ELTERN
04/04/2016 15:15 CEST

5 Wege, wie Eltern unabsichtlich das Selbstbewusstsein ihrer Kinder zerstören

Was ist nötig, um ein selbstbewusstes Kind zu erziehen?

Die meisten Eltern wissen heute, dass Lob und Motivation dabei eine entscheidende Rolle spielen. Je mehr Zuspruch ein Kind bekommt, so die verbreitete Vorstellung, desto selbstbewusster und erfolgreicher wird es später sein.

Das ist richtig. Aber nur zum Teil.

In Wahrheit ist es die Art des Lobes, die den entscheidenden Unterschied macht. Denn damit steuern Eltern, welche Denkweise ihr Kind sich aneignet. Falsches Lob kann erheblichen Schaden anrichten. Dr. Carol Dweck, eine führende Forscherin auf dem Gebiet, hat auf der Grundlage mehrerer Studien zwei potentielle Denkmodelle entwickelt, die Kinder durch die Erfahrungen, die sie machen, für sich annehmen.

Je nachdem wie Eltern und andere Bezugspersonen mit einem Kind kommunizieren, wird es entweder ein "growth mindset" oder ein "fixed mindset" entwickeln.

Kinder mit einem "fixed mindset", also einer fixierten Denkweise, sind der Ansicht, dass Dinge wie Kreativität, Intelligenz und Charakter angeboren sind und nicht verändert werden können. Daher glauben sie, dass sie ihre Fähigkeiten und Eigenschaften nicht verändern können - egal, wie sehr sie es versuchen.

Sie halten ihr Potenzial für begrenzt und wollen daher lieber keine Herausforderungen annehmen, um ihre Fähigkeiten nicht auf die Probe zu stellen. Denn für Kinder mit einem "fixed mindset" ist Scheitern eine Tragödie.

Kinder mit einem "growth mindset" hingegen haben verstanden, dass ihr Gehirn wie ein Muskel ist, der trainiert werden kann. Sie wissen, dass ihre Fähigkeiten sich verbessern, wenn sie nur genug üben. Sie verstehen ihre Intelligenz als das Ergebnis eines Prozesses, in dem sie immer mehr dazu gelernt haben. Deshalb suchen Kinder mit einem "growth mindset" häufiger nach Herausforderungen und haben weniger Angst, zu scheitern.

Welche Denkweise sie sich aneignen, wird darüber bestimmen, wie selbstbewusst, erfolgreich und glücklich Kinder im späteren Leben sein werden.

Eltern sollten die folgenden Fehler daher vermeiden:

selbstbewusste kinder


1. Das Kind für seine Intelligenz loben

Viele Eltern glauben, dass sie ihrem Kind etwas Gutes tun, wenn sie ihm wieder und wieder sagen, wie schlau es ist. Doch das Gegenteil kann der Fall sein. Sagt man einem Kind immer wieder, dass es intelligent ist, kann es schnell das Gefühl bekommen, keine Kontrolle darüber zu haben.

Denn es versteht seine Intelligenz als feststehende Tatsache und nicht als einen sich entwickelnden Prozess. Das ist problematisch, denn gleichzeitig merkt das Kind, dass es viele Dinge gibt, die es nicht weiß. Was, wenn Mama und Papa herausfinden, dass es doch nicht so schlau ist, wie sie dachten? Was, wenn sie enttäuscht sind?

Kinder, die häufig für ihre Intelligenz gelobt werden, haben oft Angst, zu versagen. Stattdessen sollten Eltern ihren Kindern vermitteln, dass Intelligenz etwas ist, das sich durch Übung entwickelt.

Zum Beispiel indem sie sagen: "Du kannst alle Bundesländer aufzählen - du hast wirklich hart dafür gearbeitet, ich bin stolz auf dich!

2. Eine Aufgabe als einfach bezeichnen

Eine Aufgabe, die auf Eltern einfach wirkt, kann für ein Kind eine große Herausforderung sein. Hört ein Kind, dass etwas ganz einfach ist, das es selbst nicht lösen kann, wird es glauben, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Dieser Gedanke wird sein Selbstbewusstsein automatisch schwächen. Stattdessen sollten Eltern in einem solchen Fall erklären, dass diese Aufgabe schwierig sein kann.

Wenn das Kind sie dennoch lösen kann, wird es stolz darauf sein, etwas Schwieriges gemeistert zu haben. Wenn das Kind sie nicht lösen kann, wird es nicht am Boden zerstört sein, denn schließlich war es ja ein schwierige Aufgabe.

3. Das Kind für schlechte Leistungen kritisieren

Wenn ein Kind sich bemüht hat, aber in der Schule oder beim Sport trotzdem nicht so gut abschneidet, wie von den Eltern gewünscht, sollte es nicht dafür kritisiert werden. Konstruktive Kritik und sinnvolle Vorschläge sind erlaubt, solange das Kind nicht daraus liest, dass es seine Aufgabe schlecht gemacht hat.

Kinder haben oft Angst, die Eltern zu enttäuschen, denn sie sind die wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Nichts greift ihr Selbstbewusstsein und ihre Motivation so sehr an wie elterliche Kritik, glaubt auch Psychologe Carl Pickhardt, der mehrere Erziehungs-Ratgeber veröffentlicht hat.

Stattdessen sollten Eltern ihre Kinder darin unterstützen, ihre Leistungen zu verbessern. Indem sie ihnen klarmachen, dass ihre Fähigkeiten sich durch Übung verbessern lassen.

"Aus Fehlern zu lernen, baut das Selbstbewusstsein auf", erklärte Pickhardt dem "Business Insider".

4. Das Kind bei allem unterstützen

Ein Kind muss spüren, dass es sich auf die Unterstützung der Eltern verlassen kann. Es muss aber auch lernen, bestimmte Dinge auf eigene Faust zu erreichen und es zu akzeptieren, wenn dann auch mal etwas schiefgeht.

Denn nur wenn es Probleme selbstständig löst, wird es in der Lage sein, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Nur dann wird es begreifen, dass Scheitern keine Tragödie ist.

Eltern sollten sich beispielsweise so weit es geht aus den Hausaufgaben heraushalten. Ein paar Dreien oder Vieren auf dem Zeugnis sind kein Drama, sondern helfen dem Kind, die eigenen Fähigkeiten einschätzen zu lernen. Es wird erkennen, in welchen Fächern es mehr Übung braucht und es wird daraus schließen, dass es die eigenen Leistungen selbst beeinflussen kann.

Natürlich dürfen Eltern bei den Hausaufgaben hilfreich zur Seite stehen, sollten sich dann aber immer wider zurücknehmen. Hat ein Kind dauerhafte Schwierigkeiten mit dem Schulstoff, sollten Eltern sich lieber an die Lehrer wenden, anstatt für richtige Antworten zu sorgen.

5. Das Kind vor Risiken beschützen

Kinder sollten sich ab und zu in Gefahr begeben - nicht in Lebensgefahr, aber sie sollten regelmäßig Risiken eingehen.

Zu diesem Schluss sind Forscher der University of British Columbia gelangt. Sie empfehlen, Kinder zeitweise unbeaufsichtigt spielen zu lassen - am besten in der Natur - um die Entwicklung ihrer Kreativität, ihrer Belastbarkeit und ihres Selbstbewusstseins zu fördern.

Kinder sollten am eigenen Leib erfahren, was Gefahr bedeutet, wie man ein Risiko richtig einschätzt und wo die eigenen Grenzen liegen. So lernen sie, nicht nur, dass ein Sturz von der Wippe kein Weltuntergang ist, sondern auch, wie sie es in Zukunft vermeiden können.


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