POLITIK
06/04/2016 02:57 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 05:40 CEST

Das ist der wahre Grund, warum viele Russlanddeutsche Flüchtlinge hassen

Darum könnten Russlanddeutsche bald mit der AfD in den Bundestag einziehen
dpa
Darum könnten Russlanddeutsche bald mit der AfD in den Bundestag einziehen

  • Russlanddeutsche radikalisieren sich in der Flüchtlingskrise

  • Die AfD ködert sie mit rechtspopulistischen Parolen gegen Merkel

  • Der wahre Grund für ihren Protest ist nicht sichtbar - und viel erschreckender

Andreas Maurer ist Russlanddeutscher. 1988 kam er nach Deutschland. Wenn er heute an seine Landsleute denkt, die seit Anfang des Jahres mit Parolen von Pegida oder der AfD auf die Straße gehen, kommen dunkle Erinnerungen in ihm hoch.

Oft ist es der Neid, der sie auf die Straße treibt. Denn "Willkommenskultur" - so etwas gab es für Russlanddeutsche in den 90-er Jahren tatsächlich nicht, erklärt Maurer im Interview mit dem "Deutschlandfunk".

Die Neiddebatte ist nur Symptom eines größeren Problems

Doch das Neidgefühl sei nur Symptom eines größeren Problems: Schon immer fristeten Russlanddeutsche ein Schattendasein, das Mauerer heute, über zwanzig Jahre später, als Politiker der Linkspartei im Osnabrücker Kreistag zu bekämpfen versucht.

"Auch unsere Jugend hat Probleme gemacht und da ist keiner auf die Straße gegangen und hat gegen uns demonstriert. Und deswegen, diese Demonstrationen sind nicht in Ordnung. Grundsätzlich, man darf nicht gegen die Menschen demonstrieren, die in Not sind. Das ist meine feste Überzeugung", beurteilt der Kommunalpolitiker die Asylproteste vieler Organisationen und Verbände seiner Landsleute.

In der CDU fand der Russlanddeutsche kein Gehör

Maurer wollte sich schon als CDU-Politiker für die Interessen von vier Millionen Russlanddeutschen stark machen, die vorwiegenden in den 80er- und 90-er Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Bei den Christdemokraten biss er damit auf Granit.

Selbst gute Wahlergebnisse verhalfen ihm nicht zu einem besseren Listenplatz: "Ich habe persönlich sehr gute Ergebnisse gehabt", erzählt der Maurer, "aber wir wurden praktisch still gehalten." Nach 14 Jahren gab er das Parteibuch schließlich ab.

Schattendasein setzt sich in der Politik fort

Maurers Werdegang steht für ein Problem, das gerade zahlreiche Russlanddeutsche in die Hände radikaler Bewegungen treibt.

In politischen Gremien etablierter Parteien sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion auch heute noch kaum vertreten. Wie der russlanddeutsche Historiker Viktor Krieger im "Deutschlandfunk" erklärt, liegt das Problem in der Vergangenheit vieler Russlanddeutschen.

Einerseits würden sie dem politischen System in Deutschland nicht trauen, schließlich konnte politische Engagement in ihrer alten Heimat lebensgefährlich sein.

Auf der anderen Seite, so erklärt es Krieger, verschließen sich die etablierten Parteien vor ihren Anliegen: "Im Gegenzug zu anderen Gruppe, die vielleicht von Grünen, der SPD gezielt politisch geschult und dann in verschiedene Posten als Bundestags- oder Landtagsabgeordneter gesetzt wurden, damit sie ihre Interessen vertreten, sehen wir das bei den Russlanddeutschen überhaupt nicht. Niemand kümmert sich um sie, kaum jemand denkt: 'Stellen wir einen Menschen ein, damit er aktiv über Belange seiner Landsleute Bescheid sagt.'"

Maurer sagt: "Das vermisse ich von der etablierten Politik. Und dann sehen wir, das dieses brachliegende Feld wird von anderen Kräften gefüllt."

Russlanddeutsche radikalisieren sich auf der Straße

Mit Parolen gegen "das Asylchaos" hat die AfD auch deutsche Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Russen, die deutsche Staatsbürger geworden sind, geködert.

Bereits eine im Jahr 2013 veröffentlichten Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge machte deutlich, dass in dieser Bevölkerungsgruppe Vorbehalte gegen Migranten überdurchschnittlich hoch ausgeprägt waren: "Auffällig ist das vergleichsweise hohe gegenseitige Misstrauen von (Spät-)Aussiedlern und Personen türkischer Herkunft".

Für Aufsehen sorgte die Demonstration des "Internationalen Konvent der Russlanddeutschen" Anfang Januar in Berlin: Rund 700 Menschen haben vor dem Kanzleramt gegen die angebliche Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch Flüchtlinge demonstriert - die sich als Falschmeldung herausstellte.

Pläne für Einzug in den Bundestag mit der AfD

Nach Recherchen des "Deutschlandfunk" deutet ein Schreiben des Vereinsvorstand Heinrich Groth auf Pläne hin, wie Russlanddeutsche mithilfe der rechtspopulistischen AfD den Einzug in den Bundestag und das Europaparlament schaffen sollen.

Im Vorfeld sei der Chef des "Internationalen Konvent der Russlanddeutschen" bei der NPD und anderen rechtsextremen Organisationen aktiv gewesen.

Denn bei den Rechten werden sie mit offenen Armen empfangen.

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