POLITIK
01/04/2016 16:55 CEST

So effektiv wäre es, wenn der Staat Flüchtlingen ihren Wohnort vorschreiben würde

So effektiv wäre es, wenn der Staat Flüchtlingen ihren Wohnort vorschriebe
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So effektiv wäre es, wenn der Staat Flüchtlingen ihren Wohnort vorschriebe

  • Wenn man Flüchtlingen ihren Wohnort vorschreiben könnte, müsste man viel weniger Wohnungen neu bauen

  • Das ist das Ergebnis einer neuen Studie

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will anerkannten Flüchtlingen vorschreiben, wo sie leben müssen – um zu vermeiden, dass sich Ghettos bilden, und um den Druck aus ohnehin hart umkämpften Wohnungsmärkten vor allem in Großstädten zu nehmen. Denn dort fehlen billige Wohnungen, nicht nur für Flüchtlinge, auch für Deutsche.

Eine neue Studie im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses zeigt, dass De Maizières Ansatz wirtschaftlich höchst interessant wäre:

Wie der „Spiegel“ berichtet, hat die Beratungsfirma Empirica herausgefunden, dass nur grob halb so viele Wohnungen neu gebaut werden müssten, wenn Zuwanderer dort einziehen würden, so ohnehin viel leer steht.

41.000 Wohnungen pro Jahr weniger

Ohne die Wohnsitzvorgabe würden bis 2020 – wenn die Flüchtlingszahlen sinken – jedes Jahr 75.000 neue Wohnungen gebraucht. In Städten wie Frankfurt am Main, Stuttgart oder München würde sich der Bedarf sogar mehr als verdoppeln.

Mit der Wohnsitzvorgabe würden pro Jahr nur 34.000 neue Wohnungen gebraucht, und in den Großstädten nur 10 bis 30 Prozent mehr.

1.500.000 Wohnungen leer

Schätzungen nach stehen in Deutschland etwa 1,5 Millionen Wohnungen leer, eine Million im Westen eine halbe im Osten. Laut "Spiegel" haben außerdem die Hälfte der deutschen Landkreise in den vergangenen fünf Jahren Einwohner verloren.

Matthias Günther, Geschäftsführer des Eduard-Pestel-Instituts für Systemforschung, das die deutsche Immobilienwirtschaft berät, sagte „heute.de“, das höre sich nur oberflächlich gut an. Denn die Wohnungen stünden dort leer, wo es wenige Arbeitsplätze und schlecht ausgebauten öffentlichen Nahverkehr gebe. Das wiederum kann Flüchtlinge die Integration erheblich schwerer machen.

Eine vom Staat verordnete Wohnsitzpflicht könnte diesen Fakten nach also die Ghettobildung wirksam verhindern. Perspektiven schaffen - dafür muss eine andere Lösung her.

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