POLITIK
05/04/2016 11:19 CEST | Aktualisiert 05/04/2016 12:26 CEST

"Neo-Islamistisch": Schweiz diskutiert, ob Muslime den Handschlag verweigern dürfen

  • Pressesprecherin des Islamischen Zentralrats Schweiz verweigert fremden Männern den Handschlag

  • Andere islamische Vereine kritisieren diese Haltung

  • Auch die Schweizer Justizministerin meldet sich zu Wort

  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Die Schweiz führt eine heftige Debatte: Janina Rashidi, 26, Presseprecherin des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS), verweigert fremden Männern den Handschlag.

Zwei muslimische Schüler im Kanton Baselland tun es ihr gleich und geben ihrer Lehrerin zur Verabschiedung nicht mehr die Hand. Was für viele als respektlos gilt, sehen sie als Zeichen des Respekts.

Auch in Deutschland flammte das Thema vor wenigen Monaten auf - damals berichtete CDU-Vize Julia Klöckner von einem Imam, der ihr den Handschlag verweigerte. Daraufhin forderte sie eine Integrationspflicht für Muslime.

Empörung über verweigerten Handschlag

Das Thema ist ein Politikum - auch in der Schweiz. Vor allem Pressesprecherin Rashidi hat durch ihre Haltung eine Welle der Empörung in dem Land ausgelöst. Dabei empören sich ausgerechnet andere islamischer Vereine und Verbände am lautesten. Die Präsidentin des Forums für einen Fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli, kritisierte das Verbot des Händedrucks als "neo-islamistisch".

Auch viele islamische Gelehrte sehen den Händedruck als "theologisch erlaubt", wie die "SZ" berichtet". Die Islamische Dachorganisation FIDS veröffentlichte am Sonntag eine Klarstellung. "Die Hand einer anderen Person nicht zu schütteln wird in der Schweiz als Respektlosigkeit, Unhöflichkeit oder sogar als Aggression empfunden", sagt darin Montassard Benmrad, Präsident der FIDS.

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Kritik auch von Schweizer Justiz

Am Montag schaltete sich nun auch die Schweizer Justizministerin in die Debatte ein: Für sie gehöre der Handschlag zur Schweizer Kultur, ihn zu verweigern gehe nicht.

Der IZRS, der den durch seine Pressesprecherin Rashidi die Debatte ins Rollen brachte, veröffentlichte am Montag ebenfalls eine seitenlange theologische Erklärung, die zwischen fremden geschlechtsreifen Männern und Frauen, Verwandten, Kindern, älteren Männern, bei denen "die Triebe" nachgelassen hätten, hübschen und weniger hübschen Mädchen differenzierte. Darin wehrt sich der IZRS auch gegen die Kritik, dass die Verweigerung des Händedrucks eine "neue Form eines Neoislams, Wahhabismus oder Salafismus" sei. Die Erklärung wird für weiteren Gesprächsstoff sorgen.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich bislang nicht zu der Debatte geäußert.

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