POLITIK
07/04/2016 14:09 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 14:11 CEST

Bund Deutscher Kriminalbeamter warnt: "Die gesellschaftliche Mitte radikalisiert sich"

Pegida-Demonstration, Januar 2016, Köln
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Pegida-Demonstration, Januar 2016, Köln

  • Straftaten gegen Flüchtlinge werden vermehrt von Menschen aus der "bürgerlichen Mitte" begangen

  • Ihnen ist klar, dass sie illegal handeln - sie fühlen sich aber moralisch im Recht

  • Diese Entwicklung bereitet der Polizei Sorgen

Rund 173 Gewalttaten gegen Flüchtlingsunterkünfte zählte das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr – mehr als sechs Mal so viele, wie im Jahr zuvor.

Wer sind die Menschen, die Parolen grölend vor Flüchtlingsheimen stehen? Und wer sind die Menschen, die diesen Hass dann auch tatsächlich in Gewalt umwandeln?

Es sind zunehmend Menschen aus der bürgerlichen Mitte, hat Sebastian Fiedler beobachtet. Und Fiedler weiß, wovon er spricht, er ist stellvertretender Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamte.

Seine traurige Bilanz: "Früher waren die Täter so gut wie immer Menschen, von denen wir wussten, dass sie einen rechten Hintergrund hatten", sagte Fiedler im Interview mit "Focus Online".

Während früher NPD-Fans und Rechtsradikale solche Straftaten begingen, seien heute vermehrt Menschen beteiligt, die nicht in dieses Schema passten.

Bei einem Flüchtlingssymposium im Schloss Bellevue am Donnerstag fand Fiedler deutliche Worte für diesen Trend: "Die gesellschaftliche Mitte radikalisiert sich", warnte er. Es gäbe eine "Grundstimmung" in der Mitte, die diese Entwicklung begünstige.

"Die Täter sehen sich im Recht"

Und auch ein weiterer Faktor spielt wohl bei der erhöhten Gewaltbereitschaft der Mitte eine Rolle, meint Fiedler. Die Täter sähen sich im Recht. "In der Kriminologie nennen wir es Neutralisierungstechniken", erklärt Fiedler gegenüber "Focus Online".

Obwohl die Täter wüssten, dass ihre Tat eigentlich strafbar seien, neutralisierten sie so ihre Schuld und argumentierten gegenüber sich selbst so, dass ihre Tat zumindest moralisch richtig seien.

Besonders problematisch sei, dass die Täter dabei das Gefühl hätten, dass ihre Taten von der Gesellschaft getragen würden.

"Konsequente und harte Antworten"

Angesichts der hohen Zahl von Gewalttaten gegen Flüchtlingsunterkünfte, forderte Bundesjustizminister Heiko Maas erst im März "konsequente und harte Antworten" von Rechtsstaat und Justiz.

Gleichzeitig forderte er, extremistische Gewalt in Zukunft noch besser zu erfassen, auch in sozialen Netzwerken. Was dort geschehe, sei oft eine Vorstufe für rechtsextreme Gewalttaten, so Maas.

Mit Material von dpa

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