POLITIK
07/04/2016 16:37 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 18:54 CEST

Cameron räumt Beteiligung an Briefkastenfirma ein - diese 4 Dinge musst du jetzt wissen

Cameron räumt Beteiligung an Briefkastenfirma seines Vaters ein
POOL New / Reuters
Cameron räumt Beteiligung an Briefkastenfirma seines Vaters ein

  • Der britische Premierminister Cameron hat seine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines Vaters zugegeben

  • Die pikante Enthüllung könnte drastische Folgen für Cameron haben

Nach den Enthüllungen der Panama Papers hat der britische Premierminister David Cameron eine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters eingeräumt. Viele fordern nun seinen Rücktritt - doch es ist nicht ausgeschlossen, dass Cameron die Affäre unbeschadet übersteht.

1. Was hat David Cameron zugegeben?

Er habe Anteile im Wert von über 30.000 Pfund am "Blairmore Investment Trust" besessen, sagte Cameron am Donnerstag dem Fernsehsender ITV. Er habe die 5000 Anteile aber im Januar 2010 verkauft.

Der Fonds "Blairmore Holdings" soll in den 80er-Jahren mit Hilfe von David Camerons Vater Ian aufgelegt worden sein. Er war viele Jahre lang Kunde der Kanzlei Mossack Fonseca.

Registriert wurde er zunächst in Panama, später dann in Irland. Sein Sitz ist auf den Bahamas. Als Direktor der "Blairmore Holding" soll Ian Cameron außerdem reichen Briten beim Steuernsparen geholfen haben.

2. Wie hatte sich Cameron bisher zu den Vorwürfen geäußert?

Bisher hatte Cameron alle Vorwürfe abgeblockt: Bei den Finanzgeschäften seiner Familie handele es sich um "private Angelegenheiten". Noch am Dienstag hatte sein Büro verkündet: "Der Premierminister, seine Frau und ihre Kinder profitieren nicht von irgendwelchen Briefkastenfirmen."

3. Welche Konsequenzen drohen ihm?

Nun also doch. Ob die Enthüllung für Camerons politische Zukunft Konsequenzen haben wird, ist derzeit nicht abzusehen. Peinlich ist sie allemal. In den vergangenen drei Tagen hatte sein Büro gleich vier Meldungen herausgegeben, in denen der Torie-Politiker seine Unschuld beteuert hatte.

"Es waren ein paar schwierige Tage", gab er nun zu Protokoll. Seine Frau und er sollen seit 1997 in Besitz der Anteile gewesen sein. Zur Zeit als Cameron Oppositionsführer im britischen Parlament war.

Aus der Opposition werden bereits Rücktrittsforderungen laut: Der Labour-Abgeordnete John Mann sagte, Cameron müsse zurücktreten, da er "vertuscht und in die Irre geführt" habe. Auch der Abgeordnete Wes Streeting - ebenfalls Labour - schoss gegen Cameron: "Seine Glaubwürdigkeit liegt in Trümmern", sagte er dem "Mirror".

Die Journalistin Kirsty Major kommentierte im "Independent": "Cameron muss zurücktreten - und zwar schnell". Sie warf dem Premierminister "Scheinheiligkeit" vor - da er sich immer als Kämpfer gegen Steuerhinterziehung gegeben und im Fifa-Skandal noch für eine internationale Anti-Korruptions-Zusammenarbeit geworben hatte.

Auch Oppositionsführer Jeremy Corbyn äußerte sich via Twitter: "Cameron hat immer beteuert, der 'Champion' der Transparenz in Sachen Steuerhinterziehung zu sein. Jetzt kennen wir die Wahrheit."

4. Ist wirklich mit einem Rücktritt zu rechnen?

Nicht alles spricht gegen Cameron: Bislang gibt es keinerlei Indiz dafür, dass Camerons Handlungen unrechtmäßig waren. Seine vorherigen Aussagen bezogen sich lediglich darauf, aktuell nicht von Offshore-Geschäften zu profitieren. Grobe Falschaussagen können dem britischen Regierungschef somit ebenfalls nicht angelastet werden.

Bereits als zum ersten Mal über die Geschäfte von Camerons Vater berichtet wurde, hatte der britische "Guardian" kommentiert: "Cameron wird damit wahrscheinlich durchkommen. Er weiß, mit den Medien umzugehen und weiß wie er eben so genug sagt, um die Menschen zufriedenzustellen, ohne zu viel zuzugeben."

Es könnte auch jetzt noch gelten.

Mit Material der dpa.

Lies weitere Hintergründe zu den Panama Papers hier.

Auch auf HuffPost:

12 Dinge, die du wissen musst, um das Ausmaß der Panama-Leaks zu begreifen