POLITIK
05/04/2016 02:44 CEST | Aktualisiert 05/04/2016 03:30 CEST

Islands Premier könnten die Panama Papers das Amt kosten

Stringer . / Reuters
Nach den Panama Leaks: Rollen in Island die ersten Köpfe?

  • In der isländischen Hauptstadt Reykjavik ist es zu Massendemonstrationen gekommen

  • Die Bürger fordern die Abdankung von Premierminister Gunnlaugsson

  • Diesen belasten die Panama Papers

Nach den Enthüllungen im Zuge der Panama Leaks könnten schon bald die ersten Köpfe rollen.

In Island erhöht sich der Druck auf Regierungschef Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, den die öffentlich gewordenen Dokumente belasten, vor neun Jahren zusammen mit seiner Partnerin Millionenbeiträge in eine Briefkastenfirma investiert zu haben.

In der isländischen Hauptstadt Reykjavik kam es noch am Montagabend zu Massenprotesten. Menschen zogen vor das Parlament und forderten die Abdankung des Premierministers. Die Polizei sprach von 8000 Demonstranten, die Nachrichtenseite "Iceland Monitor“ dagegen von 23.000 Teilnehmern.

Die Enthüllungen in Island haben eine besondere Brisanz, denn der Inselstaat hat eine Korruptions-Vorgeschichte. Im Oktober 2008 wurde Reykjavik über Nacht zum Epizentrum der Finanzkrise, die drei größten Banken des Landes waren in einen umfassenden Manipulationsskandale verwickelt. Die Wirtschaft des Landes brach ein.

Gunnlaugsson bestreitet Vorwürfe

Nun steht Island wieder wegen Betrugsvorwürfen gegen die Mächtigen in den Schlagzeilen – die Bürger sind aufgebracht. Neben Gunnlaugsson findet sich auch der Name Bjarni Benediktsson in den Panama Papers.

Benediktsson ist Finanzminister, somit de facto der zweite Mann in der Regierung. Dazu: Olöf Nordal, Innenministerin.

Die Opposition hat im Parlament bereits ein Misstraumsvotum gegen den Premier beantragt. Dieser bestritt bisher den Versuch, Steuern zu hinterziehen und führt die Briefkastenfirma auf seine Absicht zurück, sein Vermögen im Wahlkampf nicht zum Thema werden zu lassen.

Eine Erklärung, die den Isländern nicht genügt. Geht man von 23.000 Demonstranten aus, sind das gut 7 Prozent der Landesbevölkerung. Zum Vergleich: An der größten Demonstration in Deutschland seit dem Mauerfall waren gut 0,3 Prozent der Deutschen beteiligt.

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