POLITIK
03/04/2016 08:44 CEST

Mutmaßlicher Paris-Drahtzieher Abdeslam: "Wenn ich gewollt hätte, hätte es mehr Opfer gegeben"

dpa

  • Mohammed Abdeslam hat seinen Bruder Salah im Gefängnis besucht

  • In einem TV Interview zitiert er seinen Bruder: "Wenn ich gewollt hätte, hätte es mehr Opfer gegeben"

  • Nach seiner Auslieferung nach Frankreich will der mutmaßliche Drahtzieher von den Pariser Anschlägen kooperieren

Zwei Wochen ist es her, dass es belgischen Sicherheitskräften gelang, den mutmaßlichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festzunehmen. Während er selbst im Hochsicherheitsgefängnis in Brügge einsitzt, spricht sein Bruder Mohammed öffentlich im französischen Fernsehen.

Salah Abdeslam habe sich bei den Anschlägen am 13. November 2015 bewusst gegen die Zündung seines Sprengstoffgürtels entschieden. "Wenn ich gewollt hätte, hätte es mehr Opfer gegeben", zitierte Mohamed seinen Bruder am Freitagabend im Nachrichtensender "BFMTV". Weiter soll er gesagt haben: "Glücklicherweise konnte ich das nicht durchziehen."

Abdeslam wollte sich ebenfalls in die Luft sprengen

Kurz nach seiner Festnahme am 18. März hatte Salah Abdeslam laut der französischen Staatsanwaltschaft gegenüber belgischen Ermittlern bereits ausgesagt, dass er sich bei den Angriffen in Paris ursprünglich ebenfalls in die Luft sprengen wollte.

Die Ermittler gehen seitdem ohne Zweifel davon aus, dass der zehn Tage nach den Anschlägen im Pariser Vorort Montrouge gefundene Sprengstoffgürtel tatsächlich von Abdeslam abgelegt wurde.

Laut seinen Anwälten ist der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge in Paris bereit, mit den französischen Behörden zu kooperieren. Gegenüber belgischen Ermitteln hatte er sich zunächst kooperativ gezeigt, nach den Anschlägen von Brüssel am 22. März jedoch seine Aussage doch verweigert.

Verwicklung in die Anschläge von Brüssel?

Die Ermittler sind davon überzeugt, dass hinter den beiden Anschlägen dasselbe Netzwerk innerhalb der Miliz "Islamischer Staates" steckt. Das würde bedeuten, dass Salah Abdeslam auch in den Terrorakt in Brüssel verwickelt wäre. Diese Vorwürfe wies der mutmaßliche Attentäter jedoch zurück.

Für einige Beweise wird er sich aber wohl erklären müssen: So wurden in der Wohnung des Brüsseler Selbstmordattentäters Khalid El Bakraoui Fingerabdrücke Abdeslams gefunden. Auch mit Najim Laachraoui, einem weiteren Brüssel-Attentäter, war Abdeslam bekannt: Sie waren gemeinsam nach Ungarn gereist und Laachraoui soll auch die Bomben für die Paris-Anschläge gebaut haben.

Mohamed Abdeslam, der seinen Bruder am Freitag im Gefängnis besucht hatte, betonte im TV-Interview, dass Salah kooperieren wolle. Es gäbe eine Rechenschaft abzulegen, "aber nicht in Belgien".

Salah Abdeslam habe "in letzter Minute kehrgemacht"

Vor der Festnahme seines Bruders hatte Mohamed mehrmals in Fernsehinterviews an den international Gesuchten appelliert, sich zu stellen. Laut ihm sei Salah "sehr intelligent" und habe "in letzter Minute kehrtgemacht". Über die Festnahme zeigte sich seine Familie erleichtert.

Salah Abdeslam gilt als einziger überlebender Attentäter der Terrorakte von Paris. Bei den Anschlägen am 13. November waren 130 Menschen getötet worden. Der Auslieferung des Franzosen marokkanischer Abstammung nach Frankreich hat ein belgisches Untersuchungsgericht bereits zugestimmt.

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