POLITIK
04/04/2016 01:52 CEST | Aktualisiert 04/04/2016 06:00 CEST

Die Löschung des Böhmermann-Videos durch das ZDF wird Konsequenzen haben

Der Komiker Jan Böhmermann
ullstein bild via Getty Images
Der Komiker Jan Böhmermann

  • Nach der Löschung einer Böhmermann-Satire aus der ZDF-Mediathek entbrennt eine Diskussion über Grenzen der Meinungsfreiheit

  • Die Linke will eine Beschwerde gegen die Löschung beim Fernsehrat einlegen

Die Löschung der Erdogan-Satire des Komikers Jan Böhmermann aus der ZDF-Mediathek wird wohl vor dem Fernsehrat enden. Denn nach Informationen der "Welt" liegen inzwischen zahlreiche Programmbeschwerden bezüglich der Sendung vor, über die der Rat entscheiden muss.

Der Vorsitzende des Rats, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, rechnet damit, dass auch Beschwerden gegen die Löschung eingehen. Eine solche plant die Linke.

"Schmähungen nicht durch Meinungsfreiheit gedeckt"

"Wir werden nachfragen und gegen die Löschung des Beitrags protestieren", sagte der medienpolitische Sprecher der Fraktion, Harald Petzold, der "Welt".

Dagegen nahmen Politiker von Union und FDP das ZDF in Schutz. "Wir sollten unsere Pressefreiheit gegenüber jedermann konsequent verteidigen", sagte der CSU-Rechtspolitiker Hans-Peter Uhl. Wenn aber ein Machwerk wie dieses ausschließlich Beleidigungsabsicht habe, "muss es Formen der öffentlichen Distanzierung geben".

Auch FDP-Chef Christian Lindner verteidigt die Reaktion des Senders. "Die Politik von Herrn Erdogan in der Türkei muss man scharf kritisieren. Das ist aber kein Grund für Schmähungen, die bei uns eben nicht von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt sind."

Lindner kritisiert dabei auch den Satiriker Jan Böhmermann, der den Text in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" vorgetragen hatte. "Wenn es um die Qualität von TV-Satire geht, dann steht mancher leider in Sachen Kritikfähigkeit Herrn Erdogan in nichts nach."

"Freiheit bedeutet, genau solche Zumutungen auszuhalten"

Unterstützung bekam Böhmermann vom bekannten Kolumnisten Henrik M. Broder, der einen Kommentar für die "Bild"-Zeitung schrieb: "

"Wenn es festgelegte Grenzen und Qualitätsstandards für Satire gäbe, dann gäbe es Satire nicht. Mit derselben Argumentation, die das ZDF verwendet, löschen und unterdrücken Diktaturen und Despoten unliebsamen Spott", so Broder.

"Gebührenfinanziert ermöglichen wir Erdogan, zu Recht zu behaupten, dass nicht nur in seiner Türkei, sondern auch in Deutschland "schlechte Satire" gelöscht wird. Böhmermanns Sendung war eine Zumutung. Freiheit bedeutet, genau solche Zumutungen auszuhalten."

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