POLITIK
06/04/2016 00:42 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 03:30 CEST

"2015 darf sich nicht wiederholen": Frankreichs Präsident richtet eine deutliche Warnung an Merkel

Der französische Präsident Francois Hollande Elysee Palast
Philippe Wojazer / Reuters
Der französische Präsident Francois Hollande Elysee Palast

  • François Hollande warnt vor einer Neuauflage der Flüchtingskrise des letzten Jahres

  • Von Deutschland erwartet er mehr Einsatz im Kampf gegen den IS

Frankreichs Staatspräsident François Hollande will im laufenden Jahr eine andere Flüchtlingspolitik der Europäer sehen als noch 2015 und warnt vor nationalen Alleingängen.

"2016 darf sich nicht wiederholen, was 2015 geschehen ist", sagte Hollande in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung.

"Zustrom hatte bereits vor Deutschlands Öffnung begonnen"

"Die Antwort kann nur europäisch sein. Alles andere würde das Ende von Schengen und die Rückkehr zu nationalen Grenzen bedeuten - ein historischer Rückschritt."

Rückblickend habe die EU zwar zu spät gehandelt, letztlich aber "eine globale und einstimmige Antwort" gefunden.

Zugleich trat Hollande Kritikern entgegen, aus deren Sicht die offenen deutschen Grenzen massiv Flüchtlinge angezogen haben: "Dieser Zustrom hat bereits im Frühjahr 2015 begonnen, also lange vor der von Deutschland erklärten Öffnung."

Als eigentliche Ursachen für den Flüchtlingszustrom führte er den Bürgerkrieg in Syrien, die Bombenangriffe des Regimes und Gräueltaten der Terrormiliz IS an.

In der Flüchtlingskrise hätten er und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die gleiche Position vertreten, die letztlich ein Abkommen mit der Türkei ermöglichte, fuhr der Sozialist fort.

Mit Merkel habe er außerdem schon die Finanzkrise gemeistert, die Banken-Union beschlossen und am Verbleib Griechenlands in der Eurozone gearbeitet.

"Diese Krisen haben uns näher gebracht"

"Diese Krisen haben uns auf persönlicher Ebene näher gebracht, selbst wenn wir nicht die gleichen politischen Ansichten teilen."

Die Bundesregierung rief Hollande dazu auf, ihr Verteidigungsbudget zu erhöhen und sich stärker an Auslandseinsätzen zu beteiligen: "Um uns vom Terrorismus zu befreien, sollten wir uns nicht auf eine andere Macht verlassen - selbst wenn sie zu unseren Freunden zählt."

Zugleich müsse Europa seinen Kampf gegen den Terrorismus besser organisieren und Informationen über sogenannte Gefährder zentral erfassen.

Außerdem forderte Hollande systematische Kontrollen an den Außengrenzen der EU sowie den Austausch von Fluggastdaten.

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