POLITIK
02/04/2016 08:25 CEST | Aktualisiert 02/04/2016 12:40 CEST

Merkels bewegende Traueransprache für Westerwelle: "Diese Rede wollte ich niemals halten"

  • Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat den früheren Außenminister Guido Westerwelle als engen Vertrauten und verlässlichen Partner gewürdigt

  • Sein Tod sei schwer zu akzeptieren und schon gar nicht zu fassen, sagte sie in Köln bei einer Trauerfeier

Kanzlerin Angela Merkel war auf der Trauerfeier für den verstorbenen Guido Westerwelle sichtlich berührt. Mit Tränen in den Augen und bebender Stimme hielt sie zum Ende des Gedenkgottesdienstes eine bewegende Ansprache - und sagte:

"Diese Rede zählt definitiv nicht zu den Ansprachen, die ich jemals halten wollte. Dass wir zusammengekommen sind, um zu trauern, ist sehr schwer zu akzeptieren", sagte Merkel.

"Ich habe es nicht glauben können und wollen"

Die Todesnachricht habe Merkel unvermittelt und unvorbereitet getroffen. "Ich habe nicht glauben wollen und glauben können, dass Guido Westerwelle nicht in der Lage sein würde, sein zweites Leben nach der Politik zu führen", sagte sie vor der Trauergemeinde.

Merkel ging ausführlich auf das Verhältnis der beiden ein, das nicht nur politisch, sondern auch privat sehr eng war.

"Er verteidigte die liberalen Grundwerte und wich keinem Konflikt aus. Er schaffte es auch, mich - ich kann es nicht anders sagen - zur Weißglut zu bringen. Wir waren auch verwundert, zum Beispiel als Guido Westerwelle zusammen mit Michael Mronz zusammen als Paar gekommen sind. Meine Anteilnahme gilt vor allem dir, lieber Michael. Deinen Schmerz können wir nur erahnen."

Die Kanzlerin lobte außerdem Westerwelles Verdienste für die europäische Idee. "Die Idee der europäischen Einigung war ihm eine Herzensangelegenheit. Er wusste, dass Europa nicht an der Oder endete."

"Nicht ein einziges Mal ist etwas an die Öffentlichkeit gekommen, was nicht an die Öffentlichkeit sollte"

Sein viel zu früher Tod sei ein herber Einschnitt. Über all die Jahre haben Guido Westerwelle und Kanzlerin Merkel erfahren können, dass sie uns trotz heftiger Meinungsunterschiede vertrauen konnten. "Nicht ein einziges Mal ist etwas an die Öffentlichkeit gekommen, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war", zitierte Merkel aus Westerwelles Buch "Zwischen zwei Leben."

"Dieses Vertrauen ist rar. Ich werde dich nicht nur als überzeugten Liberalen und Patrioten vermissen, der mit Herz für Menschenrechte gekämpft hat. Ich werde dich als Menschen und Vertrauten vermissen. Wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Du warst streitbar, empfindsam, treu. Du wirst sehr fehlen."

Das letzte Mal wollten sich Merkel und Westerwelle bei einer Buchvorstellung in Berlin treffen. Doch Westerwelle sagte aus gesundheitlichen Gründen ab: "Ein anderes Mal, sagten wir dann. Doch ein anderes Mal sollte es nicht mehr geben", so Merkel.

Mit einer Trauerfeier nehmen Angehörige, Freunde und politische Weggefährten in Köln Abschied vom ehemaligen Außenminister Guido Westerwelle. Zu dem ökumenischen Gottesdienst in der St. Aposteln-Kirche kamen unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Im Altarraum stand ein brauner Holzsarg, ein Porträtfoto zeigte einen lächelnden Westerwelle. Nach dem Gottesdienst sollte der frühere FDP-Vorsitzende auf dem Melaten-Friedhof bestattet werden. Westerwelle war am 18. März mit 54 Jahren an Leukämie gestorben.

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