POLITIK
06/04/2016 06:51 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 06:57 CEST

Amnesty-Bericht: So viele Hinrichtungen wie seit einem Vierteljahrhundet nicht mehr

Gehängt, geköpft, erschossen – 2015 wurden laut Amnesty mindestens 1634 Menschen exekutiert.
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Gehängt, geköpft, erschossen – 2015 wurden laut Amnesty mindestens 1634 Menschen exekutiert.

  • Laut Amnesty International wurden 2015 über 50 Prozent mehr Menschen hingerichtet als im Jahr zuvor

  • Das ist die höchste Anzahl an Exekutionen seit 25 Jahren

  • Die meisten Hinrichtungen vollstreckten China, Iran, Pakistan und Saudi-Arabien

An diesem Mittwoch legt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ihren alljährlichen Todesstrafen-Bericht vor. Das 77 Seiten umfassende Dokument weist dramatische Zahlen auf: 2015 wurden mindestens 1634 Menschen von staatlicher Seite hingerichtet. 2014 waren es noch 1061 und damit über 50 Prozent weniger. Die meisten Hinrichtungen wurden in China, Iran, Pakistan und Saudi-Arabien dokumentiert.

In China sind Hinrichtungen Staatsgeheimnis

Für internationale Menschenrechtler ist das Jahr 2015 ein herber Rückschlag. Die Bemühungen zur Abschaffung der Todesstrafe werden von einer Zahl überschattet, die einen Negativrekord innerhalb der letzten 25 Jahren darstellt: Mindestens 1634 Hinrichtungen in insgesamt 25 Ländern.

Fast neun von zehn bestätigten Hinrichtungen gingen auf das Konto des Iran (mindestens 977), Pakistan (326) und Saudi-Arabien (mindestens 158), wie die Nachrichtenseite "Spiegel Online" berichtet.

Das Dokument von Amnesty liefert allerdings nur ein lückenhaftes Bild: Aus Ländern wie China und Syrien gibt es keine zuverlässigen Berichte. "Wir vermuten, dass China wieder mehr Hinrichtungen ausführen ließ als der gesamte Rest der Welt zusammen", sagt Amnesty-Experte Oliver Hendrich.

China behandelt Hinrichtungen als Staatsgeheimnis, weshalb es keine offiziellen und belastbaren Zahlen gibt. Experten gehen von bis zu 2400 Hinrichtungen allein in China aus, was die Gesamtzahl auf über 4000 erhöhen würde.

Auch Minderjährige wurden hingerichtet

Auch die Hinrichtung von mindestens neun Minderjährigen dokumentiert Amnesty – fünf davon in Pakistan, vier im Iran. Mehrere Länder – darunter die USA, Japan, Indonesien und Pakistan – richteten geistig behinderte Menschen hin oder verurteilten sie zum Tod.

Mindestens 1998 Menschen wurden 2015 zum Tod verurteilt, über 20.000 Personen saßen in Todeszellen. Im Bericht heißt es, dass viele Länder auf "tatsächliche oder vermeintliche Bedrohungen der staatlichen und öffentlichen Sicherheit" mit Hinrichtungen reagieren.

Dennoch lässt sich zumindest eine positive Entwicklung festhalten: Die Todesstrafe ist de facto inzwischen in 140 Ländern abgeschafft – mehr als je zuvor.

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