vor sechs Jahren noch bei 85 Prozent der Wirtschaftsleistung, sind sie heute bei 90 Prozent. Im Schnitt.

Portugal, Italien und Spanien haben Schulden in Höhe von mindestens dem 1,2-Fachen ihres Bruttoinlandsprodukts. Unter Wirtschaftswissenschaftlern gilt die Überzeugung: Schlimmer geht es nicht. Mehr wäre der Anfang der Krise.

Die Betroffenen geben sich offenkundig keine große Mühe, diese Lasten abzubauen. Portugals neue Linksregierung will Arbeitnehmern, Rentnern und Beamten Sozialgeschenke machen - ausgerechnet in Zeiten knapper Budgets.

In Spanien, wo ebenso ein Linksbündnis die Regierung übernehmen könnte, ist dieselbe Ausgabenpolitik denkbar.

Dabei hat uns die von Griechenland aus gewachsene Krise bitter vor Augen geführt: Die Ausgaben der Problemländer gehen jeden Europäer etwas an - denn sie bürgen mit ihren Steuergeldern für die Notmaßnahmen wie den Euro-Rettungsschirm.

Zudem sinken die Zinsen für Sparer immer weiter, Lebensversicherungen, Tagegeldkonten, Bausparen: Alles, was einmal sichere Rendite abwarf, kommt nicht mehr recht in Frage. Viele Anlageoptionen werfen jetzt schon weniger ab als die Inflation auffrisst.

Gleichzeitig sind Aktien nicht nur eine riskantere Anlage, sondern auch schon recht teuer. Ebenso Immobilien und andere Sachanlagen.

Das sind die dramatischen Auswirkungen der Krise, die jetzt schon jeder von uns spürt.

Depot-Vergleich: Was private Börsenanleger nie vergessen sollten

Kommt es zum Crash, war das nur der Anfang: Dann kommen Banken ins Wanken, angesparte Vermögen geraten in Gefahr und die Börsenkurse rauschen in den Keller. Einer solchen Finanzkrise entkommen nur die Wenigsten.

Hinzu kommt die bange Frage: Was ist, wenn die Länder, die den Rettungsschirm für andere aufspannen, selbst in Schwierigkeiten geraten, weil die Rettung nicht mehr zu finanzieren ist?

Beatmungsversuche aus Frankfurt

Über diese Frage sollte ein Europäer ganz besonders sorgfältig nachdenken: der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Seine in Frankfurt beheimatete Behörde versuche, "den kranken Patienten Europa durch die Politik des billigen Geldes künstlich zu beatmen, während man ihm mit der Kürzung von Staatsausgaben, Löhnen und Renten weiter Blut abzapft", heißt es in einem "FAZ"-Kommentar des Linken-Politikers Oskar Lafontaine und seinen Kollegen Stefano Fassina und Fabio De Masi.

Die Politik des billigen Geldes bedeutet: Die EZB sorgt für niedrige Zinsen - dadurch sollen Kredite günstig sein, Konsum und Investitionen angekurbelt werden. Als es vor Jahren mit der Eurokrise losging, ließ sich damit noch für etwas Belebung sorgen.

Tagesgeld vergleichen: Ihr werdet jeden Tag ein bisschen ärmer - tut etwas dagegen!

Doch was, wenn die europäische Wirtschaft wieder drastisch ins Stottern gerät? Mittlerweile sind die EZB-Zinsen für Banken ins Negative gerutscht. "Wenn die nächste Finanzkrise kommt, sind die Zentralbanken mit ihrem Latein am Ende", heißt es im Lafontaine-Text.

Maßnahmen, die nicht wirken

Eigentlich sind sie das jetzt schon: Denn trotz billiger Kredite werden Bürger nicht merklich zum Einkaufen, Unternehmen nicht zum Investieren angeregt. Bürger sparen. Doch weil sie dafür kaum Zinsen bekommen, schmilzt langsam der Wert ihres Sparguthabens. Ohne Investitionen in der Wirtschaft bleiben Wachstum und Steuergelder aus. Der Europa-Kollaps droht.

Und daran werden nicht nur die altbekannten Problemländer Schuld sein, wie der Ökonom Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft der "Süddeutschen" sagt: Demnach seien Spanien, Italien und Frankreich überschuldungsgefährdet. "Die Eurozone ist anfälliger geworden für einen Schock aus der Weltwirtschaft oder ein Aufflammen der Krise in einem Mitgliedsland", warnt der Wirtschaftswissenschaftler.

Weniger Spielraum als zuvor

Denn: "Die Euro-Zone hat weniger Spielraum, auf eine neue Krise zu reagieren, als vor sieben oder acht Jahren", sagt Guntram Wolff vom in Brüssel ansässigen Thinktank Bruegel.

Nur macht sich diese Situation kaum jemand klar. Europa steuert daher auf immer mehr Schulden zu. Und eine Krise, die längst absehbar ist, die aber niemand sehen will.

Auch auf HuffPost:

Haushalt mit Milliarden-Lücke: So dramatisch steht es um die deutschen Staatsfinanzen