POLITIK
05/04/2016 13:01 CEST | Aktualisiert 05/04/2016 13:09 CEST

Darum ist das Briefkastenkartell "Made in Germany": Die wichtigsten Entwicklungen der "Panama Papers" im Überblick

Darum ist das Briefkastenkartell "Made in Germany": Die wichtigsten Entwicklungen der "Panama Papers" im Überblick
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Darum ist das Briefkastenkartell "Made in Germany": Die wichtigsten Entwicklungen der "Panama Papers" im Überblick

  • Nach den Enthüllungen rund um die Panama Papers ist ein Streit über Briefkastenfirmen entbrannt

  • Das Briefkastennetzwerk aus Panama ist "Made in Germany"

  • Die Huffington Post zeigt die wichtigsten Entwicklungen am Tag 3 nach der Veröffentlichung der Panama Papers im Überblick

Zwei Tage nach Bekanntwerden der Panama Papers haben die Enthüllungen rund um die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca erste Konsequenzen.

Die "Süddeutsche" hatte in Zusammenarbeit mit Medien aus 80 Staaten ein Geflecht aus hundertausenden Briefkastenfirmen offen gelegt. Hunderte Politiker, Prominente und Superreiche sollen über ein geheimes Netzwerk Milliardensummen vor den Steuerbehörden vorbei geschleust haben.

Namen von Putins engen Vertrauten, von Scheichs, Fifa-Funktionären und Fußballstars wurden genannt. Auch mehrere Tausend Deutsche tauchten in den Unterlagen auf, die mit Hilfe von deutschen Banken die Steuertricks der panamaischen Kanzlei ausgenutzt haben sollen.

Beinahe im Stundentakt kommen neue Informationen aus dem Datenleck an die Öffentlichkeit, das mit im Umfang von 2,6 Terabyte das größte bisher bekannte Leak darstellt. Die Huffington Post hat die wichtigsten Entwicklungen am Tag 3 nach Bekanntwerden der Panama Papers zusammengefasst.

“Bundesverdienstkreuzträger, Bordellkönige, Spitzenmanager" - Diese Deutschen nutzten das Briefkastennetzwerk

Gestern Abend gab der Rechercheverbund um die "Süddeutsche"-Zeitung Namen deutscher Beteiligter bekannt, die in das mutmaßlich betrügerische Briefkasten-Netzwerk verwickelt sind.

Demnach taucht der Name von Formel-1-Fahrer Nico Rosberg in den Panama Papers auf, auch Hannovers Ex-Trainer Tayfun Korkut soll mit Hilfe der Kanzlei Mossack Fonseca Millionenbeträge an Steuerbehörden vorbeigeschleust haben.

Pikant sind auch die Verstrickungen des Ex-Bayern-LB-Bankers Gerhard Gribowsky, der über eine Briefkastenfirma namens "Valper Holdings" die Millionensummen von Formel-1-Boss Bernie Eccleston abwickelte, die ihn am Ende wegen Korruption und Steuerhinterziehung ins Gefängnis bringen sollten.

Neben dem argentinischen Nationalspieler Gabriel Heinze sorgte auch der Name des Millionenbetrügers Helmut Kiener für Wirbel, der in den Panama Papers auftauchte.

Denn seine Person verdeutlicht, wie viel kriminelle Energien sich hinter dem Geflecht rund um die Kanzlei Mossack Fonseca verbirgt: Kiener hatte rund 5.000 Anleger mit einem Betrugssystem um ihre Ersparnisse gebracht und wurde dafür 2011 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Briefkastenkartell ist "Made in Germany"

Seine Name prangt sogar auf dem Kanzleischild: Neben Ramón Fonseca ist der aus Fürth stammende Anwalt Jürgen Mossack eine der Schlüsselfiguren in der gesamten Panama Papers-Affäre. Wie nun bekannt wurde, wanderte Mossack, 1948 in Deutschland geboren, in den 70er Jahren nach Panama aus, machte als Jurist Karriere und gründete schließlich mit Ramón Fonseca eine eigene Kanzlei.

Nach Recherchen des Journalisten-Konsortiums ICIJ ist Mossack der Sohn eines hochrangigen Nationalsozialisten; sein Vater soll Mitglied der Waffen-SS gewesen sein. Er bot sich später der CIA als Spion an, wie das ICIJ unter Berufung auf Geheimdienstunterlagen berichtet.

