POLITIK
02/04/2016 12:30 CEST | Aktualisiert 02/04/2016 12:39 CEST

In Europa gibt es 900 "No-go-Areas" - laut Ungarn

Die Karte der ungarischen Regierung.
Kormány Információ
Die Karte der ungarischen Regierung.

  • In Europa gibt es einer Zählung der ungarischen Regierung zufolge über 900 "No-go-Areas"

  • Verantwortlich dafür ist angeblich eine Überzahl von Zuwanderern

Vorsichtig sein heißt es derzeit in Europa. Ob in Berlin, Paris, London, Stockholm oder anderen Metropolen des Kontinents - es lauern Gefahren. Denn es gibt Gegenden, in denen viele Zuwanderer leben und in denen die Behörden "wenig oder gar keine Kontrolle" ausüben - jedenfalls nach Meinung der ungarischen Regierung.

Über 900 solcher "No-go-Areas" gebe in Europa, heißt es auf einer von der Regierung eingerichteten Website. Passend dazu gibt es eine Illustration: eine Karte Europas mit als "No-go" bezeichneten Symbolen in Stoppschildform.

Meinungsmache im Asyl-Referendum

Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Reisewarnung für ungarische Touristen - sondern um Meinungsmache gegen Flüchtlinge. Die Seite soll zeigen, wie sehr der Kontinent durch den Zuzug von Schutzsuchenden verkommen sei. Der Hintergrund: In der EU sollen 160.000 Flüchtlinge, die in Griechenland und Italien angekommen sind, auf die anderen Staaten verteilt werden. Ungarn will dabei nicht mitmachen. In der zweiten Jahreshälfte soll es daher ein Referendum geben, in dem die Bürger sich für oder gegen den Beschluss aussprechen können.

Ministerpräsident Viktor Orbán wünscht sich offensichtlich, dass die Befragung mit einem deutlichen "Nein" ausfällt. Daher lässt er auf der Homepage alle erdenklichen Argumente, wahr oder unwahr, ins Feld führen. So heißt es, dass die "Zwangsumsiedlung" die Terrorgefahr erhöhe, weil mit der Asylbewegung auch feindlich gesinnte Menschen einreisten.

Kultur in Gefahr

Überdies sei die örtliche Kultur in Gefahr. Die Neunankömmlinge hätten das Potential, "die ethnische, kulturelle und religiöse Zusammensetzung des Landes zu verändern". Illegal Eingereiste würden sich zudem nicht an die Gesetze halten.

Um reichlich Druck aufzubauen, steht an der Spitze der Seite zudem eine Grafik, auf der alle zwölf Sekunden ein neues stilisiertes Männchen erscheint - denn alle zwölf Sekunden komme statistisch gesehen ein neuer Einwanderer nach Europa. Daneben tickt der entsprechende Countdown - was wohl bedeuten soll: Die Lage ist ernst.

nogo1

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