LIFE
05/04/2016 12:11 CEST | Aktualisiert 07/04/2016 07:08 CEST

An die Mutter mit dem unerzogenen Schreihals

An die Mutter mit dem unerzogenen Schreihals
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An die Mutter mit dem unerzogenen Schreihals

THE BLOG

An die Mutter mit dem unerzogenen Schreihals,

wie erträgst du das nur?

Während ich durch den Supermarkt laufe, höre ich dein Kind. Die. Ganze. Zeit. Es schreit so laut und hysterisch, dass ich kurz überlege, um die Ecke zu gucken. Nur um sicher zu gehen, dass es nicht gerade von einem wilden Tier gefressen wird.

Aber dann höre ich deine Stimme zwischen den Schreien deines Kindes. "Lass das liegen", sagst du immer wieder. "Nein! Leg es zurück." Ich glaube zumindest, dass das deine Worte waren. Ganz sicher bin ich nicht, denn dein Kind ist eindeutig lauter als du.

Während ich Kartoffeln und Salat in den Einkaufswagen lade, ist es kurz ruhig. Gut, denke ich. Silence is golden. Mein Puls beruhigt sich wieder.

Als ich gerade bei der Käsetheke angekommen bin, höre ich ein herzhaftes Kichern, gefolgt von empörter Schnappatmung. "Warum hast du Mami gehauen?" fragst du. Glockenhelles Kinderlachen. "Du sollst Mami nicht hauen", säuselst du.

Die Verzweiflung in deiner Stimme schwappt über die Regale zu mir herüber, während dein Kind sich amüsiert.

Oh Mann.

Unweigerlich muss ich überlegen, wie ich wohl reagieren würde, wenn das mein Kind wäre.

Und während mir bei dem Gedanken an drei-Stunden-Nächste, schlammbeschmierte Autositze und andere Mütter auf Spielplätzen ein kleines bisschen übel wird, muss ich mir eingestehen, dass ich dich nicht verurteilen darf.

Abgesehen davon, dass ich deine Familie nicht kenne, nicht weiß, was bei dir zu Hause los ist und keine Ahnung habe, was du vielleicht durchmachst, hilft es niemandem, dass wenn ich mir ein Urteil über dich bilde.

Du hast als Mutter den härtesten Job in dieser Gesellschaft. Du hast genug Hürden zu überwinden. Während andere sich über den absurden Immobilienmarkt aufregen, musst du dich auf dem hart umkämpften Kita-Markt durchsetzen.

Niemand bezahlt deine Überstunden. Niemand lobt deine Fähigkeiten im Tränentrocknen oder Gutenachtliedersingen. Niemand honoriert deinen Teamgeist, wenn du spätabends noch Muffins für die Kindergartengruppe backst.

Jede Mutter geht anders mit ihren Kindern um, hat andere Vorstellungen davon, was gutes Benehmen bedeutet und hat sich einen anderen Weg überlegt, ihr Kind auf das Leben vorzubereiten.

Das bereichert unsere Gesellschaft und sollte nicht verurteilt werden. Wir brauchen dich.

Denn auch wenn Fehler passieren, machst du die entscheidenden Dinge richtig. Du liebst dein Kind über alles und tust dein Möglichstes, damit es glücklich und gesund bleibt.

Du baust voller Begeisterung Türme aus Bauklötzen, nur um zuzusehen, wie die Einzelteile Sekunden später durchs ganze Zimmer fliegen. Du pustest Wimpern von kleinen speckigen Fingern. Du pulst geduldig Knetreste aus deinem Langflorteppich. Du erfindest spannende Abenteuer. Du deckst dein Kind jeden Abend zu und gibst ihm einen Kuss.

Du bist eine gute Mutter, denn es ist dir egal, was andere Mütter über dich denken. Dass Menschen im Supermarkt die Augen verdrehen. Dass hinter deinem Rücken getuschelt wird.

Und darauf kannst du stolz sein.

Während ich auf dem Weg zu Kasse einen großen Bogen um die Baby-Abteilung mache, wünsche ich dir im Stillen alles Gute.

Video: Bewegend: Dieses süße Baby hört nach sieben Wochen zum ersten Mal die Stimme seiner Mutter

Video:

Video: Nach diesem Video denkt ihr vielleicht anders über andere Mamas auf dem Spielplatz

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