Deutsche Banken mischten kräftig mit

Den Unterlagen des Rechercheverbunds zufolge haben mindestens 14 deutsche Banken bei Mossfon (Mossack-Fonseca) mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder für ihre Kunden verwaltet. Allein die Deutsche Bank soll bis 2007 mehr als 400 Offshore-Firmen aufgebaut haben. Fünfzig davon sind den Recherchen zufolge noch aktiv.

Auch die Commerzbank, die Hypovereinsbank, die frühere Landesbank Rheinland-Pfalz und die Bayern LB haben mitgemacht. Sechs der sieben größten deutschen Banken haben für ihre Kunden Offshore-Firmen verwaltet oder tun dies noch.

"Hexenjagd": Mossfon weist Verstrickungen in illegale Geschäfte von sich

Die Kanzlei Mossack Fonseca, deren Briefkastenfirmen im Mittelpunkt der "Panama Papers" stehen, bestreitet eine Verwicklung in illegale Geschäfte. "Wir haben keine Angst - wir haben nichts Schlechtes getan", sagte Mitgründer Rámon Fonseca Mora der "Financial Times" am Dienstag und sprach von einer "Hexenjagd".

Er rechne nicht damit, dass die Veröffentlichungen auch nur ein rechtliches Verfahren auslösen würden. Fonseca räumte zwar ein, dass sein Unternehmen "statistisch gesehen" auch problematische Offshorefirmen verwaltet habe. Mossack Fonseca breche aber die Geschäftsbeziehungen bei Anzeichen eines Fehlverhaltens ab.

"Ich garantiere, dass es mehr schmutziges Geld in New York und London und Miami als in Panama gibt."

Deutsche Politik fordert Konsequenzen

Auf die Enthüllungen über Geschäfte mit Briefkastenfirmen in Steueroasen will Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) mit einem "Transparenzregister" reagieren. "Die Heimlichtuerei muss ein Ende haben", sagte Maas der "Süddeutschen Zeitung" am Dienstag.

Der Minister sieht darin ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung. Um Briefkastenfirmen aus der Anonymität zu holen, will Maas das deutsche Geldwäschegesetz ergänzen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Bundesregierung vor, Reformen im Finanzsektor zu blockieren. "Wenn Finanzdienstleister mit Unternehmen Geschäfte machen, deren wirtschaftlich Berechtigte nicht bekannt sind, müssen sie empfindliche Strafen fürchten - doch bislang droht ihnen von Seiten der Bundesregierung kein Ungemach", sagte Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Nach Ansicht der Deutschen Steuergewerkschaft handelt es sich bei Briefkastenfirmen fast immer um Betrug. "Es gibt aus meiner Sicht keinen vernünftigen wirtschaftlichen Grund, mit einer Briefkastenfirma in eine Steueroase zu gehen, es sei denn, man möchte insbesondere den Fiskus täuschen und Steuern hinterziehen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Thomas Eigenthaler am Dienstag dem Fernsehsender n-tv.

Behörden haben Ermittlungen aufgenommen

Die Finanzaufsicht Bafin will nach Informationen aus Frankfurter Branchenkreisen die Geschäfte deutscher Banken mit Offshorefirmen jetzt genauer untersuchen, bei einigen Instituten hätten die Aufseher schon nachgefragt. Die Staatsanwaltschaft München I kündigte an, die Verwicklungen der Bayerischen Landesbank (BayernLB) in die Geschäfte zu prüfen.

Es gehe darum herauszufinden, ob verfolgbare Straftaten vorlägen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Dienstag. Erst wenn dem so sein sollte, würden Ermittlungen eingeleitet.

Massenproteste gegen Islands Regierungschef

Nach Enthüllungen über Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen in Panama hat die Opposition in Island den Rücktritt von Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson gefordert. Die frühere isländische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir erklärte, Gunnlaugsson sei es seinem Volk schuldig, sofort zurückzutreten.

Eine Online-Petition für den Abgang des Regierungschefs in dem Land mit 320.000 Einwohnern sammelte über 22.000 Unterschriften.

In der isländischen Hauptstadt Reykjavik kam es noch am Montagabend zu Massenprotesten. Menschen zogen vor das Parlament und forderten die Abdankung des Premierministers. Die Polizei sprach von 8000 Demonstranten, die Nachrichtenseite "Iceland Monitor“ dagegen von 23.000 Teilnehmern.

Mit Material der dpa

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