POLITIK
06/04/2016 12:20 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 13:09 CEST

CDU-Politiker Steffel klagt an: "Fürchte, dass wir Nazi-Zeiten näher kommen" (EXKLUSIV)

dpa

  • Als ein stämmiger Deutscher einen Ausländer im Restaurant anpöbelte, ging CDU-Politiker Steffel dazwischen

  • Mehr noch als die Situation schockierte ihn, dass alle anderen Gäste das Geschehen völlig ignorierten

Sowas hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Steffel noch nicht erlebt.

Er aß mit seiner Familie auf der Terrasse eines Berliner Restaurants, als plötzlich ein Mann aufstand, um einen ausländischen Kellner aus Ägypten anzupöbeln. Er beschreibt den Mann im Gespräch mit der Huffington Post als “groß, fitnessgestählt, mit sehr kurzen Haaren.”

Ein glatzköpfiger, muskelbepackter "Deutscher" beleidigt einen reizenden Kellner in Berlin Heiligensee als "Scheiß...

Posted by Frank Steffel on Sonntag, 3. April 2016

Als er den Kellner als “scheiß Araber” beschimpfte und ihm wild Schläge androhte, ging Stefffel dazwischen. Er sagte ihm, er solle aufhöhren - und verschwinden.

Was Steffel aber noch mehr entsetzte als der aggressive Mann war die Reaktion der anderen Gäste. Der Huffington Post sagte er:

"Selbst, als er meine Frau als Nutte beschimpfte und mit einem Stuhl nach uns warf, interessierte es die anderen Gäste nicht. Die tranken einfach ihr Bier weiter. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Diese Passivität hat mich beschäftigt. Es fehlt an Zivilcourage.

"Müssen Gesicht zeigen"

Wenn eine Oma hinfällt, springt man doch auch sofort auf und hilft ihr. So sollte man auch reagieren, wenn sich ein Schrank vor einem Ausländer aufbaut, um ihn runterzumachen. Stattdessen haben alle stillgehalten und nichts gemacht. Wir müssen Gesicht zeigen - die schweigende Mehrheit hat nur eine Chance, wenn sie zusammensteht.

Wir müssen uns fragen, wie wir mit solchen Situationen umgehen. Ich vermute, dass das Bürgertum auf solche rechten Ausbrüche noch keine Antwort gefunden hat. Die meisten sind solche Situationen nicht gewohnt - die gab es vor einem Jahr auch noch nicht so häufig.

"Ich bin wirklich kein Linker"

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Typ damals nicht aufgestanden wäre. Der fühlt sich in diesen Zeiten bestätigt, etwa durch die AfD mit ihren rechten Positionen in Talkshows und Wahlprogrammen. Ich bin wirklich kein Linker, aber in Deutschland geht eine Saat auf.

Meine Schwiegermutter ist 88 Jahre, sie erinnerte die Szene an die Nazi-Zeit. Dort konnte man auch einfach aufstehen und “Scheiß Jude” sagen, ohne, dass sich jemand beschwert hätte. Solche Szenen wie Restaurant lassen mich fürchten, dass wir diesen Zeiten näher kommen. Das darf aber auf keinen Fall passieren."

Gar nicht so einfach, in dieser Zeit das wichtigste zu behalten, was man für ein positives Leben braucht: Hoffnung. Wir zeigen Geschichten, die den Glauben in das Gute wiederherstellen - mit unserer Mutmacher-Serie: