POLITIK
05/04/2016 14:36 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 12:07 CEST

Grünen-Politiker will neue Benzinautos in Deutschland verbieten - andere Länder sind sogar schon weiter

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  • Grünen-Politiker will Neuwagen mit Benzin- und Dieselmotor ab 2025 verbieten

  • Norwegen diskutiert diesen Schritt schon länger und zeigt, wie es gehen könnte

  • Auch die Niederlande und Indien wollen umweltfreundliche Mobilität radikal fördern

Es ist ein radikaler Vorschlag, der für Diskussionen sorgen wird. Der Grünen-Bundestagspolitiker und wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag Dieter Janecek spricht sich für ein Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen ab 2025 aus.

Der Huffington Post sagte er: "Die Bundesregierung muss den Mut haben, nach der Energie- auch eine Mobilitätswende durchzusetzen. Um eine Innovationsdynamik in Gang zu setzen und dem Mobilitätsmarkt eine klare Richtung zu geben, sollte Deutschland sich ab dem Jahr 2025 bei der Neuwagenzulassung vom Verbrennungsmotor verabschieden."

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Der Vorschlag klingt auf den ersten Blick durchaus absurd. Keine Verbrennungsmotoren mehr in der Autofahrer-Nation Deutschland? Völlig undenkbar, könnte man einwenden.

Norwegen fördert die Stromer seit Jahren

Andere Länder sind da indes schon weiter. Norwegen zum Beispiel will ein entsprechendes Verbot schon bald umsetzen.

Der revolutionäre Plan der Skandinavier: Benzin- und Dieselautos sollen nicht mehr verkauft werden, vom Händlerhof rollen ab 2025 nur noch Fahrzeuge mit großen Akkupacks oder Brennstoffzellen-Technologie.

Zudem muss jeder zweite neu zugelassene Lastwagen und drei Viertel aller Fernbusse einen umweltfreundlichen Antrieb haben, so der Plan der Skandinavier.

Kleine Einschränkung: Norwegen will Verbrennungsmotoren nicht verbieten. Die Fahrzeuge sollen aber durch neue Steuern so teuer werden, dass sich die Kunden eher für neue Antriebstechniken interessieren - Elektromotoren zum Beispiel.

Fast alle Parteien in den Niederlanden für Verbot von Benzinfahrzeugen

Anfang 2017 soll das norwegische Parlament über ein solches Gesetz entscheiden - und die Chancen für eine Zustimmung stehen laut Experten jetzt schon gut, weil Elektroautos dort jetzt schon viel verbreiteter sind als in Deutschland.

Passend zum Thema: So will Norwegen das Zeitalter der Elektromobilität einläuten

Einen ähnlichen Weg wollen auch die Niederlande einschlagen. Dort hat die Arbeiterpartei im Unterhaus einen Vorschlag eingebracht, wonach ab 2025 alle Autos einen umweltfreundlichen Antrieb haben müssen.

Dem Vorschlag stimmten bis auf die rechtsliberale VVD alle Parteien zu. Nun muss das niederländische Kabinett einen detaillierten Plan ausarbeiten.

Hätte ein solcher Plan auch in Deutschland Chancen?

Deutsche sind Elektromuffel

Fakt ist: Nur 0,6 Prozent der Fahrzeuge hierzulande wurden zu Beginn des vergangenen Jahres von einer Batterie angetrieben. Anders gesagt: In Deutschland muss man einen Parkplatz mit 167 Autos suchen, um darauf ein einziges Elektroauto zu entdecken - statistisch gesehen.

Viele Deutsche sind auch von Reichweitenangst geplagt. Das heißt, dass sie fürchten nicht genug Aufladestationen für ihre Autos zu finden.

Um dem entgegenzuwirken will Janecek bis 2025 mehrere Hunderttausend Ladesäulen in Deutschland aufbauen. Finanziert werden soll dieser Aufbau mit einer neuen Treibstoffsteuer. Sie soll zwei Prozent des Kraftstoffpreises betragen und bis 2025 jedes Jahr um zwei Prozent steigen.

Aber ob das genügt, ist durchaus fraglich. Norwegen etwa fördert die E-Mobilität schon länger großzügig. Steuerboni für Stromauto-Käufer (die bis zu 9000 Euro beim Autokauf sparen können) und Sanktionen für Halter von konventionellen Fahrzeugen haben die Verbreitung der Stromer in den vergangenen Jahren enorm angekurbelt.

Klimaschutz ist unumgänglich

Hinzu kommt, dass Norweger an Stromtankstellen kostenlos laden können, zudem sind viele Parkplätze für E-Autos reserviert und Autobahngebühren fallen für Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor komplett.

So gute Startvoraussetzungen hat Deutschland nicht. Andererseits werden auch wir in den nächsten Jahren auf umweltfreundliche Mobilität setzen müssen. Denn immer strengere Vorgaben zum Klimaschutz sind mit herkömmlichen Benzin- und Dieselautos nicht zu schaffen. Der einzige Ausweg sind Elektro- und Wasserstoffautos.

Und noch ein anderes Argument spricht dafür, dass Deutschland mehr Anstrengungen unternimmt, die Stromer zu fördern: der Fortschritt.

Denn immer mehr Länder setzen auf die umweltfreundliche Elektromobilität. Will die deutsche Autoindustrie künftig noch Autos verkaufen, muss sie auch Stromer anbieten - je mehr Nachfrage im Inland besteht, desto mehr sind die deutschen Autobauer auch gezwungen Stromer zu produzieren.

Autoindustrie muss reagieren

Dass diese Nachfrage besonders im Luxussegment besteht, zeigt eine Grafik aus den USA:

stromerstatistik

(Quelle Medium)

Hier führt Tesla mit seinem Modell S die Verkäufe an - jedenfalls auf dem umkämpften US-Markt.

Auch Janecek bringt das Argument, dass eine Verkehrswende auch der deutschen Autoindustrie nützen würde: "Nur so bleiben wir bei der Entwicklung der Mobilität der Zukunft Weltmarktführer und sichern langfristig Arbeitsplätze", sagt er. In Deutschland hängt beinahe jeder siebte Arbeitsplatz von der Autoindustrie ab.

Der deutschen Industrie werden in naher Zukunft relevante Absatzmärkte für den Verbrennungsmotor wegbrechen, glaubt Janecek. So sei China drauf und dran, durch Gesetze und Verordnungen sowie mittels einer gezielten Industriepolitik, den Absatz von E-Autos in den deutlich sechsstelligen Bereich pro Jahr voranzutreiben.

"Freude am Fahren" ist das beste Argument

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in Asien die Champions der Mobilität von Morgen entstehen.

Das alles sind Argumente, die Käufer nicht unbedingt interessieren. Sie könnte etwas anderes überzeugen: Der Fahrspaß. Wer einmal in einem Elektroauto an der Ampel raketenartig beschleunigt und Benziner hinter sich gelassen hat, der weiß, wie viel Freude die E-Mobilität macht.

Am Ende kann es nur die "Freude am Fahren" sein, die Deutschen von der Elektromobilität überzeugen kann.

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