BLOGS
05/04/2016 19:19 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 13:07 CEST

Presslufthammer vor der Haustür - Wie geht Sex mit Babybauch?

YouraPechkin via Getty Images
Expecting a new baby.

THE BLOG

Liebe Lisa,

als wir beschlossen haben, dieses Buch zu schreiben, habe ich versprochen, dich alles zu fragen, was mir auf der Seele brennt, auch wenn's peinlich wird - und dabei bleibe ich. Sprich: Lass uns über Sex reden!

Also, gleich zur Sache, Schätzchen: Mein Freund und ich kannten uns gerade mal ein Jahr, als ich schwanger wurde. Ich trage also genau in der Zeit mein Kind aus, in der die allermeisten Paare im Bett alle anfänglichen Schüchternheiten und Blümchen- Sex-Hemmungen abgelegt haben und es in den Kissen richtig krachen lassen.

Anders jetzt bei uns: Statt uns einen Berg von Sex-Toys und Kamasutra- oder Tantrabücher zu kaufen, habe ich für ein ganz spezielles Accessoire gesorgt, dass uns schlaflose Nächte (dank meiner Pinkel-Rekorde) garantiert: meinen Babybauch!

Womit wir schon bei den verschiedenen sexuellen Vorlieben sind, die ein Paar so entzweien können. Denn anstatt meinen Bauch wie eine Wunderkugel zu streicheln und irgendwas Sinnlich- Erotisches zu sagen wie: "Für mich bist du so schön und so weiblich wie noch nie", scheint mein Lover mit meinem neuen Körperumfang mehr und mehr zu fremdeln.

Mehr Lust auf Sex als je zuvor

Klar kriege ich da das Kotzen, wenn Angelina Jolie, die blöde Kuh, in irgendwelchen Illustrierten schwärmt, dass sie ausgerechnet auch noch mit Brad Pitt während ihrer Schwangerschaft den Sex ihres Lebens hatte. Kann ich mir sogar vorstellen, denn rein körperlich habe ich, seitdem ich schwanger bin, mehr Lust auf Sex als in meinem ganzen Leben zuvor.

Dumm nur, wenn dein Kerl sich verhält wie, laut Umfragen, zwei Drittel aller Männer und lieber abends stundenlang sein E-Mail-Fach aufräumt, als zu dir ins Bett zu kommen. Und das in einer Zeit, in der sich deine sexuelle Energie offenbar potenziert hat.

Kein Quatsch, ich wache nachts auf, weil ich schlafend im Traum einen ECHTEN Orgasmus hatte! Und wie ich in vielen Internet- Foren lese, geht es offenbar vielen Frauen wie mir. Jede fünfte Frau erlebt ihren ersten Orgasmus in der Schwangerschaft, lese ich bei GoFeminin. Wie krass ist das denn bitteschön?!? Und wie frustrierend zugleich.

Googelt man nämlich etwas weiter, da klagt zum Beispiel Nutzerin Icecream31, dass sie während ihrer Schwangerschaft höchstens fünf Mal Sex mit ihrem Mann hatte. Nulpe1974 hat dasselbe Problem.

Sie schreibt: Großartig Sex haben wir auch nicht mehr, da mein Mann auch so eine Mimose ist. Habe mich aber mal mit ihm ganz in Ruhe unterhalten und festgestellt, dass es für den Mann einfach nur nicht mehr schön ist. Er sagte, dass erstens der dicke Bauch stört, zweitens hat man Angst, an das Kind ranzukommen, und drittens meinte er, egal, in welcher Stellung wir es machen, sieht es für eine Frau immer total anstrengend aus (wegen der Luft) und nicht mehr spaßig.

Sex mit Babybauch - das geht!

Ooooh,wie frustrierend! Da fühlt man sich ja wie in die 50er- Jahre versetzt, als Beate Uhse mit kleinen Heftchen das Volk aufklärte. Heute müsste es dann heißen: "Liebe Männer, ihr könnt ganz normal Sex haben, auch wenn das Bienchen und das Blümchen sich getroffen haben und eure Partnerin einen ganz dicken Bauch hat. Das ist eine ganz natürliche Sache."

