POLITIK
07/04/2016 03:04 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 03:16 CEST

Darum will die "Bild" keine Kampagne gegen die AfD fahren

An unidentified Christian Democratic (CDU) member of the Bundestag lower house of parliament reads the front page of Germany's biggest daily newspaper "Bild" ahead of a parliamentary debate in the Reichstag in Berlin January 20. The headline in "Bild" reads "Kohl and the cash. Another ten million". Wolfgang Schaeuble, leader of Germany's scandal-stricken oppostion CDU apologised to parliament for misleading the chamber over a cash donation he accepted from a fugitive arms leader.

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Reuters Photographer / Reuters
An unidentified Christian Democratic (CDU) member of the Bundestag lower house of parliament reads the front page of Germany's biggest daily newspaper "Bild" ahead of a parliamentary debate in the Reichstag in Berlin January 20. The headline in "Bild" reads "Kohl and the cash. Another ten million". Wolfgang Schaeuble, leader of Germany's scandal-stricken oppostion CDU apologised to parliament for misleading the chamber over a cash donation he accepted from a fugitive arms leader. WR

  • Die neue Chefredakteurin der "Bild" lehnt eine Kampagne gegen die AfD ab

  • Die Leser wollten sich nicht bevormundet fühlen, sagt sie

  • Medienforscher sieht im "flüchtlingsfreundlichen" Kurs der "Bild" einen Grund für den Aufstieg der AfD

Deutschlands größte Tageszeitung "Bild" will keine Kampagne gegen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland führen, um sie politisch zu bekämpfen.

Das sagte die neue "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch der dpa. "Eine Kampagne gegen die AfD würde sie wichtiger machen, als sie ist", betonte Koch.

Die Begründung: Die AfD sei eine "Defizitpartei", die keine Antworten auf Probleme habe. Die Leser würden es "Bild" jedoch verübeln, wenn sie sich bevormundet fühlten. "Wir haben als Journalisten keinen Erziehungsauftrag", betonte Koch in ihrem ersten Interview seit ihrem Amtsantritt Anfang Januar.

Die "Bild"-Zeitung hatte sich im vergangenen Jahr mit einer Pro-Flüchtlingskampagne unter dem Titel "Refugees Welcome - wir helfen" hervorgetan (die die Huffington Post allerdings schon Wochen vor der "Bild" gebracht hatte). Koch nannte die Aktion im Interview mit der dpa ein "klares Bekenntnis zur Hilfsbereitschaft" in Deutschland für Flüchtlinge.

Die Rechten fühlen sich von der Bild im Stich gelassen

Doch die Aktion der "Bild" ist in gewisser Weise auch nach hinten losgegangen. Jedenfalls wenn man Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaften an der LMU München glaubt.

Er sagte kürzlich der Süddeutschen Zeitung: „Anfang der 2000er-Jahre haben zwei Politologen in der "Zeit" mal die Frage gestellt: Warum gibt es in der Bundesrepublik eigentlich keine rechtspopulistische Partei? Und die interessante Antwort war: Wir haben die "Bild"-Zeitung.“

Das höre sich erst einmal komisch an, sagt Reinemann. Wenn man aber bedenke, wie die „Bild“ über Jahrzehnte hinweg mit Ressentiments, Minderheiten, Ausländern umgegangen ist, "dann haben viele Leute darin eine gewisse Interessenvertretung gesehen", so der Kommunikationsforscher.

"Die Menschen wollen repräsentiert werden"

Die "Bild" habe sich in der Flüchtlingskrise allerdings anders verhalten. Im vergangenen Sommer startete die Zeitung die Aktion "Wir helfen" – und signalisierte ihren Lesern: Wir begegnen der Flüchtlingskrise mit großzügiger Willkommenskultur.

"Da haben diese Leute eine weitere Interessenvertretung verloren. Das ist natürlich ein bisschen wild spekuliert, aber fest steht trotzdem: Die Menschen wollen repräsentiert werden", sagt Reinemann der "SZ".

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