POLITIK
01/04/2016 12:02 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 12:38 CEST

"Schnelles Helles": Diese Biker-Gang wollte es mit den Hells Angels aufnehmen - und konnte nicht Motorrad fahren

"Schnelles Helles": Diese Biker-Gang wollte es mit den Hells Angels aufnehmen - und konnte nicht Motorrad fahren
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"Schnelles Helles": Diese Biker-Gang wollte es mit den Hells Angels aufnehmen - und konnte nicht Motorrad fahren

  • In einer Bonner Bar taucht eines Abends eine seltsame Rocker-Truppe auf

  • Sie will es mit den Hells Angels aufnehmen

  • Doch die "Höllenengel" vermuten eine Falle

Sie können nicht Motorrad fahren. Das ist ihnen aber egal. Lederkutte, breites Kreuz, fiese Miene, "richtige Kleiderschränke". So beschrieb ein Wirt die bösen Buben, die eines Abends in seine Bar in Bonn kamen, um ein Bier zu bestellen.

Sie wollten das Revier ihrer neuen Motorradgang markieren, den Hells Angels, die dort das Sagen haben, so richtig ans Bein pinkeln.

An so einem Gangnamen muss etwas faul sein

Geklappt hat es nicht wirklich. Wahrscheinlich hatten die Rocker durchschaut, dass hinter dem Logo der Truppe entweder Weicheier stecken.

hells angels

Oder verdeckte Ermittler der Polizei. Und ja, letzteres sollte auf die Gangmitglieder von "Schnelles Helles" tatsächlich zutreffen.

Sieben verdeckte Ermittler des LKA türken Rockerclub

Hinter der Biker-Gang steckten sieben verdeckte Ermittler des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz, die sich als Motorradrocker tarnten.

Nach Recherchen von WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" wollten die Beamten mit dem getürkten Club die Hells Angels Bonn provozieren, nachdem sie im Juli 2013 ein anonymes Warnschreiben bekommen hatten.

Die Hells Angels zögen von Krieg zu Krieg, wenn nichts passiere, dann werde jemand sterben, schrieb der Unbekannte. Um die Rocker zu überführen, wollten die Ermittler gegen ungeschriebene Gesetze des Rocker-Clubs verstoßen.

Sie bestellten dieselben Lederkutten, imitierten die "Engelsschrift", hinterließen sogar Bierdeckel mit ihrem Logo, zitiert die "Süddeutsche" aus dem Protokoll der Ermittler.

"Schnelles Helles" scheiterte schon am Dialekt

Bei den Barbesuchen von "Schnelles Helles" habe draußen Verstärkung für den Ernstfall gewartet. Gefahr war dennoch selten im Verzug: Denn so wirklich überzeugen konnte "Schnelles Helles" offenbar schon des Dialektes wegen nicht.

Wie ein Wirt sich erinnert, hat ein "Gangmitglied" seinen bayerischen Dialekt damit gerechtfertigt, dass er gerade in die Stadt gezogen sei und seine Wohnung renoviere. Ein anderer sagte, er sei mit seiner Frau aus Ostdeutschland erst in die Gegend gezogen.

"Bitte Logo ändern", hochachtungsvoll, die Hells Angels

Die Hells Angels Bonn witterten die Falle.

Als die Truppe eines Tages tatsächlich in der Bar erschien, baten sie den Wirt ganz nüchtern, den Leuten von "Schnelles Helles" auszurichten, sie mögen doch bitte Farbe und Schrifttyp ändern, heißt es in dem Bericht der "Süddeutschen". Schließlich sei das ihr Logo. Dem Wirt zufolge verlief das Gespräch entspannt, ohne Aggressivität.

In den Augen der "Höllenengel" hatte sich die Ermittler-Truppe wohl vor allem aus einem Grund entlarvt: Die Biker von "Schnelles Helles" hatten zwar Lederkutten. Nur hatten sie keine Bikes.

Wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht, ließen sich die verdeckten Ermittler nach jeden Einsatz von einem Kleinbus abholen und ins Hotel fahren. Motorradfahren konnten die Mitglieder von "Schnelles Helles" also nicht.

Bislang unklar, wie viele Beweise "Schnelles Helles" liefern kann

Nichtsdestotrotz sind die Mitglieder der Hells Angels Bonn nun vor Gericht gelandet. In einem umfangreichen Rockerprozess am Landgericht Koblenz wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung, schwere Körperverletzung, räuberische Erpressung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Prozessbeobachtern zufolge ist bislang unklar, wie viel Erkenntnisse die Truppe der verdeckten Ermittler für die Beweisführung konkret liefern kann. Dennoch sei "Schnelles Helles" knapp 50 Mal in der Anklageschrift erwähnt worden.

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