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05/04/2016 12:08 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 06:20 CEST

Homöopathie: Zwischen ganzheitlicher Medizin und Quacksalberei

Homöopathie: zwischen ganzheitlicher Medizin und Quacksalberei
dpa
Homöopathie: zwischen ganzheitlicher Medizin und Quacksalberei

  • Homöopathie gilt als sanfte Heilmethode ohne Nebenwirkungen.

  • Teilweise werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

  • Homöopathie funktioniert nach dem Ähnlichkeitsprinzip.

Homöopathie ist auf dem Vormarsch. Rund die Hälfte aller Bundesbürger setzt auf die Heilkräfte von Globuli und Co. Doch einen Beweis für deren Wirksamkeit gibt es nicht.

Das Prinzip des "ähnlichen Leidens"

Am Anfang steht der Selbstversuch. Der Mediziner Samuel Hahnemann (1755-1843) steht der Heilkunst seiner Kollegen Ende des 18. Jahrhunderts kritisch gegenüber. Kein Wunder: Aderlässe und Brechkuren sind probate Heilmethoden, die Medikamente enthalten Arsen, Blei oder Quecksilber.

Hahnemann praktiziert nicht nur, er forscht, publiziert und übersetzt. So auch die Arzneimittellehre des Schotten William Cullen.

Der ist zu der Erkenntnis gekommen, dass Chinarinde wegen ihrer magenstärkenden Eigenschaften bei Malaria helfe. Hahnemann zweifelt an der Aussage und startet den Selbstversuch.

Das Ergebnis ist verblüffend: Hahnemann zeigt Symptome, die denen einer Malaria sehr ähneln. Löst ein Medikament beim Gesunden dieselben Symptome aus wie die Krankheit? Und gilt umgekehrt, dass dann dieses Medikament die Krankheit heilen kann?

Der Gedanke lässt Hahnemann nicht mehr los. 1796 veröffentlicht er im "Journal der practischen Arzneykunde" unter dem Titel "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen" erstmals eine Zusammenfassung seiner Beobachtungen. Der Leitsatz der Homöopathie ist geboren.

Noch deutlicher formuliert Hahnemann die Ähnlichkeitsregel in seinem Hauptwerk "Organon".

Arznei aktiviert Selbstheilungskräfte

Das Ähnlichkeitsprinzip hat bis heute in der Homöopathie seine Gültigkeit. Das Medikament, das beim Gesunden Symptome einer bestimmten Krankheit hervorruft, ist geeignet, diese Krankheit zu heilen.

Die Arznei setzt im kranken Körper den Impuls, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Medikamente werden dabei potenziert, das heißt verdünnt, verrieben oder verschüttelt.

Homöopathie: Anamnese ist wichtig

Homöopathie boomt, gerade in den letzten Jahren. Die Menschen stehen der Schulmedizin heute kritischer gegenüber, wünschen sich eine neue Sichtweise auf ihre Krankheit. Homöopathie heilt nicht ein einzelnes Symptom, sondern betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit.

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Die gründliche Anamnese, bei der es gilt, das richtige Heilmittel zu finden, ist ein zentraler Aspekt homöopathischer Behandlung. Viele Menschen fühlen sich dabei besser wahrgenommen und aufgehoben als im oft hektischen Berufsalltag der Mediziner.

Außerdem gilt die Homöopathie als sanfte Heilmethode ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Homöopathie-Boom: Alternative Heilmethode ist Wachstumsmarkt

Homöopathie ist ein Wachstumsmarkt: Rund 7.000 Ärzte haben mittlerweile eine homöopathische Zusatzausbildung absolviert. Auch Heilpraktiker dürfen nach einer solchen Zusatzqualifikation homöopathische Behandlungen durchführen.

Einige Krankenkassen beteiligen sich mittlerweile an den Kosten für eine homöopathische Behandlung.

Homöopathie in der Kritik

Wissenschaftler und Mediziner sehen dagegen Homöopathie kritisch. Denn: Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie gibt es nicht. Angebliche Heilerfolge der Homöopathie führen Ärzte und Pharmazeuten auf den Placebo-Effekt zurück.

Und wer hat Recht? Den Patienten bleiben nur Information und eine kritische Bewertung der Fakten.

Der Blog "Beweisaufnahme Homöopathie" hat sich zur Aufgabe gemacht, die Diskussion um die Wirksamkeit der Homöopathie zu versachlichen und zur Information der Patienten beizutragen.

Auch die Ärztin und Autorin Natalie Grams, einst Inhaberin einer homöopathischen Arztpraxis, vertieft die Erkenntnisse ihres Buchs "Homöopathie neu gedacht" in einem Blog. Homöopathie-Kritiker haben außerdem im Januar 2016 ein Netzwerk gegründet, das umfassend über Homöopathie informieren will.

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