POLITIK
06/04/2016 18:33 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 11:47 CEST

Warum es ein Glücksfall für Deutschland wäre, wenn Petry aus der AfD fliegt

Frauke Petry ist das freundliche Gesicht des Rechtspopulismus in Deutschland
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Frauke Petry ist das freundliche Gesicht des Rechtspopulismus in Deutschland

Frauke Petry ist das bekannteste Gesicht der AfD. Und sie ist das freundliche Gesicht einer Partei, in der so viele von Wut, Hass und rechtem Eifer verzerrt sind. Und weil es so freundlich ist, ist es umso gefährlicher. Denn die Vorstandssprecherin der AfD macht ihre Partei erst gesellschaftsfähig.

Es ist der Garant dafür, dass die AfD in den vergangenen Monaten in ganz Deutschland so erfolgreich war.

Aus Petrys Mund klingen rechte Parolen (“notfalls müssen Polizisten an der Grenze auch von Schusswaffen Gebrauch machen”) weniger widerlich - das macht sie umso gefährlicher. Die kläffenden Rechtsaußen Poggenburg, Höcke und Gauland sind für die Mehrheit der Deutschen, außer aus Protest, nicht wählbar. Petry ist wählbar.

Petry "entteufelt" die AfD - und macht sie umso gefährlicher

Experten verwundert das nicht. Die französische Politologin Nonna Mayer hat sich lange mit der Rolle von Frauen in rechtspopulistischen Parteien beschäftigt. Sie sagte gegenüber "N24": "Frauen an die Spitze der Partei zu stellen verändert ihr Bild, es wirkt wie ein Weichzeichner." Radikale Positionen erscheinen gleich viel weniger radikal und sprechen mehr Menschen an, sagt Mayer.

Das britische Magazin "The Economist" hat diesen Prozess als "Dédiabolisation" bezeichnet - als Entteufelung. Auch Petry lässt die AfD weniger teuflisch erscheinen. Sie verdeckt damit, wie gefährlich die Partei wirklich ist. Björn Höcke will die AfD bundesweit als 30-Prozent-Partei etablieren. Einzig: Er würde das nie schaffen, Petry vielleicht schon.

Nun, so war in den vergangenen Tagen immer wieder zu lesen, arbeiten viele in der AfD daran, Petry abzusägen. Über die Gründe spekulieren Journalisten derzeit noch.

Radikale Rechte sind nichts Neues in Deutschland

Aber eines ist jetzt schon sicher: Ein Sturz Petrys wäre ein Glücksfall für Deutschland.

Denn Höcke und Co. ziehen den rechten Rand und eine große Zahl Protestwähler an. Das ist gefährlich, ja. Aber es ist im Grunde nicht Neues. Denn genau das haben früher in unterschiedlichem Maß auch NPD, DVU und Republikaner getan.

Petry ist weitaus gefährlicher als die Rechtsaußen in der Partei.

Denn Petry macht sich auf dem Cover des radikalen “Compact”-Magazins (“Petry - die bessere Kanzlerin”) ebenso gut wie in der People-Zeitschrift “Bunte”, die über Petrys "dämonenhafte Schönheit" schreibt.

Brücke zwischen Rechten und Bürgerlichen

Die AfD-Vorstandssprecherin ist so etwas wie die Brücke zwischen zwei Deutschlands, die bisher nicht zusammenfanden: Auf der einen Seite der rechte Rand und auf der anderen Seite eine bürgerliche, sehr konservative Mitte, der die CDU keine Heimat mehr bietet. Für diese Mitte waren die rechten Hetzer mit ihren dumpfen Parolen bisher Schmuddelkinder, mit denen man nicht spielt.

Petry hat es geschafft, die Schmuddelkinder (Poggenburg, Höcke und Gauland) der bürgerlichen Mitte nahe zu bringen. So wie es auch Marine Le Pen mit ihrer Partei Front National in Frankreich geschafft hat.

Überhaupt lohnt ein kurzer Blick nach Frankreich, um zu verstehen, was Petry so gefährlich macht. Über vier Jahrzehnte führte mit Jean-Marie Le Pen ein Mann den Front National, der Holocaust-Leugner und gewalttätige Nationalsozialisten anzog. Er kam mit seiner Partei nie über 16 Prozent bei landesweiten Wahlen in Frankreich.

Mehr zum Thema:Was wir von Frankreich über Rechtspopulismus lernen können

Seine Tochter Marine Le Pen, die den Parteivorsitz 2011 von ihrem Vater übernahm, holte bei der letzten Wahl zum Europaparlament knapp 25 Prozent der Stimmen - der FN wurde erstmals die stärkste Partei in Frankreich.

Brücke zwischen Rechten und Bürgerlichen

Auch Marine Le Pen gibt dem Rechtspopulismus ein freundliches Gesicht. Auch sie ziert die Seiten des Magazins “Paris Match” - einer Art “Bunte”-Äquivalent in Frankreich - häufiger mit Hochglanzfotos.

Auch die erfolgreichen populistischen Parteien in Belgien, Norwegen, Polen und Dänemark haben Frauen an ihrer Spitze.

Vor diesem Hintergrund verwundert es, dass viele in der AfD derzeit offenbar alles daran setzen, Petry aus der Partei zu werfen. Es wäre das schlechteste, was der AfD passieren könnte - und es wäre ein Glücksfall für Deutschland. Denn damit würde der Rechtspopulismus sein freundliches Gesicht verlieren und würde als das erscheinen, was er in Wahrheit ist: Eine Gefahr für unser Land.

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