POLITIK
04/04/2016 16:36 CEST | Aktualisiert 05/04/2016 10:14 CEST

Karen Dawisha: Die Frau, die Putins Mafia-Netzwerk schon vor zwei Jahren aufdeckte

  • Viele Belege für die mafiösen Strukturen in Russlands Oberschicht aus den Panama Papers dürften neu sein

  • Allerdings hat eine Frau die geheimen Verbindungen schon vor zwei Jahren beleuchtet

Wladimir Putins Name taucht nirgends auf in den Panama Papers. Aber die Namen von Leuten aus Putins Umfeld. Und es tauchen Zahlen auf, die zeigen, dass diese Leute Geschäfte über mehr als zwei Milliarden US-Dollar gemacht haben.

Reichtum in einer Größenordnung, den es ohne Putins Protektion nicht gegeben hätte. "Er nimmt, was er will. Als Präsident Russlands braucht man keinen schriftlichen Vertrag. Man ist das Gesetz." Sagt eine Frau, die es wissen muss: Karen Dawisha.

"Putins Kleptokratie"

Dawisha zählt zu den renommiertesten US-Wissenschaftlern mit Fachgebiet Russland, leitet das Havighurst Center für Russlandstudien an der Miami University in Oxford, Ohio. Sie hat vor zwei Jahren ein Buch herausgebracht mit dem Titel "Putins Kleptocracy".

Darin hat sie bereits viel von dem nachgewiesen, was jetzt neue Dokumente aus den Panama Papers belegen. Sie hat beschrieben, wie Putin in den 90er-Jahren Staatsfinanzen in seine und die Taschen seiner Leute umleitete. Wie er die offiziellen Untersuchungen dazu behinderte. Sie beschreibt, wie er seine Vertrauten auf die Stellen hob, die wichtig waren, in Politik und Wirtschaft. Wie er dafür sorgte, dass die Rossiya Bank in seinen Einflussbereich geriet.

"Um erfolgreich zu sein, mussten Russlands Superreiche dem Präsidenten absolute Loyalität erweisen", schrieb die "New York Times" in einer Rezension des Buches.

Hohes Lob für ihr Buch

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde Dawisha für ihre "mustergültige" Arbeit gelobt, in der sie Berichte russischer Investigativmedien, Gerichtsakten, geheime Telefonmitschnitte und vertrauliche Interviews ausgewertet hatte.

Auf 40 Milliarden US-Dollar hatte sie Putins Privatvermögen geschätzt. Und notiert, dass mehr als die Hälfte der 50 Milliarden US-Dollar, die für die Olympischen Spiele in Sotschi ausgegeben wurden, in den Taschen von Putins Vertrauten verschwanden.

Dawishas Buch war ihrem Verlag zu heiß

Das Buch war so brisant, dass Dawishas Hausverlag, die Cambridge University Press, es ablehnte. Dem Verlag war die Sache zu heiß. Und Dawisha diese Antwort zu blöd.

Sie veröffentlichte die Absage in "The Economist". "Aufgrund des kontrovers diskutierten Themas des Buches und seiner These, dass Putins Macht auf seinen Verbindungen zur organisierten Kriminalität beruht, sind wir nicht überzeugt, dass es einen Weg gibt, das Buch so umzuschreiben, dass wir es beruhigt veröffentlichen können."

Stattdessen hatte der Verlag Simon & Schuster den Mut, das Buch auch in möglichen Prozessen zu verteidigen. Der Verlag wird sich freuen. Auch die Rechercheure der Panama Papers zitieren Dawish. Und ihr Buch.

Russland werden die Panama Papers kaum erschüttern

Dass die Panama Papers Putins Regime ins Wanken bringen, glaubt die Expertin nicht. "Die Politik in Großbritannien und Island wird erschüttert werden. In Russland nicht so sehr", twittert sie.

Man darf das als Beleg dafür nehmen, dass die Kontrolle der Regierungssysteme in Island und Großbritannien, wo der Regierungschef oder der Vater des Premiers Steuern sparten, noch funktioniert. In Russland nicht. Das ist traurig. Aber keine Überraschung. Erst recht nicht, wenn man "Putins Kleptocracy" gelesen hat.

Hier könnt ihr das Buch "Putins Kleptocracy" kaufen.

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