Gut, ein bisschen kann ich meinen Kerl auch verstehen. Es würde sich im Moment auch komisch anfühlen, sich in Dessous aufs Bett zuwerfen und auf versautes Miststück zu machen. Und danach, meinen Bauch in den Laken hin und her zu wälzen, ist mir auch nicht gerade.

Ich meine, wie war das denn bei dir? Mache ich irgendetwas falsch? Und viel wichtiger: Renkt sich das mit dem Sex nach der Schwangerschaft wieder ein? Jetzt sei mal ganz offen! Für mich und all die anderen frustrierten Frauen da draußen!


Liebe Caro,

zunächst einmal gratuliere ich dir, dass du es bis hierhin geschafft hast. Dein Kerl ist noch bei dir und anscheinend hat das im Bett zumindest in der Vergangenheit mal ganz gut funktioniert - immerhin bist du ja irgendwie von ihm schwanger geworden. Das sind doch gute Voraussetzungen für die Beziehung!

Was eure Basis angeht, weiß ich nicht, auf was eure Verbindung bislang beruhte, es soll ja Paare geben, die aus einer reinen Poppbekanntschaft heraus entstanden sind ... und wenn sie nun wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr im Pelz mit nichts drunter vor seiner Haustür den Mantel lüften kann, um schließlich über ihn herzufallen, stattdessen nur noch die Hände schützend vor ihren Bauch hält und von Lust und Sex nichts mehr hören will: Dann ist das schon eine enorme Umstellung für ihn. Das muss er erstmal verkraften!

Aber verlassen wir mal die Klischees des schwangeren Never-again- Sex-Walfischs. Ich habe auch von Frauen gehört, die in der Schwangerschaft permanent von wilden Orgien träumten, die mehr Lust hatten als je zuvor. Du scheinst ja eines von diesen Exemplaren zu sein.

Meine Freundin Kathi gehört wohl ebenfalls zu dieser Ich-bin-schwanger-und-hab-trotzdem-Bock-Spezies und sendete mir neulich ein SOS per SMS: "Lisa, wenn du 'nen Trick weißt, den Mann noch im achten Monat dazu zu bekommen ... immer her damit."

Wie ein Presslufthammer? Nein!

Ich rief natürlich sofort an und ließ mir alles haarklein erklären. Es sei schwierig im Bett, sagte sie, weil sie mitten im Geschehen Dinge sagen muss wie diese hier: "Nein, Schatz, das fühlt sich für den Kleinen jetzt nicht an, als sei ein Presslufthammer vor seiner Haustür!" "Nein, der hat jetzt nicht deinen Penis im Auge."

Eine traurige Zeit, findet Kathi. Da gäbe es nur eins: Funtoys. Sie sagt das ganz ernst, während ich schmunzeln muss, weil ich mir diese Dildos mit den Pinguinköpfen vorstelle ... Kuckuck! Da hat der Kleine dann auch gleich was zum Spiel... nein. Stopp jetzt, Lisa. Scheibenwischer an, schmutzige Fantasien weggewischt.

Kathi jedenfalls findet das alles ungerecht. Da will man mal und darf nicht, beklagt sie sich und hat alles Recht der Welt dazu, denn es gibt einen biologischen Grund für die aufflammende weibliche Lust in der Schwangerschaft: Niemals vorher floss so viel Blut durch den Körper wie in der Schwangerschaft. Und Blut erhitzt ja nun bekanntlich die Schwellkörper - auch bei Frauen.

Wenn die harmlose Kuschelsexlerin nun aber zum Bett-Vamp wird, ist das für den Mann natürlich nicht so leicht. Manche reagieren vielleicht generell irritiert auf Veränderungen und fürchten sich, wenn Frau Dickbauch plötzlich permanent an ihnen herumfummeln will.

