POLITIK
06/04/2016 03:03 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 13:26 CEST

Panama Papers: Razzia bei der UEFA wegen Gianni Infantino (Newsblog)

Der nordrhein-westfaelische Finanzminister Helmut Linssen telefoniert am Montag, 26. Januar 2009 vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt des oeffentlichen Dienstes der Laender in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern fuer die etwa 700.000 Angestellten der Bundeslaender acht Prozent mehr Entgelt, die Arbeitgeber lehnen dies bisher ab. (AP Photo/Sven Kaestner) --- The Minister of Finance of the German state of North Rhine-Westfphalia, Helmut Linssen, makes a call prior to the begin
GUILLERMO MUNOZ via Getty Images
Der nordrhein-westfaelische Finanzminister Helmut Linssen telefoniert am Montag, 26. Januar 2009 vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt des oeffentlichen Dienstes der Laender in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern fuer die etwa 700.000 Angestellten der Bundeslaender acht Prozent mehr Entgelt, die Arbeitgeber lehnen dies bisher ab. (AP Photo/Sven Kaestner) --- The Minister of Finance of the German state of North Rhine-Westfphalia, Helmut Linssen, makes a call prior to the begin

Die Panama Papers sind ein journalistischer Coup. Die Enthüllungen über Besitzer von Briefkastenfirmen erschüttern Regierungen nicht nur in Europa.

Die wichtigsten Entwicklungen des Mittwochs im NEWS-BLOG:

17:00: Razzia bei der UEFA wegen Gianni Infantino

Nach Berichten über angeblich zweifelhafte Geschäfte des früheren UEFA-Generalsekretärs und heutigen FIFA-Chefs Gianni Infantino hat die Schweizer Bundespolizei die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon durchsucht. Das bestätigte die UEFA am Mittwoch.

Die Beamten forderten Einsicht in die Verträge zwischen der UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading. "Natürlich stellt die UEFA der Bundespolizei alle relevanten Dokumente in ihrem Besitz zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren", hieß es in einer Pressemitteilung der Vereinigung Europäischen Fußballverbände.

Laut der "Süddeutschen Zeitung" unter Berufung auf die "Panama Papers" hat Infantino 2006 in seiner Funktion als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung Verträge mit dem Unternehmen Cross Trading unterzeichnet, deren Eigentümer zwei der heutigen Angeklagten im FIFA-Skandal waren. Die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis sollen mit den Verträgen damals TV-Rechte für die Champions League erworben und diese mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiterverkauft haben.

15:45 Uhr: Auch ein deutscher Spitzenpolitker auf der Panama-Liste

Die größten Skandale der Panama-Papers trafen eher ausländische Spitzenpolitiker und Sportfunktionäre - doch ihre Hände in Unschuld waschen kann die deutsche Politik deswegen noch lange nicht. In den geleakten Listen tauchen viele Firmen und Bürger auf - darunter auch der ehemalige CDU-Schatzmeister und Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Helmut Linssen.

Schon 2014 wurde er beschuldigt, seit 1997 Geld in einer mittelamerikanischen Briefkastenfirma versteckt zu haben, die Rede war von 830.000 Mark. Dazu erklärte der CDU-Politiker damals in einer Stellungnahme: "Ich habe keine Steuern hinterzogen. Das haben auch Finanzverwaltung und Staatsanwaltschaft bestätigt." Von seiner Position als Schatzmeister trat er trotzdem zurück.

Nachdem sein Namen nun in den Panama Papers, fällt das Leugnen schon schwerer. Gegenüber "RP-Online" bestätigte er, dass er die frühere Briefkastenfirma Longdown Properties in Panama besessen habe. Er habe aber trotzdem keine Steuern hinterzogen.

helmut linssen

12:15 Uhr: FDP-Vize Kubicki findet Aufregung "heuchlerisch"

Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki hat die Aufregung um Briefkastenfirmen als "heuchlerisch" bezeichnet. Im Interview mit "Focus Online" sagte Kubicki, jeder, der sich dafür interessiere, habe wissen können, dass in Panama hunderttausende Firmen vorgehalten würden. "Wir reden von Firmen, die keinen Geschäftsbetrieb unterhalten, dort wo sie angesiedelt sind. Das ist aber nicht per se verwerflich", sagte Kubicki, der auch als Anwalt tätig ist.

In der Schifffahrt beispielsweise sei das Nutzen solcher Firmen eine übliche Vorgehensweise. "Ich kann die Kanzlei Mossack Fonseca in ihrer Argumentation verstehen, sie habe lediglich einen juristischen Mantel verkauft", sagte Kubicki. "Es gibt auch immer wieder gute Gründe, anonym zu bleiben." Straftaten müssten verfolgt werden. Das Instrument der Briefkastenfirmen aber werde gebraucht. Kubicki betonte: "Mich stört an dieser Debatte, dass sie wieder unter dem Tenor geführt wird: Reiche sind kriminell."

wolfgang kubicki

9:45 Uhr: Isländischer Präsident will doch nicht abtreten

Der durch die "Panama-Papers" in die Kritik geratene isländische Ministerpräsident David Gunnlaugsson will sein Regierungsamt doch nicht endgültig aufgeben. In einer Pressemitteilung, die sein Büro am Dienstagabend verbreitete, hieß es: "Der Ministerpräsident ist nicht zurückgetreten und wird weiterhin als Vorsitzender der Fortschrittspartei tätig sein." Er habe nur vorgeschlagen, dass sein Stellvertreter Ingi Jóhannsson das Regierungsamt vorübergehend übernehme.

Am Dienstag hatte die Fortschrittspartei mitgeteilt, dass David Gunnlaugsson seinen Rücktritt als Regierungschef angeboten habe. Sein Name war im Zusammenhang mit den Berichten über Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen aufgetaucht.

david gunnlaugsson

6:15 Uhr: Neuer Fifa-Chef Infantino belastet

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, soll auch der neue Fifa-Chef Gianni Infantino in dubiose Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt gewesen sein. Als Direktor der Uefa-Rechtsabteilung soll Infantino Verträge mit einer Briefkastenfirma gezeichnet haben, deren Eigentümer im Zuge des Fifa-Skandals angeklagt sind. Bei den undurchsichtigen Geschäften soll es um die Vermarktung von TV-Rechten von Championsleague-Spielen gegangen sein.

infantino

6:00 Uhr: Gunnlaugsson angeblich zurückgetreten

Nach Medienberichten über die "Panama Papers" ist Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson in Absprache mit seiner Partei am Dienstagabend von seinem Amt zurückgetreten. Zuvor war sein Name im Zusammenhang mit den Enthüllungen über Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen aufgetaucht.

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Das sind die wichtigsten Deutschen auf der Liste

Mit Material der dpa.

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