POLITIK
07/04/2016 01:50 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 01:53 CEST

Dokument soll Vertuschung nach Silvester-Vergewaltigung in Köln belegen

NRW-Innenminister Ralf Jäger gerät unter Druck
DPA
NRW-Innenminister Ralf Jäger gerät unter Druck

  • Das NRW-Innenministerium wies Vertuschungsvorwürfe nach einer Vergewaltigung in der Kölner Silvesternacht zurück

  • Jetzt tauchten Aktennotizen eines Polizisten auf, welche die Vertuschung belegen sollen

Nachdem das NRW-Innenministerium gestern Vertuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit den massiven Übergriffen auf Frauen an Silvester in Köln zurückgewiesen, legt die Redaktion der "Kölner Express" nach.

Die Boulevardzeitung präsentierte vertrauliche Vermerke eines Kölner Polizisten, die beweisen solle, dass es durchaus den Versuch gab, den Begriff "Vergewaltigung" aus dem Bericht über die sexuellen Übergriffe am Neujahrstag streichen zu lassen.

"Landesleitstelle wünscht Streichung der Formulierung Vergewaltigung"

Nachdem der Polizist die "WE-Meldung" (für "Wichtiges Ereignis") über die Ereignisse in der Domstadt verfasst hatte, soll er einen Anruf erhalten haben - nach Darstellung der Kölner Polizei von der Landesleitstelle. Der Polizist habe dem Blatt zufolge zum Inhalt des Gesprächs notiert:

"KHK H. sagte mir sofort, die Landesleitstelle wünsche ein Storno der WE-Meldung beziehungsweise die Streichung der Formulierung Vergewaltigung. Laut Darstellung der Landesleitstelle sei dies ein Wunsch aus dem Ministerium".

Der Zeitung zufolge soll eine dem Düsseldorfer Ministerium untergeordnete Stelle versucht haben, auf eine Kölner Polizeimeldung nachträglich Einfluss zu nehmen.

"Wunsch aus dem Ministerium"

Ein Beamter der Landesleitstelle habe nach Erhalt eines brisanten Berichts über zahlreiche Raub- und Sexualdelikten am 1. Januar bei der Kölner Polizei angerufen, "um die Bitte zu übermitteln, die Meldung zu "stornieren" bzw. den Begriff der "Vergewaltigung" zu streichen". Dies sei "ein Wunsch aus dem Ministerium".

Das schreibt der "Express" unter Berufung auf einen Polizeibeamten, auf interne Polizeivermerke und E-Mails.

Dazu passend: Silvesterübergriffe - Ministerium wollte Vergewaltigung verschweigen

Die Kölner Polizei sei "standhaft" geblieben. Das nordrhein-westfälische Ministerium reagierte am Mittwoch umgehend: "Das Innenministerium weist die Vorwürfe des "Express" entschieden zurück."

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte auf Nachfrage von Journalisten in Düsseldorf, sie habe keinen anderen Sachstand als das Ministerium. Innenminister Ralf Jäger (SPD) habe den Sachverhalt "glaubhaft" dargestellt und die Vorhaltungen zurückgewiesen.

In der Silvesternacht war es zu hunderten sexuellen Angriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof gekommen, trotz Anwesenheit der Polizei. Die Täter sollen überwiegend Männer nordafrikanischer Herkunft gewesen sein.

Mit Material der DPA

Auch auf HuffPost:

Diese "Wikileaks" -Enthüllung könnte Merkels politisches Ende besiegeln