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06/04/2016 12:13 CEST

Ich bin über jeden Freund dankbar, der keine Kinder bekommt

Dad kissing uncomfortable boy
Image taken by Mayte Torres via Getty Images
Dad kissing uncomfortable boy

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Irgendwann ist es soweit. Spätestens wenn man die 30 erreicht hat, passiert es. Erst die eine, dann der andere. Am Anfang ist es noch aufregend. Irgendwann hat man sich daran gewöhnt.

Wie es ist, wenn Freunde Kinder bekommen.

Man freut sich, man bewundert Bäuche. Man fragt pflichtschuldig nach, wann der nächste Ultraschall ist. Aha.

Dann ist das Kind irgendwann da. Man hört sich Geburtsgeschichten an. Man bestaunt riesige, stillende Brüste. Man fragt sich: Warum haben die dem bloß so einen blöden Namen gegeben? Man seufzt. Man verabschiedet sich und weiß: Man tut es womöglich für die nächsten zehn Jahre.

Das große Wunder

Freunde, die Kinder bekommen, kann man abschreiben. Das ist leider so.

Wenn die Kinder noch Säuglinge sind, ist alles ein Wunder und zwar das größte Wunder der Welt. Freunde können selten verstehen, dass man nicht Nerv genug hat, das zehnte Weltwunder im Freundeskreis mit der immergleichen Faszination zu bestaunen.

Wenn die Kinder dann älter werden, sind sie zwar manchmal ganz charmant, aber meistens brüllen sie vor dem Einschlafen ewig rum oder fegen dein Smartphone vom Tisch. Ein gemütlicher Abend sieht anders aus.

Das tun, was wir als Freunde immer so gerne zusammen gemacht haben, fällt weg.

Mal spontan treffen, eine Flasche nach der anderen köpfen, unendliche Diskussionen führen, rumspinnen, Pläne schmieden, einfach mal ins Auto und ab in ein langes Wochenende. Alles vorbei.

Stattdessen: Terminkoordination. Nicht zu spät, nicht zu lang und, wenn die Kinder noch klein sind, IMMER bei den Freunden zu Hause. Alles andere wäre zu kompliziert, zu laut, zu stressig.

Kinder verändern das Leben total

Ständig sind die Freunde kaputt, müde, krank. Und wenn man selber mal müde und kaputt ist, zählt das nicht. Denn man hat ja keine Kinder. Die eigenen Probleme, ist ja klar, sind jetzt nicht mehr wichtig. Haben die Freunde früher noch ein offenes Ohr für viele Dinge gehabt, zählt jetzt vieles einfach nicht mehr. Gegenüber einem Kind ist halt vieles andere Kinderkram.

Ich mag Kinder. Ich wollte bislang nur nie eins, weil mir mein Leben, wie ich es führe, gerade wichtiger ist. Wie gesagt: Ich mag Kinder. Wirklich. Aber ich mag meine Freunde lieber. Und die sind mit Kindern leider nicht mehr zu gebrauchen.

Daher habe ich auch so eine Angst, jedes Mal wenn mir ein Freund sagt, er hätte mir etwas Wichtiges mitzuteilen. Habe Angst, dass er oder sie sagt: Wir kriegen ein Kind. Denn das wäre gleichbedeutend mit: Unsere Freundschaft ist vorbei.

Leute sollen Kinder kriegen, wenn sie möchten. Klar. Vielleicht kriege ich ja auch noch mal ein Kind und werde dann ähnlich unerträglich und alle meine Freunde mit Kindern werden mich an diesen Artikel erinnern, mit spöttischem Blick.

Aber jetzt, jetzt ist es eben anders.

Jetzt ist jeder Freund, der ein Kind bekommt, ein verlorener Freund.

Das klingt egoistisch. Und das ist es auch. Aber dazu habe ich auch ein gutes Recht. Und wenn ich sage, dass ich Angst davor habe, Freunde an ihre Kinder zu verlieren, dann sage ich das, weil ich meine Freunde so mag. Und weil ich euch einfach nicht verlieren will.

Auch wenn ihr das nicht nachvollziehen könnt, in eurem Glück, aber lasst mich darüber traurig sein. Denn ihr seid mir einfach wichtig.

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