POLITIK
03/04/2016 16:15 CEST | Aktualisiert 03/04/2016 17:20 CEST

Geheime Dokumente: So verdienten Hunderte Politiker und Prominente mit schmutzigen Geschäften Milliarden

POOL New / Reuters
Russian President Vladimir Putin attends a joint news conference with his Finnish counterpart Sauli Niinisto following their talks at the Novo-Ogaryovo state residence outside Moscow, Russia, March 22, 2016. REUTERS/Kirill Kudryavtsev/Pool

  • Massives Datenleak offenbart, wie Politiker und Prominente weltweit Geld waschen

  • Freunde des russischen Präsidenten Putin sollen rund 2 Milliarden Dollar in Briefkastenfirmen gesteckt haben

  • Auch Starfußballer Lionel Messi scheint in schmutzige Geschäfte verstrickt

Schon länger haben es Experten vermutet, aber jetzt ist es gewiss: Rund um den russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt es ein weites Netz an Korruption. Das zeigen Dokumente aus einer Anwaltskanzlei in Panama. 80 Zeitungen weltweit - darunter der Süddeutsche Zeitung - liegen die Dokumente vor.

Sie zeigen, dass Vertraute des russischen Präsidenten Putin in den vergangenen Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen geschleust und so aus Russland herausgeschafft haben.

Insgesamt wurden 11 Millionen Dokumente der Kanzlei Mossack Fonseca geleakt. Sie zeigen, dass die panamaische Kanzlei mehr als 200.000 Offshore-Firmen gegründet hat, darunter etliche, die offenbar persönlichen Freunden Putins gehören. Auch der Cousin von Syriens Präsident Baschar al-Assad taucht in den Dokumenten auf.

Bank aus Sankt Petersburg in den Betrug verstrickt

Den Dokumenten zufolge haben Briefkastenfirmen aus diesem Netzwerk Anteile und Aktienoptionen wichtiger russischer Unternehmen gehalten. Außerdem wurde das Vermögen der Briefkastenfirmen offenbar durch Millionen-Geschäfte gemehrt, bei denen der eigentliche Zweck verschleiert wurde, etwa durch rückdatierte Aktiengeschäfte, Kredite zu außergewöhnlichen Konditionen oder angebliche Beraterhonorare.

Eine wichtige Rolle spielten dabei ausweislich der Unterlagen Mitarbeiter der Bank Rossija, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Das Geldhaus aus Sankt Petersburg gilt nach Angaben von Vertretern der US-Regierung als „Putins Bank“ und wurde deswegen nach der Krim-Annexion mit Sanktionen belegt. Auch gegen weitere Putin-Vertraute, die in den geleakten Dokumenten im Zusammenhang mit anderen Briefkastenfirmen auftauchen, haben die EU und die USA Sanktionen verhängt.

Der Name von Putin selbst taucht bei den Briefkastenfirmen nicht auf. Eine detaillierte Anfrage, die die "SZ" vorvergangene Woche wegen der Vorgänge an Putin richtete, ließ der Kreml bis Sonntag unbeantwortet, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der Sprecher Putins sagte jedoch bereits vor einigen Tagen russischen Medien, die geplante Berichterstattung sei eine „Informationsattacke“ auf Russland und seinen Präsidenten.

Größter Leak von Dokumenten bisher

Die Informationen über die Firmen beruhen auf dem größten Datenleck, das es bislang gab. Der Süddeutschen Zeitung hat eine anonyme Quelle 2,6 Terabyte an Daten überlassen.

In den Panama Papers tauchen laut "Süddeutscher Zeitung" auch mehrere Staats- und Regierungschefs auf. So gehören oder gehörten offenbar dem saudi-arabischen König Salman ibn Abd al-Asis und dem früheren georgischen Ministerpräsidenten Bidsina Iwanischwili Offshore-Firmen. Auch der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, wird den Unterlagen zufolge als Eigentümer einer Briefkastenfirma genannt.

Auch der isländische Premierminister Sigmundur Davíð Gunnlaugsson besaß bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Der Premier erklärte auf Anfrage, die Firma habe immer seiner Frau gehört; Firmen, die nicht wirklich Geschäfte machen, seien zudem nicht meldepflichtig.

Auch Starfußballer Messi in den Fall verstrickt

Auch der argentinische Fußballspieler Lionel Messi, der Ende Mai wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Spanien vor Gericht stehen wird, ist laut "Süddeutscher Zeitung" als Begünstigter einer der Staatsanwaltschaft bis dato unbekannten Offshore-Firma geführt. Diese Firma taucht bisher in den Akten der Staatsanwaltschaft nicht auf, bestätigte ein Sprecher der Behörde. Auf Anfrage wollte sich der Fußballer nicht zu der Angelegenheit äußern.

Die bislang unbekannte Briefkastenfirma heißt Mega Star Enterprises und gehört offenbar zur Hälfte Lionel Messi. Sie wurde zumindest bis vor kurzem von der Kanzlei Mossack Fonseca betreut.

Ausweislich der Panama Papers wird die Mega Star Enterprises, die jedenfalls bis vor wenigen Wochen noch aktiv war, von fünf unbekannten Scheindirektoren geleitet – aber die Inhaber des Unternehmens waren offenbar Lionel Andrés Messi und sein Vater und Manager Jorge Horacio Messi.

Das geht aus einem Papier von Juni 2013 hervor, das sich in den Panama Papers findet. Darin erklärt ein Mitarbeiter einer uruguayischen Anwaltskanzlei dem Offshore-Provider Mossack Fonseca, die finalen Begünstigten der Mega Star Enterprises seien die Messis.

Spuren zur Fifa-Affäre

In den Daten der Panama Papers finden sich auch Spuren zur Fifa-Affäre. So hat der uruguayische Anwalt Juan Pedro Damiani, der als Mitglied des Fifa-Ethikkommission den Sportverband säubern soll, offenbar ausgerechnet drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen, über die womöglich Fifa-Funktionäre bestochen wurden.

Die Ethikkommission hat nun Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied eingeleitet. Damiani erklärte auf Anfrage, die Kommission über die Geschäftsverbindungen informiert zu haben; allerdings geschah dies erst nach der Anfrage zu den Panama Papers.

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