POLITIK
03/04/2016 17:46 CEST | Aktualisiert 04/04/2016 18:54 CEST

Proteste in Brüssel: Muslimin wird angefahren, während der Beifahrer filmt

A Belgian police officer points his gun while riot police use their truncheons at a car driving towards a police road block before it hit and injured a woman on the street in the Brussels district of Molenbeek, Belgium, April 2, 2016. REUTERS/Yves Herman
Yves Herman / Reuters
A Belgian police officer points his gun while riot police use their truncheons at a car driving towards a police road block before it hit and injured a woman on the street in the Brussels district of Molenbeek, Belgium, April 2, 2016. REUTERS/Yves Herman

  • Demonstrationen Im Brüsseler Problem-Stadtteil Molenbeek kam es am Wochenende zu Demonstrationen

  • Eine Muslimin wurde brutal angefahren

  • Bei den Protesten wurden mehrere Personen festgenommen

Nach einer nicht genehmigten islamfeindlichen Kundgebung kam es am Samstagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek zu Krawallen. Dabei wurde eine muslimische Frau wohl absichtlich von einem Auto angefahren.

Auf privaten Videos sieht man, wie ein Autofahrer eine Polizeisperre missachtet. Dann fährt er ohne abzubremsen in eine Frau, die gerade mit einigen Einkaufstüten die Straße überquert. Sie wird auf die Windschutzscheibe und danach auf die Straße geschleudert, wo sie erneut von dem Wagen erfasst wird.

Auch nach dem Vorfall fahren die beiden Insassen des weißen Audi A1 weiter, ohne ihre Geschwindigkeit zu reduzieren und begehen Fahrerflucht. Der Beifahrer filmt die Szene sogar mit seinem Handy aus dem Autofenster.

molenbeek

Täter sind bisher unbekannt

Während internationale Zeitungen von einer Tat mit rechtsradikalem Hintergrund ausgehen, halten sich die belgischen Medien mit einer Einschätzung zurück. Offizielle Informationen der Polizei zu Herkunft und Motiv des Täters gibt es bislang nicht

Die schwer verletzte Frau wurde ins Krankenhaus gebracht. Über ihren aktuellen Zustand gibt es keine weiteren Informationen. Fotos zeigen jedoch, dass sie während der medizinischen Erstversorgung am Unfallort bei Bewusstsein war.

molenbeek

Steinwürfe auf die Polizei, mehr als hundert Festnahmen

Zu der Demonstration in Molenbeek versammelten sich laut DPA etwa 400 Menschen in der Nähe des Bezirksrathauses des Viertels. Die Demonstration von Rechtsradikalen wurde im Vorfeld von der Verwaltung von Brüssel verboten.

Als sich eine Gruppe von etwa 100 Menschen von der illegalen Demonstration in Molenbeek in Richtung der Brüsseler Innenstadt auf den Weg machte, wo sich linke Gruppen versammelt hatten, wurde sie von der Polizei abgedrängt.

Ein Teil lieferte sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, es flogen Steine und Müllbehälter auf die Sicherheitskräfte, wie der belgische Radiosender RTBF berichtete.

Laut belgischen Medien wurden mehr als hundert Protestler vorläufig festgenommen, allerdings nur zwei in Polizeigewahrsam behalten.

demo brüssel

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Molenbeek gilt als Islamisten-Hochburg

Ursache der Spannungen in der belgischen Hauptstadt sind die Anschläge von 22. März, bei denen 32 Menschen starben und zu denen sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannte.

Der Stadtteil Molenbeek spielt dabei eine zentrale Rolle: Das Viertel, das als ärmste Gegend Brüssels gilt, war Wohnort und Versteck von mehreren Attentätern der Anschläge von Paris und Brüssel. Vor etwas zwei Wochen wurde hier auch der mutmaßliche Drahtzieher von Paris, Salah Abdeslam, festgenommen.

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