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04/04/2016 14:23 CEST | Aktualisiert 22/08/2016 13:00 CEST

Keine Angst vor dem Zahnarzt: Warum Bohren oft überflüssig ist

Keine Angst, es gibt Alternativen zum Bohrer
Donald E. Carroll via Getty Images
Keine Angst, es gibt Alternativen zum Bohrer

  • Trendwende in der Zahnmedizin: Bei Karies muss nicht gebohrt werden

  • Je nach Stadium der Karies helfen verschiedene Behandlungen

  • Ein Forscher kritisiert: Viele Zahnärzte bieten die alternativen Behandlungen nicht an

Wer Karies loswerden will, muss den Bohrer ertragen – so lautete bisher die Konsequenz, wenn ein Zahn von den tückischen Bakterien befallenen war. Doch nun gibt es mehrere Lösungen, mit denen man keine Angst mehr vor dem Zahnarzt haben muss. Und das betrifft immerhin fast die Hälfte der Deutschen: 49 Prozent haben Angst vor dem Bohrer, 47 Prozent vor dem Wurzelheber oder Ziehen eines Zahnes, wie eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts in Berlin ergeben hat.

Lackieren gegen frühe Karies

Mehrere Methoden sind laut Forschung mindestens gleichwertig oder besser für die Zahngesundheit. In Australien etwa wurde sieben Jahre ein Fluorid-Lack getestet, der auf den betroffenen Zahn aufgetragen wird.

Bei früher Karies wurde das Karies-Risiko durch die hochkonzentrierte Lösung maßgeblich verringert. Im Vergleich zur der Gruppe, die ohne Fluorid-Lack behandelt wurde, war das Risiko um 30 bis 50 Prozent geringer. Der Lack konnte vor allem an gut zugänglichen Stellen leicht und erfolgreich eingesetzt werden.

Ein regelmäßiger Zahnarztbesuch ist allerdings Pflicht, um die Karies rechtzeitig zu erkennen. Habt ihr den Verdacht auf Karies, bleibt aber oft genügend Zeit für eine Behandlung ohne Bohrer, da die Karies sich langsam entwickelt.

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Kunststoffe bei schwerer Karies

Ist die Karies schon weiter vorgedrungen, sodass eine aussichtsreiche Behandlung durch Fluorid ausscheidet, muss dennoch der Bohrer nicht der letzte Ausweg sein.

Der Aachener Professor für Kariologie, Hendrik Meyer-Lückel, hat für geplagte Zahnarztbesucher einen Grund zum Aufatmen und Zubeißen entwickelt. Zusammen mit einem Forscherkollegen entwickelte Meyer-Lückel einen speziellen Kunststoff, der die betroffene Stellen schließt.

"Karies-Infiltration" nennt sich die Methode, mit der die Zahnstruktur erhalten bleibt und die vor allem für schwer zugängliche Stellen geeignet ist. Eine Behandlung kostet 60 bis 100 Euro. Einen Haken gibt es jedoch: Bei einem Loch oder einer Krone funktioniert die Kunststoff-Füllung nicht mehr.

Zahnärzte bohren zu oft

Von Zahnärzten werden die Alternativen zum Bohrer bisher selten angewendet. "Viele Zahnärzte sind über Generationen dazu ausgebildet worden, Karies in einem relativ frühen Stadium herauszubohren", sagt Kariologe Meyer-Lückel, und kritisiert, dass dadurch die Tür für eine alternative Behandlung verschlossen wird.

Meyer-Lückel hat seine Methode in einer eigenen Studie über 18 Monate untersucht. Patienten, die den Kunstoff eingesetzt bekamen, hatten ein Karies-Risiko von sieben Prozent – rund ein Drittel niedriger als Patienten ohne Infiltration. Auf ein ähnliches Ergebnis kam das unabhängige Cochrane-Netzwerk.

Zahnärzte sollten vorbeugen und ihre Patienten ansprechen, um einschätzen zu können, welches Stadium eine Karies erreicht hat. Gespräche werden im Vergleich zur direkten Behandlung allerdings schlecht honoriert.

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