Stell dir den ratlos dreinblickenden Kerl mal vor seiner Vom-Mütterchen-zur-Mieze-Mutation vor, mit so 'ner Comic-Sprechblase über dem Kopf: "WTF grmpfl boing", steht dann da drin, mit fliegenden Würfeln und Fragezeichen und Totenkopf. Ob es meinem Mann auch so ging? Auch ich habe mich in meinen Schwangerschaften verändert. In der ersten zur Mieze, in der zweiten zum Vamp.

Nee, ich will nur angeben. In der ersten ging es mir ähnlich wie dir. Immer gut drauf, verliebt wie nie, alles bombig. In der zweiten aber musste mein Kerl die Finger von mir lassen. Husch, husch ins Häuschen, geh mir bloß weg. Ich mein, ich hatte ja schon zwei Kerle in mir drin durch die Zwillingsschwangerschaft. Noch einer? No way.

Also notiere: Jede Schwangerschaft ist anders

Bei der einen hätte ich in Kaffee baden können, bei der anderen musste ich schon bei dem Geruch von Kaffee die Kotztüte zücken. Und genauso lief das eben auch im Schlafzimmer.

Ob das meinen Mann traumatisiert hat, weiß ich nicht. Haben wir noch nie drüber gesprochen. Und ist das dann nicht eigentlich ein gutes Zeichen? Manche Leute können ja gut über Sex reden. Andere nicht.

Im Handbuch für den modernen Beischlaf, das meine frühere Kollegin Birgit Querengässer unter dem Titel ›Die feine Art des Vögelns‹ geschrieben hat, steht: "Über Geschlechtsverkehr zu sprechen ist den meisten Menschen unangenehm - vor allem mit dem Menschen, mit dem man ihn praktiziert." Stimmt irgendwie.

Und eigentlich ist es ja auch nicht nötig, groß rumzudiskutieren, denn eine Schwangerschaft endet ja auch irgendwann wieder. Und dann wird alles wieder wie früher. Oder? Hmm, meine Freundin Kathi macht da erst mal keine großen Hoffnungen: "Vorher muss man drum betteln, und wenn man nach der Geburt völlig zerschrottet ist, kommen sie schon nach fünf Tagen an ..."

Ob das bei allen so ist? Eine Blitzumfrage in meinem Mütterfreundeskreis ergab: Es gibt alles. Es gibt die Leute, die schon zehn Tage nach der Geburt wieder loslegen im Bett (Kaiserschnitt!),und solche, deren Beziehung vor der Schwangerschaft eigentlich ausschließlich aus Sex bestand, die aber die gesamte Stillzeit nicht mehr wollen (Natürliche Geburt + Stillen = Hormonelle Trockenheit).

Manche fühlten sich beim ersten Mal nach der Geburt wie beim allerersten Mal überhaupt. Aua. Andere fanden nur schlecht aus der Beschützerrolle raus oder hatten beim Sex das Gefühl, ihrem Baby fremdzugehen. Alle hatten so ihre Problemchen. Und trotzdem kann ich dich beruhigen. Alle, wirklich alle haben sich irgendwann erholt und zu sich zurückgefunden. Und das kann ich sogar beweisen: Denn alle haben mittlerweile noch weitere Kinder in die Welt gesetzt.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Ich glaub, mich tritt ein Kind!: Bekenntnisse einer Schwangeren ... Und schonungslose Wahrheiten einer dreifachen Mutter"

Hier könnt ihr das Buch kaufen.

2016-04-06-1459934602-8638478-cover1.jpg

Lisa Harmann/Caroline Rosales: Ich glaub, mich tritt ein Kind!

Bekenntnisse einer Schwangeren... Und schonungslose Wahrheiten einer dreifachen Mutter.

© 2013 dtv Verlagsgesellschaft, München.

Auch auf HuffPost:

Sie denken, das bockige Kind im Einkaufszentrum sei ungezogen - bis es um Hilfe schreit

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.